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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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12 höchst interessant für die Finanzierung des ame­rikanischen Außenhandelsdefizits. Die Über­schüsse der OPEC-Länder machen ungefähr 35 Prozent von diesem aus, während die ent­sprechende Zahl für Asien bei 49 Prozent liegt. In der Tat waren es im letzten Jahr vornehmlich Kapitalexporte der Ölländer, die den Dollar stabilisierten, während andere große US-Gläu­biger ihre Bestände amerikanischer Staatspapiere FES-Analyse: Saudi-Arabien entweder zurückfuhren(Japan) oder in gerin­gerem Umfang steigerten(China). Auch in den nahöstlichen Staaten wurden bereits Überle­gungen angestellt, die Währungsreserven in den Euro zu diversifizieren. Angesichts der hohen Bedeutung, die der Nahe Osten für die Dollar­stabilisierung hat, auch durch die Fakturierung von Ölexporten in Dollar, könnte dies zu erheb­lichem Konfliktpotenzial mit den USA führen. Chinas Interesse am saudischen Öl China ist erst 1993 zum Nettoimporteur von Öl geworden und verzeichnet seither einen rasan­ten Anstieg seines Verbrauchs und seiner Im­porte bei gleichzeitiger Stagnation der heimi­schen Produktion. Inzwischen ist es nach den USA weltweit der zweitgrößte Importeur und bezieht 40 Prozent seines Bedarfes aus dem Ausland. Bis 2025 wird ein weiterer Anstieg auf 70 Prozent prognostiziert. Nahezu die Hälfte dieser Importe kommt aus dem Nahen Osten, vornehmlich aus Saudi-Arabien, mit wach­sender Tendenz. Daneben verfolgt China um­fangreiche Energieinteressen in Afrika(Sudan, Angola, Nigeria) und Zentralasien. 2005 hat es für 4,2 Milliarden US-Dollar die kanadische Petro-Kazakhstan übernommen und jüngst wurde die erste Pipeline von Kasachstan nach China eingeweiht. Bisher erfolgten noch sämtliche Importe Chinas per Schiff oder per Lastwagen und Eisenbahn im Inland. Deshalb ist neben der Sicherung von Energiequellen die Sicherung von Transportwegen eine weitere Priorität der Politik Chinas insbesondere jenen von der Golfregion, da China von hier den Großteil seiner Import­zuwächse beziehen wird und hier eine Kollision mit den Energieinteressen der USA und West­europas wahrscheinlich ist. Derzeit baut China mit Milliardenaufwand einen Ölverladehafen in Gawdar im nahen Pakistan, der als Ausgangs­punkt für eine Pipeline in Chinas Westen dienen wird. Eine weitere Pipelinelösung über Burma ist angedacht. Das dringendste Problem für China und andere asiatische Staaten ist freilich die nur wenige Kilometer breite Seestraße von Malacca, zwischen Malaysia und Indonesien, durch die rund 70 Prozent der chinesischen Ölimporte gehen. Ähnlich wie die Straße von Hormuz, durch die nahezu 90 Prozent der Ölexporte der Golfstaaten gehen, kann diese leicht durch Akte von Saboteuren oder feindlichen Staaten gesperrt werden, was zu einer faktischen Unterbrechung der Öllieferungen an China führen würde. Nicht zuletzt deshalb ist China am Ausbau seiner Marinekapazitäten gelegen und stellt daher Über­legungen zur Finanzierung eines Kanals durch Südthailand an, welcher die Straße von Malacca umgehen würde. Ein wichtiges Projekt zur chinesischen Ener­giesicherheit ist derzeit der Aufbau einer eigenen strategischen Ölreserve, wie dies die USA im Laufe der 1970er Jahre getan haben. Diese könnte Lieferunterbrechungen für eine Zeit lang aus­gleichen und China arbeitet hier eng mit ARAMCO zusammen, welches wie auch das benachbarte Kuwait in Raffineriekapazitäten für sour crude in China und Korea investiert. Sour crude stellt den Großteil der saudischen Reserve­kapazität dar, welche es nur bei Angebotstur­bulenzen auf die Weltölmärkte wirft. Die Raf­fineriekapazität für diese Ölsorte ist knapp, daher ist die Bereitstellung bei den wichtigen asiatischen Kunden von großer Bedeutung, um langfristige Lieferbeziehungen zu etablieren und die Ölmärkte zu stabilisieren. Weitere Aufsehen erregende Investitionen aus der Region waren in jüngster Zeit der Kauf einer 2,7-Prozent-Betei­ligung an der Bank of China für 2 Milliarden US­Dollar durch ein saudisches Investorenkonsor­tium um den Prinzen Al Waleed Bin Talal. Sicherlich ist es in jüngster Zeit zu einer erheblichen Annäherung zwischen Saudi-Ara­bien und China gekommen, im April betonte