Gesine Schwan Informationscontainer oder gebildete Bürger? Die Zukunft der Universität die regionale zum anderen„entzerren“ bzw. verteilen werden und dass dies in dem Maße gelingt, wie die Probleme in bürgerlicher Verantwortung angegangen und entschieden werden; von Menschen, die es gelernt haben, über den Tellerrand ihrer eigenen Interessen, ihrer Lebenswelt, ihrer Profession, ihres Spezialgebiets oder Ihrer Weltanschauung hinaus zu blicken, sich in andere hineinzudenken und zu-fühlen, sich mit ihnen schon„vor Ort“ zu verständigen und tragfähige Regelungen zu finden; je selbsttätiger, ohne Abwarten auf den Wink von oben, desto besser. II. 3. Verständigungsfähigkeit als Ziel universitärer Wahrheitssuche und als Kompetenz des gebildeten Bürgers So scheint mir das umfassende Ziel der zukünftigen Universität die Verständigungsfähigkeit zu sein, im vielfältigen Sinne einerseits der kognitiven Einsicht in die Voraussetzungen unseres Wissen, Denkens und Handelns, der reflektierten Kenntnis unterschiedlicher Wirklichkeits- also auch Wissenschaftsbereiche, des Interesses an anderen geschichtlichen Erfahrungen und kulturellen Prägungen, sowie andererseits des Vermögens, der Phantasie und des Willens, sich in andere Denkweisen und Menschen hineinzuversetzen und gemeinsam mit ihnen im Geiste der Freiheit und der Gerechtigkeit zu handeln. Nicht von ungefähr schwingen in dem Wort„Verständigung“ eine scheinbar rein intellektuell-kognitive Saite und eine moralische mit. Sie haben beide ihre unverzichtbare Bedeutung. Denn es geht bei ihr zum einen darum, Neues zu begreifen- in seiner Logik, seinem inneren Aufbau, seinen Konsequenzen etc.- das ist das ureigene Gebiet der Forschung. Zum anderen wird es aber auch immer lebens- ja überlebensnotwendiger, mit anderen Personen zu einem Einvernehmen zu gelangen, auf sie zuzugehen mit durchaus klaren Vorstellungen, aber mit der Bereitschaft, im Falle von Konflikten zu gerechten Lösungen zu gelangen. Das wiederum kann man nur, wenn man nicht im eigenen Kenntnis- und Lebensbereich verkapselt bleibt, sondern, die eigene Welt reflektierend, sich auch auf anderes versteht. Das vielfach proklamierte„Wissensmanagement“ verhält sich zur Verständigungsfähigkeit wie das Kegeln zum Schachspiel, allerdings ist es weniger kunstvoll, sportlich und vor allem lustvoll als das Kegeln. III. Folgerungen für die Struktur der zukünftigen Universität Wenn ich im Folgenden die strukturellen Konsequenzen aus dem derartig umrissenen Ziel der Universität darzustellen suche, so geht es mir nicht um bis ins einzelne spezifizierte Regelungen, sondern um Leitlinien, die sich sowohl von der Tendenz einer technischen Virtualisierung der Universität – der Auflösung ihrer räumlichen und zeitlichen Dimension – als auch von Modellen einer durchgehenden Ökonomisierung und/ oder einer Zentralisiewww.fes-online-akademie.de Seite 11 von 19
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Informationscontainer oder gebildete Bürger? : Die Zukunft der Universität ; Januar 2001
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