FES-Analyse: Sudan dermaßen arrogant auf, dass die Arbeit ergebnislos abgebrochen werden musste. Der Entwurf der NCP für eine Verfassung von Khartoum State widerspricht der nationalen Übergangsverfassung. • Die Einsetzung wichtiger Kommissionen gemäß dem Friedensabkommen, wie der nationalen Ölkommission und der Evaluierungskommission für die Umsetzung des CPA hat nur mit großer Verspätung stattgefunden. Die Bildung einer nationalen Wahlkommission ist entgegen dem CPA noch gar nicht erfolgt. • Wahlen in entscheidenden öffentlichen Institutionen, beispielsweise an den Universitäten, beim Bauernverband und Juristenverband, wurden angeblich von der Staatssicherheit zugunsten der regierenden Islamisten manipuliert. Die bisherigen Entwicklungen belegen, dass Präsident Bashir und sein engeres politisches Umfeld versuchen, nur so viel vom CPA umzusetzen wie gerade nötig, um die Staatengemeinschaft nicht zu sehr zu provozieren, jedoch gleichzeitig einen politischen Wandel zu verhindern. Das heißt, man wird einen von der NCP kontrollierten Prozess der teilweisen und verschleppten Umsetzung des Friedensvertrages sehen. Das Vorgehen der NCP hat bereits zu Frustrationen bei sudanesischen politischen Akteuren und bei der Staatengemeinschaft geführt, ist jedoch eine Konsequenz der gegenwärtigen Machtverhältnisse im Sudan. Sollte die Regierungsmehrheit der Islamisten in entscheidenden Fragen – Status der Provinz Abyei, Verteilung der Öleinnahmen – nicht kooperieren, wird die SPLM-Führung früher oder später ihren Glauben an den Frieden verlieren. Doch es ist die Frage der Einheit oder Trennung des Landes, die darüber entscheiden wird, ob die Interimperiode friedlich beendet werden kann. Die Voraussetzung für einen Frieden ist, dass das Referendum über den Südsudan wirklich durchgeführt wird. Das Friedensabkommen lässt die Entscheidung zwischen Einheit und Trennung des Landes formal gesehen offen. Die normative Vorgabe des Abkommens für die sudanesische Regierung ist jedoch, während der Interimperiode auf eine attraktive Einheit hinzuarbeiten. Mit Blick auf die tatsächliche politische Situation, d.h. in Anbetracht der deutlichen Präferenz der Südsudanesen für eine Unabhängigkeit, ist es jedoch höchste Zeit, auch über das Szenario einer friedlichen Trennung des Landes möglichst konkret nachzudenken. 9 Die Regierung der nationalen Einheit: „Business as usual“ Am 20. September 2005 wurde in Khartum die Regierung der nationalen Einheit benannt. Diese neue Regierung hätte gemäß Friedensvertrag bereits bis zum 9. August gebildet werden sollen. Die Verzögerung entstand nicht nur durch den Tod des ehemaligen Rebellenführers und Vizepräsidenten John Garang, sondern auch wegen eines zähen Ringens um die Verteilung der Ressorts zwischen der National Congress Party und der SPLM, insbesondere um die beiden Schlüsselministerien für Energie(besonders wichtig, da es zuständig ist für alle Fragen rund um das Erdöl) und Finanzen. Das Ergebnis dieses Ringens ist, dass die SPLM von allen Schlüsselministerien ferngehalten wurde. Gleichzeitig wurden auf der Seite der Kongresspartei verstärkt islamistische Hardliner wie Innenminister Zubeir Bashir Taha und der Staatsminister im Außenministerium, Ali Ahmed Kerti, in die Regierung eingebunden. Der bittere Streit bei der Regierungsbildung hat verdeutlicht, dass das Friedensabkommen die Macht der National Congress Party gesichert hat, und zwar international akzeptiert und auch von der SPLM gutgeheißen. Mangels einer Verschiebung der Machtverhältnisse im Zentralstaat kann man nur unter Vorbehalt von einer Phase des politischen Übergangs sprechen. Die NCP versucht nur soviel vom Friedensabkommen umzusetzen wie absolut nötig, ansonsten verfolgt sie eine Strategie des„business as usual“. Die politisch eher unerfahrene SPLM-Führung ist darüber zutiefst frustriert: Die im Friedensvertrag vorgesehene Partnerschaft der beiden Akteure besteht nicht mehr. Die SPLM ihrerseits ist gegenwärtig der einzige politische Akteur, der politische Reformen im Sudan herbeiführen könnte. Dazu müsste sie jedoch mit anderen politischen Kräften und der Zivilgesellschaft in Dialog treten, was bisher kaum geschehen ist. Stattdessen glaubt in der SPLM Führung kaum noch jemand an die Einheit des Landes. Das Interesse am Nordsudan scheint in der SPLM-Führung verloren zu gehen und man konzentriert sich allein auf den Südsudan. Die Hoffnung vieler Nordsudanesen auf eine SPLM als politische Reformkraft wird daher enttäuscht. Die der nordsudanesischen Opposition gemäß Friedensabkommen zustehenden Ämter wurden überwiegend mit„Marionettenpolitikern“ des Regimes
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