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Chile : auf der Suche nach einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell
Entstehung
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FES-Analyse: Chile 1) Die Hälfte der Arbeitskräfte des Landes werden vom System nicht erfasst, i.e. sie leis­ten keinen Beitrag zum System. 2) Die Bei­tragszahler leisten weit geringere und weit unregelmäßigere Beiträge als ursprünglich zu­grunde gelegt. Die gilt vor allem für Frauen, für die das System besonders ungünstige Per­spektiven bietet. Aus diesen Faktoren ergibt sich laut Unter­suchungen, dass vermutlich 35% der männli­chen und 60% der weiblichen Mitglieder der privaten Rentenfonds nicht einmal die Mindest­rente von ca. 110 Euro erreichen werden. Dies bedeutet, dass auf den chilenischen Staat er­hebliche Zusatzbelastungen zukommen, da der Staat den Differenzbetrag zur Mindestrente sichern muss. Schätzungen gehen davon aus, dass die Kosten der staatlichen Mindestrenten im Jahr 2015 ca. 1,5% des BIP ausmachen werden. Gleichzeitig sind die privaten Renten­fonds für die Betreiber ein exzellentes Ge­schäft; ihre Profitquote lag 2001 bei sagen­17 haften 33,6% des Umsatzes, noch über dem extrem profitablen Bankengeschäft. Damit ver­bunden sind sehr hohe, wenn auch unter dem Druck der Aufsichtsbehörde allmählich sinken­de Verwaltungskosten der Fonds. Ein ähnlicher Befund ergibt sich im Gesund­heitssystem. Die Reform dieses Sektors, der ebenfalls in einen unterfinanzierten öffent­lichen und einen privaten Sektor gespalten ist, kommt nicht voran. Das Grundproblem ist neben erheblichen Unterlassungssünden bei der Modernisierung des staatlichen Sektors ein Finanzierungsproblem, das sich logischer­weise aus der Abschaffung des Solidarsys­tems ergibt: die wohlhabenderen Teile der chilenischen Gesellschaft zahlen in das private System ein, so dass sich keinerlei Quersubven­tionierung für das öffentliche System ergibt. Dies ist angesichts des hohen Maßes an Ar­mut, das immer noch in Chile existiert, und der extrem ungleichen Verteilung des Einkom­mens besonders problematisch. Fazit Chile hat im 20. Jahrhundert zwei große Rohstoffbooms den Salperterboom der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und den Kupferboom der Nachkriegszeit nicht nutzen können, um den Aufstieg in die Kategorie entwickelter Volks­wirtschaften zu schaffen. Heute steht das Land vor der Herausforderung, den dritten Rohstoff­boom seiner modernen Wirtschaftsgeschichte end­lich in diesem Sinne zu nutzen. Auch dieser steht auf Säulen, die nicht für die Ewigkeit gebaut sind; bereits heute zeichnet sich die rapide Er­schöpfung der Fischgründe ebenso ab wie die weitgehende Vernutzung der Naturwälder des Lan­des und eine wachsende Umweltbelastung durch den Kupferbergbau. Möglich erscheint aus heutiger Perspektive beides ein erfolgreicher Übergang ebenso wie ein erneutes Scheitern. In beiden Fällen wäre dies nicht externen Faktoren zuzuschreiben, son­dern internen. Eine Schlüsselrolle wird dabei den Führungsgruppen in Politik und Wirtschaft zu­kommen. Während erstere bisher ihren Job relativ gut erledigt haben, bleiben für die Moderni­sierungsfähigkeit der letzteren sehr viel mehr Fra­gezeichen. Chiles Wirtschaftseliten sind ebenso reich wie konservativ und politisch ideologi­siert. Eine erfolgreiche Modernisierung Chiles würde ein neues Modell der Aufgabenteilung zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, eine teilweise Redefinition der Wirtschaftsstra­tegie und den Abschied vom steuer- und abga-