FES-Analyse Chile Auf der Suche nach einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell Ernst Hillebrand Januar 2004 Im Unterschied zur großen Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten, zeichnet sich Chile durch ein hohes Maß an Stabilität, Funktionalität und Rationalität aus. Entsprechend lautet die chilenische Herausforderung der kommenden Jahrzehnte, Konsolidierung und Modernisierung, wenn es in die Kategorie der entwickelten Volkwirtschaften aufsteigen und den Übergang in die Wissensgesellschaft vollziehen will. Die chilenischen Staatsinstitutionen sind noch immer deutlich durch die Pinochet-Verfassung geprägt: Präsidentialismus, Hyperzentralismus, Unternehmeroligarchie sowie die katholische Kirche schränken den politischen Gestaltungsspielraum bislang ein und bedürfen der Reformen. Eine neue Aufgabenteilung zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, die eine Abkehr vom bisherigen Modell des„lean state“ im Bildungs- wie Rentensystem beinhaltet, ist ebenso unerlässlich wie eine Reform des Wahlsystems, eine deutliche Dezentralisierung des Landes sowie die Stärkung der Stellung des Parlamentes. Darüber hinaus ist trotz einer klaren Verschiebung der Verhältnisse zu Gunsten der zivilen Macht, die Unterordnung des Militärs unter die demokratisch legitimierte Regierung bislang unvollständig. Auf Grund seiner deutlichen Außenhandelsorientierung ist Chile auf gute Wirtschaftsbeziehungen zu allen wesentlichen Wirtschaftsräumen angewiesen. Trotz seines zunehmenden Interesses an den andinen Nachbarn sowie den engen Beziehungen zu Deutschland ist und bleibt Chile jedoch auch weiterhin politisch wie wirtschaftlich eng an die USA angebunden. Als strategischer Partner Europas in Lateinamerika ist es ungeeignet. Herausgeber: Albrecht Koschützke, Redaktion: Nicole Nestler, Stabsabteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung, 53170 Bonn, Tel.: 0228-883 213, Fax: 883432, email: albrecht.koschuetzke@fes. de
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Chile : auf der Suche nach einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell
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