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Informationscontainer oder gebildete Bürger? : Die Zukunft der Universität ; Januar 2001
Entstehung
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Gesine Schwan Informationscontainer oder gebildete Bürger? Die Zukunft der Universität sicherung, vor Angst und Resignation zu bewahren und uns den Mut zu geben, das Er­kenntnisrisiko einzugehen und damit unsere Kreativität zu stützen. Nur wer das Abenteuer und die Abgründe des radikalen Zweifels nicht kennt und selbst in der Wissenschaft den Schutz der Routine beibehält, kann solche Erwägungen als wissenschaftsfremd oder als Plädoyer für einen Freizeitpark missverstehen. Tragende Freundschaften aber entstehen zwischen Menschen, die sich nicht nur virtuell, sondern konkret begegnen, ihre gegenseitige Verlässlichkeit ausprobieren und erfahren können und damit ein Fundament für ein Leben lang währende Beziehungen legen. Verständigungsfähigkeit setzt überdies Welterfahrung und soziale Kompetenz voraus. Eine virtuelle Universität zwingt uns kaum, uns auf andere Menschen einzustellen, ein differenziertes Verständnis für ihr Verhalten zu entwickeln. Die sprichwörtliche Weltfremd­heit von Professoren, die auch durch die traditionelle Rollenverteilung zwischen den Ge­schlechtern begünstigt war und ist, derzufolge der Alltag des Lebens eher von den Frauen versorgt wird- diese kleine feministische Anmerkung sei mir vergönnt, hatte früher zu­weilen etwas Anrührendes. In der Universität der Zukunft sollte sie nicht mehr die Regel sein(auch wenn es immer die Möglichkeit geben muss, in einsamer Weltabgeschiedenheit zu forschen!). So steht die Verständigungsfähigkeit, wenn man sie als Ziel von Universität ernst nimmt, deren Virtualisierung klar entgegen. Die Technik des Computers bietet eine vorzügliche Hilfe, Informationen beschleunigt zu übermitteln und aufzunehmen. Daraus wird aber Wis­sen erst, wenn sich Menschen an einem Ort treffen, wo sie das ganze Potential ihrer viel­dimensionalen Erkenntnisfähigkeit ausschöpfen und fruchtbar machen können. Das kon­krete Zusammensein sichert ab gegen die Verzweiflung, die aus der Bodenlosigkeit wis­senschaftlichen Fragens aufsteigen kann und bietet die Welterfahrung wie die soziale Kompetenz, die Verständigung auch braucht. Damit soll der pragmatische Wert von Fern­unterricht, der in vielen Situationen wertvolle Hilfe leistet, nicht bestritten werden. Aber er darf die Universität nicht ersetzen, sondern bleibt eine Notlösung. III. 3 Überschaubare Einheiten, Internationalität und Interdisziplinarität von For­schung und Lehre Drei weitere strukturelle Folgen aus dem von mir genannten Universitätsziel möchte ich noch kurz ausführen: Die Notwendigkeit, den persönlichen Umgang miteinander durch überschaubare Einheiten zu wahren, sowie die Forderungen nach Internationalität und Interdisziplinarität universitärer Forschung und Lehre. www.fes-online-akademie.de Seite 15 von 19