FES-Analyse: Sudan 7 Der Friedensvertrag zwischen Nord- und Südsudan Die Grundlage für das Ende des seit 1983 andauernden zweiten sudanesischen Bürgerkriegs zwischen Nord- und Südsudan wurde am 20. Juli 2002 gelegt: In der kenianischen Stadt Machakos wurde von der sudanesischen Regierung und der SPLM/A ein Protokoll über die Rahmenbedingungen eines Friedensprozesses unterzeichnet. Im Protokoll einigten sich die Verhandlungsparteien auf ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudan nach einer sechsjährigen Interimsperiode. Das Machakos-Protokoll war der Auftakt für einen„Frieden auf Raten“. Es folgten Abkommen, die sich den Problemen der Macht- und Ressourcenverteilung, sicherheitspolitischen Fragen und Fragen des Status umstrittener Regionen zuwenden. Teilung militärischer Macht Nach dem Abkommen über Sicherheitsfragen(September 2003) wird die militärische Macht zwischen den Kriegsparteien geteilt und eine komplexe Struktur von Sicherheitskräften geschaffen. Neben der Weiterexistenz der Regierungsarmee und der SPLA, wird eine dritte – gemeinsame Truppe – gegründet, die sogenannten Joint Integrated Forces. Das Territorium wird de facto unter den Kriegsparteien aufgeteilt: Die Regierungsarmee soll sich bis auf wenige Soldaten aus dem Südsudan, die SPLA aus dem Osten des Landes zurückziehen. Im Rahmen der gemeinsamen Truppe ist die SPLA auch in der Hauptstadt militärisch präsent. Fraglich ist, ob die Präsenz mehrerer bewaffneter Gruppierungen in der Hauptstadt neben den Truppen der Staatssicherheit, des Innenministeriums und der Staatsmiliz Popular Defense Force zur Stabilisierung oder Destabilisierung beiträgt. Teilung der Öleinnahmen Das Abkommen über Ressourcenverteilung(7.1.2004) regelt insbesondere die Verteilung der südsudanesischen Ölressourcen, deren Erlös zu gleichen Teilen an den Süd- und Nordsudan gehen soll. Dass das Abkommen nicht alle sudanesischen Ölvorkommen erfasst, sondern nur die des Südsudan, ist ein unbedinter Anreiz für die Südsudanesen, sich abzuspalten. Denn ein unabhängiger Südsudan könnte sein Öl selbst verwalten und bräuchte seine Öleinnahmen nicht mehr zu teilen. Andere Lösungen, beispielsweise eine bedarfsorientierte Verteilung der Öleinkünfte, waren jedoch wegen des großen Misstrauens zwischen den Kriegsparteien nicht möglich. Der Südsudan erhält außerdem eine Filiale der Zentralbank des Sudan, die in ihren Kompetenzen beinahe einer unabhängigen Zentralbank entspricht. Denn sie kann sogar unabhängig am internationalen Finanzmarkt Schulden aufnehmen. Neuverteilung der Macht in Parlament und Gerichtsbarkeit Die politische Macht wurde gemäß dem Protokoll über die Machtverteilung(26. Mai 2004) neu aufgeteilt. Auf nationaler Ebene behält die National Congress Party(NCP) die absolute Mehrheit in der Legislative und der Exekutive. Der SPLM kommt lediglich die Rolle eines Juniorpartners in der Regierung zu. Das heißt, auf nationaler Ebene erfolgt kein wirklicher Machtwechsel. Der Südsudan erhält eine weitgehende Autonomie, die auf einer eigenen Verfassung basiert. Die SPLM hat die absolute Mehrheit der Regierungsämter und die Parlamentsmehrheit im Südsudan inne. Gemäß Friedensvertrag hat das National Constitutional Review Committee mittlerweile eine nationale Interimverfassung vorgelegt. Für wichtige politische Fragen wie das Wahlrecht, die Steuerpolitik, Menschenrechte und das Referendum für den Südsudan sind Kommissionen vorgesehen, deren Mitglieder von den beiden Verhandlungsparteien bestimmt werden. Ferner wird die nach dem Abkommen neu gebildete Exekutive vom bisherigen Präsidenten des Sudan und zwei Vizepräsidenten geführt. Das nationale Parlament besteht aus zwei Kammern und wurde zunächst anhand eines Verteilungsschlüssels mit Vertretern der verschiedenen politischen Gruppierungen besetzt: Die regierende Kongresspartei erhält 52 Prozent der Sitze, die SPLM 28 Prozent, andere südsudanesische Gruppen 6 Prozent, 14 Prozent gehen an die nordsudanesische Opposition. Spätestens nach der Hälfte der Interimperiode(2008) sind freie Wahlen auf allen politischen Ebenen vorgesehen. Diese Wahlen könnten den Grundstein für einen echten politischen Wandel im Sudan legen. Die Parteien haben sich allerdings trotz großen internationalen Drucks in dieser Frage durch eine Klausel die Verschiebung des Wahltermins aus wichtigen Gründen vorbehalten. Gegenwärtig sieht es danach aus,
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