FES-Analyse: Chile des chilenischen Militärs verbessert werden. Hinter dieser Politik – die sich nicht zuletzt auch darin niederschlägt, dass Chilenen eine Reihe wichtiger Ämter in internationalen Organisationen innehaben – steckt die Einsicht, dass Chile als„global trader“ auf gute Beziehungen zu allen wesentlichen Wirtschaftsräumen der Erde angewiesen ist. Gleichzeitig ist Chile auch klar, dass es sich als kleines Land mit hoher Außenwirtschaftsquote mit der vertraglichen Absicherung vielfältiger Handelsbeziehungen am besten gegen unilaterale Aktionen wichtiger Handelspartner absichern kann. Chile hat daher in der letzten Zeit nicht nur mit der EU, den USA und Südkorea Freihandelsverträge abgeschlossen. Gleichzeitig engagiert es sich relativ stark(zu stark, wie einige chilenische Kritiker meinen) dafür, die ALCA-Verhandlungen und die WTO-Verhandlungen am Leben zu erhalten und in Richtung umfassender Vertragswerke weiterzuentwickeln. Ein weiterer Schritt im Rahmen dieser multilateralistischen Außen- und Außenwirtschaftspolitik wird demnächst mit dem formalen Aufnahmeantrag in die OECD erfolgen. ein konsequenter Legalismus: Für die jetzige Generation von Regierungspolitikern wirkt die traumatische Erfahrung der Pinochet-Putsches weiter. Dieser ist schließlich nicht nur ein internes Ereignis gewesen, sondern war begleitet und orchestriert von einer aktiven Politik der USA zum„regime change“ in Santiago. Entsprechend ist Chile in dieser Hinsicht relativ sensibel: die Fragwürdigkeit der Begründungen der Invasion im Irak mit der angeblichen Existenz von Massenvernichtungswaffen war auch in Chile den Politikern nicht entgangen, ebenso wenig die Rohstoff- und geostrategischen Interessen der USA in der Region. Entsprechend groß war der Widerstand, den Machtwechsel in einem souveränen Land als sich selbst rechtfertigendes Ziel zu akzeptieren: gebranntes Kind scheut das Feuer. 9 ein hohes Maß an Pragmatismus: Gleichzeitig ist Chile mit diesen Prinzipien immer relativ flexibel umgegangen. Ein grundsätzliches Bekenntnis zum Multilateralismus und zur verstärkten Zusammenarbeit in der Region – die Sanierung des Verhältnisses zu Argentinien ist in den letzten 15 Jahren gelungen, die zu Bolivien und Peru, historisch und kulturell sehr viel komplexer, steht noch aus – hat Chile nicht daran gehindert, immer wieder flexibel unilateral seine Vorteile zu suchen. Die Wiegerung Chiles, Vollmitglied im Mercosur zu werden, und stattdessen seinen Vorteil in bilateralen Handelsabkommen mit der EU und den USA zu suchen, ist Ausdruck dieser Haltung: Der Eintritt in die Zollgemeinschaft des Mercosur hätte Chiles Wirtschaftsstrategie widersprochen. Wie richtig diese Politik war, hat sich spätestens beim„meltdown“ der argentinischen Wirtschaft in der Krise von 2001/2002 gezeigt: Chile wurde – anders als etwa Uruguay – von der Krise kaum tangiert, da der argentinische Anteil am Außenhandel Chiles gering ist. Ähnlich biegsam agierte Chile auch auf der WTO-Konferenz in Cancún: Die Tatsache, dass das Land im Freihandelsvertrag mit den USA Bedingungen akzeptiert hatte, die weit über das hinausgingen, was in der WTO umstritten ist, hinderte Chile nicht daran, sich in Cancún an der Gruppe der widerspenstigen G-20 zu beteiligen. Rückbesinnung auf Lateinamerika? Eine interessante Dimension ist das in der letzten Zeit wieder stärker gewordene Interesse Chiles an der Region. Dies hat mehrere Gründe, nicht zuletzt den Umstand, dass das Land erkennen muss, dass sich mit Peru, Bolivien und Argentinien alle drei Nachbarländer in tiefen wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Krisen befinden. Gleichzeitig muss das Verhältnis zu den beiden andinen Nachbarn als gespannt be-
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Chile : auf der Suche nach einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell
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