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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
Entstehung
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6 FES-Analyse: Saudi-Arabien Der saudische Gassektor Ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor? Da Gas schwieriger zu transportieren ist als Öl, spielte Gas lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Inzwischen spielt Gas jedoch weltweit eine wich­tige Rolle in der Elektrizitätsgewinnung, Gebäu­dewärmung und –kühlung sowie als Grundstoff für die Petrochemie und Düngemittelindustrie. Aufgrund relativer Umweltverträglichkeit wird es zunehmend auch als Transportenergie in Städten geschätzt; etwa für den Betrieb von Bussen und anderen Automobilen mit Com­pressed Natural Gas(CNG) oder Gas To Liquids (GTL). Da die Gasvorkommen gleichmäßiger um den Globus verteilt sind und seine Reser­ven länger anhalten werden als beim Öl(siehe Tabelle 2), hoffen manche Experten, dass es als Instrument für den Übergang in eine weniger von Kohlenwasserstoffen bestimmte Wirtschaft fungieren könne als sogenanntes bridge fuel. Seine relative Bedeutung und sein grenzüber­schreitender Handel werden zunehmen. Inzwi­schen ist der Gasmarkt dabei, wie der Ölmarkt global zu werden und einige Kommentatoren halten die Gründung einer Organisation der Gas exportierenden Länder nach dem Vorbild der OPEC für möglich. Seit dem Beginn der kom­merziellen Förderung in Holland 1959 und der später einsetzenden sowjetischen Lieferungen wurde ein weit verzweigtes Pipelinenetz in Euro­pa errichtet. Daneben gewinnt der Handel mit Flüssiggas an Bedeutung, welches wie Öl mit speziellen Tankschiffen transportiert und am Bestimmungsortregasifiziert wird. Dies ist ins­besondere für Nordamerika von Bedeutung, wo der Bedarf stetig wächst, die Produktion aber ihren Höhepunkt überschritten hat. 27 Prozent der weltweiten Produktion werden dort bei nur 4,1 Prozent der weltweiten Reserven betrieben und man arbeitet fieberhaft am Ausbau von Terminals zum Import von Flüssiggas. Mit nur 11 Prozent der weltweiten Pro­duktion, aber 40 Prozent der weltweiten Reser­ven, ist der Nahe Osten auch beim Erdgas ein Energieriese, der neben Russland in Zukunft eine wachsende Rolle spielen wird. Die Gas­vorkommen in der Region konzentrieren sich auf den Iran und Katar, die jeweils gut 14 Prozent der weltweiten Reserven auf sich verbuchen. Von diesen beiden Ländern gehen auch die regionalen Exportinitiativen für Gas aus: Iran hat 2004 einen 70 Milliarden Dollar schweren Gas­liefervertrag mit China unterzeichnet. Der Bau einer Gaspipeline über Pakistan nach Indien ist im Gespräch, Russland hat bereits technologische Unterstützung angeboten. Katar wiederum ist weltweit führend im Handel mit Flüssiggas und beabsichtigt, ab Ende des Jahres über die Dol­phin-Pipeline Gas in die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman zu liefern. Es wurden auch Überlegungen angestellt, Pipelinegas über Iran nach Europa und Indien zu liefern. Saudi-Arabien hat zwar die viertgrößten Gasreserven der Welt, im Verhältnis zu denen Russlands, Irans und Katars sind diese jedoch gering und kommen vor allem in assoziierter Form mit Öl vor. Das Land ist bisher auch nicht als Gasexporteur in Erscheinung getreten. Gas ist jedoch zur wichtigen Komponente des rapide wachsenden lokalen Energieverbrauchs geworden. Infrastruktur und Transport für eine stark wachsende Bevölkerung(ca. 3% p.a.), die Trinkwassergewinnung, die zu 70 Prozent über energieintensive Meerwasserentsalzung erfolgt sowie ambitionierte Entwicklungsplanungen in der Petrochemie, Düngemittel- und Schwer­industrie bilden hier den Hintergrund. Im Gas­sektor wurden auch erstmals seit der sukzes­siven Verstaatlichung der nationalen Ölgesell­schaft ARAMCO 1973-80 wieder ausländische Direktinvestitionen zugelassen. Der ursprünglich 1998 verkündete saudische Gasplan war 2003 zunächst gescheitert, da sich die großen Ölfirmen wie Exxon, Texaco und Shell zurückgezogen hatten. Sie hatten sich einen Wiedereinstieg ins saudische Ölgeschäft über die Hintertür der Gas­initiative erhofft, was die Saudis aber kategorisch ablehnten. Zudem stellten sich die zu erwarten­den Gewinne als bescheiden heraus angesichts hoher technologischer Anforderungen von Tie­fenbohrungen, geringer als erwarteter Reserven und subventionierter saudischer Gaspreise. 2004 wurden dann doch noch vier Gaskonzessionen an ausländische Firmen vergeben, allerdings in