Dokumentation des Fachtages: Mitläuferinnen und Macherinnen – Mädchen und rechtsextreme Orientierungen duelle Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen. Dieser Entscheidungszwang führt zu Überforderung und diese wiederum zum Hinwenden zu rechten Ideen. 3. Doppelte Vergesellschaftung: Die doppelte Einbindung von Frauen in Erwerbs- sowie in Familienarbeit als Ergebnis eines sozialen Wandels führt dazu, dass Frauen den widersprüchlichen Anforderungen aus beiden Bereichen voll ausgesetzt sind. Aus dieser Spannung kann eine rechtsextreme Orientierung entstehen, die über ein Repertoire klarer Rollenmuster verfügt. 4. Externalisierung von Konflikten: „Fremde“ dienen als Projektionsfläche. Sexualisierte Gewalt und Belästigung finden beispielsweise oft im direkten Umfeld von Frauen statt. Diese Bedrohung wird zur Kompensation im ‚Außen’ verortet. Generell hat der Biografieverlauf von Frauen und Mädchen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung rechtsextremer Orientierungen. Die Forschung muss daher die subjektive Verarbeitung von Erlebtem berücksichtigen und die gesamte Biografie in den Blick nehmen. Die Biografieforschung geht davon aus, dass man gesellschaftliche Einflüsse in den Lebensgeschichten wieder findet. Biografien weisen daher über den Einzelfall hinaus. Die Regeln des Allgemeinen lassen sich an Biografien herausarbeiten; so können Strukturen und Wirkungsmuster verstanden bzw. verstehend nachvollzogen werden. Im Folgenden gab Johanna Sigl Beispiele aus ihrer eigenen Forschungspraxis, die sich methodisch an Biografieforschung orientiert. Selbstbilder: Die von ihr befragten Frauen gaben retrospektiv folgende Motive für den Einstieg in die rechte Szene an: sich wichtig fühlen reingerutscht Suche nach Kameradschaft(soziale Verbindung) wegen Freund Stress mit Ausländern nie um Politik Fremdbilder: Im Blick auf rechtsextreme Frauen wird deren politische Motivation häufig nicht ernst genommen. Die Zuwendung zur rechten Szene erfolgt jedoch – stets vor dem familiärgeschichtlichen und lebensgeschichtlichen Hintergrund – wenn jemand rassistisch, antisemitisch und nationalistisch denken und handeln will. Es müssen also verschiedene Bereiche zusammenwirken, damit sich eine Frau rechtem Gedankengut zuwendet. Johanna Sigl präzisierte die Motive der Hinwendung zur und der Distanzierung von der rechten Szene anschließend anhand des Beispiels von„Anna“. Anna wurde 1988 geboren und lernte aufgrund einer Hüftdysplasie erst mit zwei Jahren laufen. Ihr Vater verfügt gegenüber der Mutter über einen Bildungsnachteil 6
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Mitläuferinnen & Macherinnen - Mädchen und rechtsextreme Orientierungen : Dokumentation des Fachtages am 28. Januar 2010 in Stuttgart
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