8 dass die Wahlen bereits früher als gedacht durchgeführt werden. Beide Regierungsparteien erhoffen sich dadurch scheinbar einen taktischen Vorteil. Schließlich sieht das Protokoll die Beibehaltung des islamischen Strafrechts, der Sharia, im Sudan vor. Nur im Südsudan und für Nicht-Muslime im Norden wird die Sharia nicht angewendet. Die SPLM hat damit der Fortexistenz der Sharia im Sudan prinzipiell zugestimmt, obwohl dies seit der Machtergreifung der Islamisten das Haupthindernis für einen Friedensschluss war. Damit wird in der Übergangsverfassung auch ein zentrales Hemmnis einer weiteren politischen Öffnung festgeschrieben. Umstrittene Gebiete – noch mehr autonome Regionen? Der Status der drei umstrittenen Regionen Nuba, Southern Blue Nile und Abyei ist im CPA nur vorläufig geklärt. Die beiden Hauptstreitpunkte der Grenzverläufe und der Zugehörigkeit zu Nord- oder Südsudan FES-Analyse: Sudan wurden im Protokoll über den Status der Provinzen Abyei, Nuba und Blue Nile(26. Mai 2004) noch nicht gelöst, sondern an eine Kommission und künftige Regionalparlamente übertragen. Der Befreiungskampf des militärischen Arms der SPLM, der SPLA, wurde von Teilen der Bevölkerung in diesen Provinzen unterstützt. Nuba und Blue Nile gehörten historisch jedoch nicht zum Südsudan, Abyei wurde noch vor der Unabhängigkeit dem Nordsudan angeschlossen. Für Nuba und Southern Blue Nile hat man sich nun auf eine begrenzte Autonomie und eine spätere endgültige Regelung des Status durch die politischen Institutionen in den Regionen geeinigt. Damit wird einer zentralen Forderung der Regierung nach der Anerkennung der Provinzgrenzen zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit 1956 zunächst genüge getan. In der Provinz Abyei soll allerdings gleichzeitig mit dem Referendum über den Status des Südsudan ein Referendum über die Zugehörigkeit der Provinz zu Südoder Nordsudan durchgeführt werden. Die National Congress Party verhindert eine vollständige Umsetzung des Friedensabkommens(CPA) Entscheidende Teile des Friedensabkommens zwischen Nord- und Südsudan wurden mittlerweile umgesetzt: Die Übergangsverfassung(6.7.2005) und die Verfassung des Südsudan(5.12.) wurden verabschiedet, das Parlament hat sich neu konstituiert und die Regierungen der Nationalen Einheit und des Südsudan wurden gebildet(22.9.). Ansonsten gibt es bei der Umsetzung des Friedensabkommens in elementaren Teilen Verzögerungen, Widersprüche und Obstruktion. Die nichtkooperative Strategie der herrschenden NCP verhindert eine vollständige Umsetzung des Friedensabkommens. • Das nationale Verfassungskomitee, zuständig für zentrale politische Fragen, arbeitet derzeit nicht mehr. • Verzögerungen bei der Offenlegung der Truppenstärke und-standorte der Regierungsarmee und der SPLA, bei den vereinbarten Truppenverlegungen sowie eine Verzögerung bei der Bildung des sogenannten Joint Integrated Forces rühren an der Grundlage des Friedensabkommens. • Es besteht nach wie vor Unklarheit über die Verteilung der Ölgelder zwischen Nord- und Südsudan. Die SPLM hat bis heute keine vollständige Einsicht in die Ölverträge der sudanesischen Regierung erhalten. Die Arbeit der staatlichen Ölkommission stockt. • Die Ergebnisse der international besetzten Grenzfindungskommission für die zwischen SPLM und NCP umstrittene Region Abyei hat ihre Arbeit abgeschlossen. Doch Präsident al Bashir zögert mit der Anerkennung der Ergebnisse, während sich in Abyei mehrere tausend Soldaten der SPLA und der Sudan Armed Forces(SAF) gegenüberstehen. • Im nationalen Parlament in Khartum hat die NCP umstrittene Gesetze, z.B. das neue Gesetz zum Status von Nichtregierungsorganisation, mit ihrer 52%igen Mehrheit gegen die SPLM durchgesetzt. Diverse Gesetzesentwürfe wurden ohne Absprache, in unterschiedlichen Versionen und ohne Übersetzung vorgelegt. • In der Kommission zur Klärung des Status der Hauptstadt Khartum traten die Mitglieder der NCP
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