Mitteilungs- Blatt

Nr. 7.

des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend.

Berlin, den 11. Oktober 1916.

Wer ist Sieger?

11. Jahrgang.

und Beschlüsse der Reichskonferenz, sie bestehen vielmehr in der Tatsache, daß die bis dahin über Wir denken bei dieser Frage nicht an den das Reich verstreute Minderheit sich zum ersten Sieg draußen auf den Schlachtfeldern des Welt- Male als eine geschlossene Phalang präsentieren frieges. Leicht und restlos zu beantworten ist konnte, deren stattliche Zahl den Diktatoren­sie auch hier nicht. Man kann vielmehr auch übermut der Mehrheitsherren doch gewaltig von militärischem Standpunkte aus eine tiefe dämpfte. Die Geschlossenheit der Opposition Tragik in der Tatsache finden, daß in diesem muß und wird aber nachwirken auf die weiteren Völkerringen trop genialer Führung, trop Auseinandersetzungen der Partei, bis endlich riesenhafter Organisation der Heeresmassen, ein regelrecht einberufener und zusammen trotz Mut und Aufopferungsfähigkeit der Mil- gesetzter Parteitag die letzte Entscheidung über lionenheere, troß allen Raffinements der Waffen- die großen Streitfragen des Sozialismus technik die Begriffe Sieg" und Entscheidung" und die Kriegspolitik der Partei fällt. Dabei in der rauhen Wirklichkeit ein ganz anderes, wird es sich sicherlich nicht nur um einen spröderes Gesicht zeigen als in den Tagen von rein sachlichen Geisteskampf handeln, so sehr Leipzig und Waterloo, von Magenta und Sol- dies als ideale Forderung zu begrüßen wäre; ferino, von Königgräb, Gravelotte und Sedan. auch die Personenfrage wird und muß eine Aber davon soll und kann hier nicht die Rede ausschlaggebende Rolle spielen. Denn die sein, wenn auch für uns Sozialisten daraus viel Kriegserfahrungen haben uns nur zu deutlich zu lernen ist, um später drohende Völfer- gezeigt, wie einzelne Personen die Partei bloß­katastrophen abzuwenden. gestellt und mit ihren demokratischen Grund­rechten Schindluder gespielt haben.

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Wenn wir heute die obenstehende Frage stellen, so geschieht das im Hinblick auf den Ausgang der Reichskonferenz, die Ende Sep­tember einige hundert Parteivertreter in Berlin vereint hat. Dabei sei gleich von vornherein be­merkt, daß nicht wir diese Frage stellen, sondern daß sie mit Eifer und Leidenschaft aufgeworfen und auch gleichzeitig beantwortet wird von Ver­tretern der Mehrheit und der Minderheit der Partei. Und fast tragikomisch mutet es an, daß jeder die glatte, simple Frage nach dem Sieger in seinem Sinne und zu seinen Gunsten beant­wortet.

Nach unserer Ueberzeugung kann und darf die Frage nach einem Sieger auf der Reichs-| konferenz nicht gestellt werden. Am wenigsten vom Standpunkte der Minderheit aus. Eine Konferenz, der jede parteigesetzliche Grundlage fehlt, die nur eine unverbindliche Aussprache bieten, maßgebende Beschlüsse aber nicht fassen konnte, schloß von vornherein schon die Mög­lichkeit eines Sieges" der einen oder der an­deren Richtung aus. Da die Minderheit von vornherein der Reichskonferenz den unverbind­lichen und ungesetzlichen Charakter zusprach, fann sie auch leichten Herzens auf den zweifel­haften Ruhm verzichten, auf einer solchen Tagung als unbestrittener Sieger" triumphiert zu haben. Die feststehenden Erfolge der Minder­heit liegen nicht im Rahmen der Beratungen

Also keinen Sieg", wohl aber einen starken Erfolg hat die Minderheit nicht auf, wohl aber durch die Reichskonferenz davongetragen. Für die Berliner Genossen aber muß es eine be­sondere Genugtuung sein, daß ihre Groß- Ber­liner Organisation ein starker Träger der Minderheitsanschauungen ist. Nicht nur eine Genugtuung, sondern auch ein Ansporn, bei den kommenden, endgültigen Auseinandersetzungen der Partei im Vordertreffen zu stehen.

Am allerwenigsten aber haben die Mehr­heitsvertreter ein Recht, in die Siegesposaunen zu blasen. Es ist eine bewußte Lüge oder eine grobe Selbsttäuschung, wenn sie behaupten, der Mehrheit auf der Reichskonferenz entspreche auch die Mehrheit der Parteigenossen draußen im Lande und an der Front. Eine solche Be­Hauptung soll nur dazu dienen, die bürgerliche Welt und die Schar der weniger aufgeklärten Parteigenossen zu täuschen. Gewiß, das rein mechanische Operieren mit den Abstimmungs­zahlen der Reichskonferenz gibt scheinbar den Mehrheitsaposteln recht. Aber es handelt sich hierbei doch immer nur um Abstimmungen im engsten Familienkreise; die Opposition hatte ja von vornherein eine Beteiligung an der Ab­ſtimmung abgelehnt. Die aber, die sich zur Ab­ftimmung zusammenfanden, können nicht von sich behaupten, daß sie im Namen und im Auf­

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