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Analyse der Bundestagswahl 2025 : eine harte Niederlage mit einer doppelten Herausforderung für die Sozialdemokratie
Entstehung
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Für Olaf Scholz wurde der Kanzlerbonus eher zu einem Kanzlermalus, da er in den Augen vieler Wähler:innen die unbeliebte und mit dem Bruch gescheiterte Ampelregie­rung repräsentierte. Auch die kurze, aber öffentliche Debat­te, ob er oder Verteidigungsminister Boris Pistorius die SPD in den Wahlkampf führen sollte, trug nicht zu einem ge­schlossenen Bild der Partei bei. In den Nachbefragungen der TV-Duelle schnitt Scholz in puncto Sympathie und Kompetenz tendenziell besser ab als seine Kontrahent:in­nen. Eine Aufholjagd wie 2021 konnte der Kanzler jedoch nicht auslösen, dabei startete er zu Beginn der Ampelregie­rung nach Analysen von Infratest dimap(Deutschland­Trend Februar 2025) mit sehr guten Werten, die über den Verlauf der Legislatur mit steigender Unzufriedenheit über die Koalition stark nachließen. Obwohl Friedrich Merz als aussichtsreicher Herausforderer in den Wahlkampf ging, gelang es ihm nicht, die Sympa­thien der Wähler:innen auf sich zu vereinen. Aus den Feh­lern der Bundestagswahl 2021 lernend, bei der lange offen­stand, ob Armin Laschet oder Markus Söder Kanzlerkandi­dat werden sollte, nominierte die Union Friedrich Merz bereits im September 2024 zum Kanzlerkandidaten. Diese geschlossene Einigkeit von CDU und CSU wurde auch über den Wahlkampf aufrechtgehalten, Störfeuer aus Bayern wie noch 2021 blieben aus. Dennoch konnte Friedrich Merz in den Politikerrankings wenig Boden gut machen und schneidet im DeutschlandTrend von Infratest dimap(Feb­ruar 2025) nur 7 Prozentpunkte besser ab als Armin La­schet bei der Bundestagswahl 2021(Merz 32 Prozent, La­schet 25 Prozent). Mit Robert Habeck und Christian Lindner zogen für die Grünen und für die FDP ebenfalls zwei zentrale Figuren aus der Ampelregierung in den Wahlkampf. Bereits seit Be­ginn der Legislatur stand Robert Habeck dabei für einen anderen Kommunikationsstil, der als reflektierter und zu­gänglicher als sonstige Politiker gelobt wurde. Das spiegelt sich auch in den Zustimmungswerten zu seiner Person, die jedoch nach dem Debakel um dasHeizungsgesetz 2023 einbrachen. Nachdem Annalena Baerbock die Grünen 2021 in den Wahlkampf führte, war der Antritt Robert Habecks als Kanzlerkandidat vier Jahre später ausgemachte Sache. Seine Bewerbung als Spitzenkandidat inszenierte er via So­cial Media am Küchentisch und setzte sich damit demons­trativ von allen Mitbewerber:innen ab. Die Kampagnen im Fokus Ob es die Furcht vor einem Rechtsruck ist, der Wunsch nach einer rigiden Migrationspolitik, die Sorge um den wirt­schaftlichen Abschwung, die Enttäuschung über die Ampel­regierung oder das internationale Beben der neuen US-Re­gierung zahlreiche Faktoren haben zur Mobilisierung der Wähler:innen beigetragen. Damit war die Ausgangslage für die Parteien in diesem Wahlkampf gut, die Aufmerksamkeit der Wahlberechtigten für ihre politischen Positionen zu ge­winnen. Die Menschen hatten den Eindruck, bei diesen Wahlen ginge es um etwas, und sie wollten sich informie­ren. Laut Forschungsgruppe Wahlen war das Interesse an der diesjährigen Wahl mit 87 Prozent besonders hoch, 2021 waren es nur 76 Prozent. Das starke Interesse zeigt sich auch im neuen Nutzungsrekord des Wahl-O-Mat: Hat­ten vor der Bundestagswahl 2021 21,2 Millionen Menschen den Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe genutzt, waren es 2025 schon 21,5 Millionen Menschen. Noch nie wollten so viele Menschen eine informierte Wahlentscheidung treffen. Auch die hohen Einschaltquoten bei den diversen TV-For­maten, in denen die Kanzler- und Spitzenkandidat:innen aufeinandertrafen, untermauern das hohe Interesse. Dabei versuchten die Parteien fast alle, auf die veränderte internationale Sicherheitslage und die starke gesellschaft­liche Verunsicherung in ihren Kampagnen einzugehen. Am deutlichsten machte die SPD das Thema Sicherheit zur Kernbotschaft ihrer Kampagne, beschränkte dies aber nicht nur auf den Bereich Verteidigung, sondern ebenso auf die soziale Sicherung. Olaf Scholz wurde dabei mit seinem Versprechen für einen stabilen wertebasierten Kurs in schwierigen Zeiten verortet. Die Grünen versuchten es mit dem umgekehrten Weg und stellten in ihrer Kampagne den turbulenten Zeiten das The­ma Zuversicht entgegen. Dabei spielte das früher zentrale Thema des Klimaschutzes lediglich eine untergeordnete Rolle, stattdessen wurden der Spitzenkandidat Robert Ha­beck und ein deutlicher Mittekurs ins Zentrum gerückt. Ganz anders fiel der Ton der CDU/CSU-Kampagne aus. Hier stand der Politikwechsel im Fokus und die Abwahl jeglicher linker Politik, die aus Sicht der Union für die schlechte Lage Deutschlands verantwortlich sei. So sticht das kleine Wörtchenwieder in der Kampagne hervor (wieder stolz sein,wieder durchsetzen,wieder lohnen). Dabei zielte die Union auf die konservative Mitte der Be­völkerung und scheute auch nicht vor(gemäßigter) rechts­populistischer Rhetorik und scharfen Angriffen auf die Grü­nen zurück. Die FDP setzte alles auf eine Karte, und die hieß Christian Lindner. Die Partei versprachAlles kann sich ändern, man müsse nurmehr Miliei und Musk wagen. Damit rückte sie Themen wie Entbürokratisierung, Digitalisierung und vor allem ihr neoliberales Wirtschaftsverständnis in den Mittel­punkt. Die AfD wurde in diesem Wahlkampf unverhofft von ihren neuen amerikanischen Verbündeten unterstützt. Sowohl Elon Musk als auch Vizepräsident J. D. Vance sprachen sich für die AfD in unterschiedlichen Kontexten aus. Den Widerspruch zum eigentlich gepflegten Antiamerikanismus der Partei ignorierten sie geflissentlich. Die Kampagne der Partei konzentrierte sich angesichts der vielen Anschläge komplett auf ihr Kernthema der Ausländer- und Migrati­onsfeindlichkeit. Analyse der Bundestagswahl 2025 13