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Informationscontainer oder gebildete Bürger? : Die Zukunft der Universität ; Januar 2001
Entstehung
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Gesine Schwan Informationscontainer oder gebildete Bürger? Die Zukunft der Universität Meinungsforschung und qualitative Biographieforschung kaum etwas miteinander anfan­gen, und dabei gehören Meinungen und individuelle Biographien doch eng zusammen! Je mehr Wirklichkeit aber um der methodischenSauberkeit bzw. der Professionalität willen ausgeklammert wird, desto größere Einbußen bringt das für die Geltung der Forschungs­ergebnisse mit sich. Man kann zwar analytisch von vielen Umständen die man probe­halber als ceteris paribus gleichsetzt absehen, die Wirklichkeit hält sich daran in der Re­gel nicht. Jürgen Mittelstraß hat als Ausweg aus diesem Dilemma seit einigen Jahren den Begriff der Transdisziplinarität propagiert und damit zugleich den Anspruch, zu viele Disziplinen gleichsam unter einen Hut zu bringen, zurückgenommen. Was bliebe, wäre immerhin das Prinzip, die Grenzen des eigenen Bereichs nicht aus dem Blick zu verlieren, die Einsicht, dass wissenschaftliche Innovation sich oft dann einstellt, wenn die Forschung über vorher feststehende Disziplingrenzen hinausgeht und sich z.B. hinsichtlich der Hirnforschung so­wohl naturwissenschaftliche als auch geisteswissenschaftliche Zugänge erschließt. Beides tut der Verständigungsfähigkeit unverzichtbare Dienste. III. 4. Folgerungen für Evaluationskriterien und Entscheidungsstruktur der Universität Schließlich hat das Ziel der Verständigungsfähigkeit weichenstellende Konsequenzen für die Entscheidungsstruktur der zukünftigen Universität und für die Evaluationskriterien, an denen man ihre Leistung misst. Die jahrelang zu Besorgnis anhaltenden Erfahrungen ins­besondere der Massenuniversitäten, die Enttäuschung darüber, dass es so schwierig ist, in ihnen durchdachte Reformen voranzubringen, hat eine allgemeine Tendenz bei wichti­gen hochschulpolitischen Verantwortungsträgern bestärkt, die Entscheidungskompeten­zen innerhalb der Universitäten zu zentralisieren bei den Präsidenten und bei den Deka­nen-, um so Leistung zu stimulieren und Neuerungen durchzusetzen. Die Kriterien solcher Leistung, in denen sich ja der Grundkonsens über die Gestalt der Institution Universität verbirgt, werden nach diesem Modell nicht gemeinsam erörtert, festgelegt sowie im re­publikanischen Geiste einer Wissenschaftsgemeinschaft getragen und durchgesetzt, son­dern gleichsam von oben angeordnet. Offenbar glaubt man nicht mehr daran, dass Wis­senschaftlerinnen und Wissenschaftler soviel Vernunft, im gemeinwohlorientierten Sinne der Aufklärung, aufbringen können, sich auf ihre gemeinsamen Grundlagen zu verständi­gen. Wenn aber im Modell der Zentralisierung die rationale Erörterung durch die Anord­nung ersetzt wird, wenn so der Zwang zur Argumentation sowohl für die Universitäts- oder Fakultätsspitze als auch für die übrigen Mitglieder der Universität entfällt, dann gehen so­wohl eine Palette von möglicherweise wichtigen Argumenten verloren als auch die Motiva­www.fes-online-akademie.de Seite 17 von 19