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Mitläuferinnen & Macherinnen - Mädchen und rechtsextreme Orientierungen : Dokumentation des Fachtages am 28. Januar 2010 in Stuttgart
Entstehung
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Dokumentation des Fachtages: Mitläuferinnen und Macherinnen Mädchen und rechtsextreme Orientierungen duelle Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen. Dieser Entscheidungszwang führt zu Überforderung und diese wiederum zum Hinwenden zu rechten Ideen. 3. Doppelte Vergesellschaftung: Die doppelte Einbindung von Frauen in Er­werbs- sowie in Familienarbeit als Ergebnis eines sozialen Wandels führt dazu, dass Frauen den widersprüchlichen Anforderun­gen aus beiden Bereichen voll ausgesetzt sind. Aus dieser Spannung kann eine rechtsextreme Orientierung entstehen, die über ein Repertoire klarer Rollenmuster ver­fügt. 4. Externalisierung von Konflikten: Fremde dienen als Projektionsfläche. Se­xualisierte Gewalt und Belästigung finden beispielsweise oft im direkten Umfeld von Frauen statt. Diese Bedrohung wird zur Kompensation im ‚Außen verortet. Generell hat der Biografieverlauf von Frau­en und Mädchen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung rechtsextremer Orientie­rungen. Die Forschung muss daher die sub­jektive Verarbeitung von Erlebtem berück­sichtigen und die gesamte Biografie in den Blick nehmen. Die Biografieforschung geht davon aus, dass man gesellschaftliche Einflüsse in den Lebensgeschichten wieder findet. Biogra­fien weisen daher über den Einzelfall hin­aus. Die Regeln des Allgemeinen lassen sich an Biografien herausarbeiten; so kön­nen Strukturen und Wirkungsmuster ver­standen bzw. verstehend nachvollzogen werden. Im Folgenden gab Johanna Sigl Beispiele aus ihrer eigenen Forschungspraxis, die sich methodisch an Biografieforschung orien­tiert. Selbstbilder: Die von ihr befragten Frauen gaben retro­spektiv folgende Motive für den Einstieg in die rechte Szene an: ­sich wichtig fühlen ­reingerutscht ­Suche nach Kameradschaft(soziale Verbindung) ­wegen Freund ­Stress mit Ausländern ­nie um Politik Fremdbilder: Im Blick auf rechtsextreme Frauen wird de­ren politische Motivation häufig nicht ernst genommen. Die Zuwendung zur rechten Szene erfolgt jedoch stets vor dem familiärgeschichtlichen und lebensge­schichtlichen Hintergrund wenn jemand rassistisch, antisemitisch und nationalis­tisch denken und handeln will. Es müssen also verschiedene Bereiche zu­sammenwirken, damit sich eine Frau rech­tem Gedankengut zuwendet. Johanna Sigl präzisierte die Motive der Hinwendung zur und der Distanzierung von der rechten Szene anschließend an­hand des Beispiels vonAnna. Anna wurde 1988 geboren und lernte auf­grund einer Hüftdysplasie erst mit zwei Jahren laufen. Ihr Vater verfügt gegenüber der Mutter über einen Bildungsnachteil 6