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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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FES-Analyse Saudi-Arabien: Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitischer Reform Eckart Wörtz September 2006 Die Bedeutung Saudi-Arabiens und anderer OPEC-Länder für die weltweite Ölversorgung wird in Zukunft dramatisch zunehmen. Abnehmender Produktion in vielen Weltregionen(z.B. USA, Nordsee) steht eine wachsende Nachfrage insbesondere aus Schwellenländern gegen­über. Saudi-Arabien besitzt rund ein Viertel der weltweiten Ölreserven, der Anteil des gesam­ten Nahen Ostens liegt bei zwei Dritteln. Die Fähigkeit Saudi-Arabiens zu Produktionssteigerungen wird von manchen Experten in Frage gestellt. Aufgrund fortgeschrittener Ausbeutung ist die Ölförderung komplizierter und teurer geworden. Die Aufrechterhaltung oder Steigerung bestehender Produktionskapazitä­ten wird nur nach massiven Investitionen und mithilfe neuester Technologien möglich sein. Eine Beteiligung ausländischer Unternehmen an der staatlichen Ölwirtschaft wie beispiels­weise in den benachbarten VAE erscheint derzeit unwahrscheinlich und ist bisher nur im Gassektor zustande gekommen. Saudi-Arabien rückt aufgrund seiner wachsenden Bedeutung für die weltweite Ölversorgung verstärkt in den Fokus geopolitischer Interessen. Maßgeblich ist dabei nach wie vor die amerikanische Hegemonial- und Schutzmacht. Europa tritt als Juniorpartner der USA und Zaungast in Erscheinung, während sich das energiehungrige China als aufstrebender Aspirant profiliert. Der erste Staatsbesuch des neuen saudischen Königs Abdullah führte im Januar 2006 nicht nach Washington, Paris oder London, sondern nach Peking. Öl und Gas werden auch von der saudischen Wirtschaft in wachsendem Maße benötigt: vor allem von der sehr energieintensiven Trinkwassergewinnung aus Meerwasser, der petro­chemischen und anderen expandierenden Industrien(Stahl, Düngemittel, Aluminium). Auf lange Sicht sind Interessenkonflikte zwischen Exporterfordernissen und wachsendem einhei­mischen Bedarf absehbar. Öl hat eine überragende Bedeutung für die Stabilität der saudischen Herrschaft. Weitver­zweigte Investitions- und Subventionsprogramme, sozialstaatliche Leistungen, der umfang­reiche Rüstungsetat sowie die Alimente der königlichen Familie werden sämtlich aus der Verteilung der Öleinnahmen bestritten. Neben außenpolitischen Entwicklungen wird auch die innenpolitische Stabilität maßgeblich von den Ölmärkten beeinflusst. Herausgeber und Redaktion: Arne Schildberg, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, 53175 Bonn, Tel.: 0228-883-206, Fax: 0228-883-625, E-mail: Arne.Schildberg@fes.de