14 Nicht nur in den Provinzen, sondern auch im Zentrum des Landes ist solch ein Szenario nicht mehr auszuschließen. Das Regime könnte nur allzu leicht in mehreren Provinzen mit Aufständen konfrontiert werden (Darfur, Ostsudan, Kordofan), während sich die regierenden Islamisten in der Hauptstadt intern zerstreiten. Unter dem wachsenden internen und internationalen Druck(z.B. durch den UN-Strafgerichtshof) könnte das Machtzentrum schlicht zerfallen. Ein Ausweg aus dieser Lage könnte – wie so oft im Sudan – ein Putsch sein. Moderate Islamisten könnten sich mit Hilfe der Armee der ideologischen Hardliner im Regime entledigen und diese womöglich an den Strafgerichtshof in Den Haag ausliefern. Sollten sie dann noch Wahlen ankündigen, so könnten sie der Unterstützung der Staatengemeinschaft fast sicher sein. Letztlich wäre dies jedoch ein Manöver, um den Machterhalt der Kongresspartei zu sichern. Derartige Szenarien werden in Khartum konkret diskutiert und – bedenkt man, wie viele bewaffnete Gruppen in Khartum stationiert sind, dann sind bewaffnete Auseinandersetzungen in der Hauptstadt leider nicht auszuschließen. Wenn der Frieden hält Wahrscheinlicher als diese beiden Szenarien ist jedoch die Annahme, dass der Frieden hält, und von den beiden Regierungsparteien SPLM und National Congress Party in einer mehr oder weniger autoritären Regierung umgesetzt wird. Die Islamisten bleiben dabei der dominante Akteur in der Zentralregierung in Khartum, die SPLM ist in Khartum beteiligt und zugleich der dominante Akteur im Süden des Landes. Doch auch hier existieren zwei Wege, die den Worst- und Best-Cases ähnlich sind: Entweder wird der Sudan zunehmend gesellschaftlicher und politischer Polarisierung ausgesetzt sein, oder die neue Regierung schafft es, einen Weg hin zu mehr nationaler Integration zu finden. Good-Case: Frieden und nationale Integration: Die neue Regierung bleibt stabil und handlungsfähig, da beide Regierungsparteien einen von Pragmatismus geleiteten Kooperationswillen zeigen. Die nordsudanesischen Regionen werden politisch und wirtschaftlich besser in den Staat integriert, wodurch sich der Darfur-Konflikt beruhigt und andere Regionalkonflikte nicht weiter eskalieren. Die zahlreichen Milizen werden aufgelöst oder in die staatlichen SicherheitsFES-Analyse: Sudan kräfte integriert. Nachdem die Regierung anfängt, als Kriegsverbrecher angeklagte Individuen an den internationalen Strafgerichtshof auszuliefern, entspannt sich das Verhältnis zur Staatengemeinschaft. Die großen Oppositionsparteien(Umma, DUP, PNC, Kommunisten) werden in die grundlegenden politischen Entscheidungen eingebunden, und bekennen sich daher zum neuen politischen System. Alle politischen Akteure erkennen die Notwendigkeit eines nationalen Dialoges und nationaler Integration. Trotz Verzögerungen in der Umsetzung des Friedensvertrages werden deshalb Wahlen durchgeführt, in der sich die verschiedenen Akteure durch die Bildung von Allianzen(z.B. in Folge einer Spaltung der Islamisten) neu etablieren. Nach der Durchführung freier Wahlen kommt es zu einer langsamen politischen Öffnung des Landes, in der die Prinzipien der Rechtstaatlichkeit und Verantwortlichkeit Anwendung finden. Das für 2011 angesetzte Referendum über die Einheit des Sudan kann friedlich durchgeführt werden. Bad Case: Autoritärer Frieden und politische Polarisierung: Die Partner in der Zentralregierung bleiben ihrer autoritären Tradition treu, nicht zuletzt um mögliche politische Konkurrenten in Schach zu halten und öffentliche kritische Stimmen zum Thema Machtmissbrauch zu vermeiden. Die politischen Freiheiten nehmen daher ab und willkürliche Menschenrechtsverletzungen bleiben an der Tagesordnung. Der Frieden hält jedoch – denn keine Partei will ihn gefährden. Die nordsudanesische Opposition bleibt von der Macht ausgeschlossen, wodurch es zu einer Polarisierung zwischen Regierung und Opposition kommt, die mit fortschreitender Zeit die Umsetzung des Friedensabkommens fraglich macht. Freie Wahlen werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Drängen der UN und der Staatengemeinschaft, Wahlen und andere politische Reformen durchzuführen, führt zu einer Blockade der politischen Entwicklung. Dieses Szenario kann nur allzu leicht in das Worst-Case-Szenario, d.h. in die Desintegration des Staates, übergehen: Im Ostsudan könnte ein neuer Krieg gegen die Zentralregierung beginnen, während der Darfur-Krieg nach Kordofan übergreift. Der Staat verliert die Kontrolle über die Regionen und die Hauptstadt. Die UN und die AU wollen mit ihren Truppen den Frieden überwachen, sind jedoch zunehmend bewaffneten Übergriffen radikal-islamischer Gruppen ausgesetzt. Die vergangenen Monate seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens deuten darauf hin, dass sich das letztgenannte Szenario – ein autoritä-
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