Mitteilungs- Blatt
Nr. 15.
des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend.
Berlin, den 24. Dezember 1916.
11. Jahrgang.
Winter- Sonnenwende 1916. legungen, alle mystische Verherrlichung des„ ,, Weih
Sieh, die Winter- Sonnenwende
Hat soeben sich vollzogen, Und es ist zum Licht gewendet Wiederum der Lauf der Tage; In des Winters tiefster Dede Ward der Frühling neu geboren, Denn Natur, die güt'ge Mutter Wandelt ihre ew'gen Bahnen Und erlöst zur rechten Stunde Ihre zagenden Geschöpfe Aus des Winters Tyrannei.
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Doch die Menschheit auch ist ewig, Und sie stirbt nicht unter'm Druce Einer Zeit, die schwer und düster Sie umschattet und bedräuet. In der Völker trübsten Tagen Wird die Freiheit nen geboren Und sie wecket schon die Geister Und sie flammt schon in den Herzen.
Darum fort das bange Zagen, Fort die Wolken von der Stirne! Darum auf dem Licht entgegen, Neuem Frühling, neuem Leben! Und so freu dich auch der Weihnacht, Denn sie soll dir Kunde bringen, Daß vorbei die Sonnenwende, Und die Völker wieder schreiten Vorwärts auf des Lichtes Bahn.
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Friedensworte und Friedenstaten. Seit anderthalb Jahrtausenden-die christ liche Kirche der ersten drei Jahrhunderte kennt das Weihnachtsfest nicht ertönt in diesen Dezembertagen in der ganzen christlichen Welt die Botschaft:„ Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." In unzähligen Predigten, Liedern und frommen Schriften hat man versucht, den Menschen den idealen Inhalt dieser Glücks- und Friedensbotschaft zu deuten. Aber alle übersinnlichen Aus
nachtswunders", fonnten dem ehrlich religiös empfindenden Menschenherzen für kurze Zeit nur fromme Friedensträume vorgaukeln, die in der rauhen Luft des wirklichen Lebens nur zu schnell perflattern mußten. Denn in den anderthalben Jahrtausenden, in denen Jahr für Jahr die weihnachtliche Friedensbotschaft verkündet wurde, in denen die Lippen das Gebot der Nächstenliebe als höchstes sittliches Gesez priesen, haben Krieg und Massenvernichtung, haben Länderraub und Menschenausbeutung, haben Unterdrückung und Entrechtung nicht aufgehört. Die Friedensworte der Weihnachtsbotschaft haben zu allen Zeiten in schreiendem Gegensatz gestanden zu den Taten der Menschen und Völker, die sich zum Christentum bekennen und bekannten. Ja sogar im Namen des Christentums selbst sind Kriege geführt, Völker ausgerottet, Länder verwüstet und Menschen gefoltert und gepeinigt worden.
Für uns, die nur das Weltgeschehen im Lichte der sozialistischen Erkenntnis betrachten, ist dieser flaffende Widerspruch zwischen Worten und Taten der christlichen Kulturwelt verständlich. Wir wissen, daß nicht die„ Schlechtigkeit" oder„ Sündhaftigkeit" der menschlichen Einzelwesen die letzte Ursache dieses Widerspruches ist, wir haben erkannt, daß nicht die Satzungen irgendeiner Sittenlehre, und seien sie noch so ideal und einleuchtend, von sich allein aus den Menschen Frieden und ,, Wohlgefallen", d. h. leibliche und seelische Glückseligkeit, bringen können. Wir sind der Ueberzeugung, daß die friedensfeindlichen Mächte, die trotz der Weihnachtsbotschaft die Menschheit in Krieg und Unheil stürzen, letzten Endes zu suchen sind in der ungleichen Verteilung der Eigentumsverhältnisse, die den einen wirtschaftliches Uebergewicht, politische und gesellschaftliche Macht und schrankenlosen Genuß aller Kulturgüter gewähren, während die anderen, und das ist in allen Völkern die Mehrzahl, wirtschaftlich nichts weiter in die Wagschale zu werfen haben, als ihre schlecht und unzulänglich entlohnte Arbeitskraft, so daß sie politisch minderen Rechtes, gesellschaftlich wenig geachtet und leiblichen und geistigen Entbehrungen ausgesetzt sind, obwohl viele von ihnen in der Stumpfheit und Dumpfheit ihres Daseins solche Entbehrungen nicht merken können. Dieser Gegensatz tritt uns auf den vielverschlungenen Pfaden der Geschichte, hier weniger, dort mehr, klar und einfach, bis auf unsere Tage auf Schritt und Tritt entgegen. Und da überall Macht zur