Gesine Schwan Informationscontainer oder gebildete Bürger? Die Zukunft der Universität scher Vereinfachung und Verfügung auch ausgezeichnet haben, mit einer archaischen Kraft, in der bügerkriegsähnliche Bedingungen dem lernenden Individuum gar nicht mehr erlauben, vor seinem Computer zu sitzen. Und vielleicht ist die Vielfalt unserer kreativen Potentiale dann so vertrocknet, dass wir den neuen Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind. Um es vorweg zu sagen: Einen logisch zwingenden Grund dafür, dass es dahin nicht kommen dürfe, vermag ich nicht vorzubringen. Und auch die weniger dramatische Variante einer Verkümmerung menschlicher Eigenschaften und Potentiale kann ich nicht verbindlich als„falsch“ ausweisen. Ein respektabler und angesehener Kollege sagte mir vor einiger Zeit, in Zukunft hätten wir Professoren weniger Wissenschaftler und Lehrer, statt dessen mehr Manager zu sein. In einer solchen Beschreibung wird die Universität zu einem Ort nicht des wahrheitsverpflichteten gemeinsamen Suchens, nicht des intellektuellen Erkenntnisfortschritts, nicht des kulturellen Austauschs, kurz: nicht des lebendigen Geistes, sondern des reibungslosen Funktionierens. Damit müssen Kultur und Geist aus der Gesellschaft nicht auswandern, aber die Wahrheitssuche als methodisch geprüftes und reflektiertes Erforschen von Wirklichkeit und das umfassende Nachdenken über sie hätten an der Universität ihren Ort verloren. Überdies ergäben sich weitreichende Folgen für die Gesellschaft, deren Nachwuchs die Einseitigkeit solcher Ausbildung in Führungspositionen an die zukünftige Arbeits- und Lebenswelt weitergäbe. II. Ziele der zukünftigen Universität Zur Frage steht, ob wir das wollen und welche anderen Effektivitäts- bzw. Effizienzvorstellungen, sprich: Ziele der Institution Universität wir gegebenenfalls statt ihrer reinen Ökonomisierung und Technologisierung vorschlagen möchten. II. 1. Ausbildung und Bildung konvergieren zukünftig in der Reflexion Traditionsgemäß werden als außerökonomische Ziele der Universität Bildung und Ausbildung genannt. Häufig werden sie gegeneinander ausgespielt. Dann steht die zweckfreie Persönlichkeitsentfaltung dem Training für den Arbeitsmarkt entgegen. Angefügt wird in der Regel noch die Warnung, heute könne die Universität nicht mehr nur für die Wissenschaft ausbilden – als ob sie das je so eingeengt getan hätte. Freilich hat die tiefgehende Unsicherheit über die zukünftige Gestalt des Arbeitsmarktes das Ziel der berufsbefähigenden Ausbildung in jüngster Zeit zunehmend unklar werden lassen. Wir wissen nicht mehr, wie der zukünftige Arbeitsmarkt aussehen wird, auf welche www.fes-online-akademie.de Seite 6 von 19
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Informationscontainer oder gebildete Bürger? : Die Zukunft der Universität ; Januar 2001
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