FES-Analyse: Saudi-Arabien 3 Öl als Treibstoff der Wirtschaft und Konfliktstoff der Politik Die Welt ist abhängig von Öl und Saudi-Arabien verfügt über nahezu ein Viertel der weltweiten Reserven und ist damit im geopolitischen Fokus der Verbraucherländer. Bereits am Vorabend des Ersten Weltkrieges war das schwarze Gold zum strategischen Rohstoff avanciert, mit der Ausweitung von Massenkonsum und Automobilisierung hat sich diese Bedeutung heutzutage um ein Vielfaches gesteigert. Öl stellt weltweit nicht nur 90 Prozent der Transportenergie und 35 Prozent des Primärenergiebedarfs(siehe Tabelle 1), es ist auch wichtiger Bestandteil von unzähligen Alltagsgegenständen, die den modernen„Hydro-KarbonMenschen“(Daniel Yergin) umgeben, von Kühlschränken über Deodorants bis zu Telefonhörern. Tabelle 1: Welt Energie-Mix Öl Kohle Gas Nuklear Erneuerbare Energien Davon: Biomasse und Abfall Wasser Andere (Geothermal, Wind, Solar, Gezeiten) Quelle: IEA 34.8% 23.5% 21.1% 6.8% 13.8% 11% 2.3% 0.5% Diese Bedeutung wird sich nach Ansicht der Internationalen Energieagentur(IEA) weiter steigern. Bis 2030 rechnet sie mit einer 50prozentigen Zunahme des Verbrauchs auf 120 Millionen Barrel pro Tag. In vielen Weltregionen sind abnehmende Produktionsverläufe zu verzeichnen(z.B. USA, Nordsee), und ob unkonventionelles Öl(z.B. venezolanisches Schweröl, kanadische Teersände, Tiefseeöl in Afrika, Südund Mittelamerika) in nennenswertem Umfang und kosteneffizient in die Lücke springen kann, scheint zweifelhaft. Deshalb ruhen die Hoffnungen für eine Befriedigung dieses Bedarfs auf den OPEC-Ländern, neben Venezuela, Nigeria und Libyen im Wesentlichen also die Golfländer und ihr größter Produzent – Saudi-Arabien. OPECLänder produzieren gegenwärtig 41 Prozent des weltweiten Verbrauchs, haben aber atemberaubende 75 Prozent der offiziellen weltweiten Reserven. Der saudische Anteil an diesen weltweiten Reserven liegt bei 22 Prozent, der des gesamten Nahen Ostens bei 62 Prozent. Dies weckt Begehrlichkeiten: Mit einem Blick auf die Verteilung von Produktion, Verbrauch und Reserven lassen sich wichtige weltpolitische Konflikte um Energie in den kommenden Jahrzehnten vorausahnen: Nordamerika, Westeuropa und Asien konsumieren deutlich mehr als sie produzieren und sind stark auf Importe von Öl und zunehmend auch Gas angewiesen. Da ihre Reserven gering sind und die Produktion in allen drei Regionen ihren Höhepunkt überschritten hat, wird sich diese Abhängigkeit in Zukunft noch verschärfen. Russland wird für Westeuropa und China, Afrika und Venezuela werden vor allem für die USA in den nächsten 20-30 Jahren noch eine wichtige Rolle spielen. Ins Auge sticht im Bereich der Ölreserven aber die Dominanz des Nahen Ostens. Die Bedeutung dieser Region für die weltweite Ölversorgung ist heute schon groß, in Zukunft wird sie noch größer sein. Gegenteilige Beteuerungen von US-Präsident Bush wie auch seines früheren Herausforderers John Kerry sind unrealistisch und entspringen innenpolitischen Beweggründen: Sie sind schon seit Nixons Präsidentschaft ein wiederkehrendes Thema der amerikanischen Innenpolitik. Besonders auffällig ist die Abhängigkeit Asiens. Hier befinden sich zwar 50 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur 3,4 Prozent der weltweiten Ölreserven. Der grenzüberschreitende Handel mit Öl und Gas wird vor allem in dieser Region rapide ansteigen, allen voran im wachstumsstarken und energiehungrigen China. Die Sicherheit von Transportwegen, wie der Straße von Malacca und Hormuz, wird deshalb in Zukunft noch wichtiger. Zu den Ländern, die in Zukunft auf Öl aus dem Nahen Osten angewiesen sind, wird auch Deutschland gehören. Im Gegensatz zu den 1970er Jahren, als rund 90 Prozent der Ölimporte Deutschlands aus dem Nahen Osten
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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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