FES-Analyse: Saudi-Arabien Kronprinz Sultan bei einem Besuch in Singapur noch einmal die verstärkte Orientierung SaudiArabiens nach Asien im Rahmen einer„ look-eastpolicy“. Im aktuellen„ China-Hype“ wird allerdings gerne übersehen, dass dieses weit davon entfernt ist, mehr als eine asiatische Regionalmacht zu sein. Chinas Nähe zu Iran ist darüber hinaus angetan, saudische Skepsis zu nähren: Es unterzeichnete 2004 einen 70 Milliarden Dollar Gasvertrag mit Iran, welcher dieses Jahr als Beobachter auf die Sitzung der Shanghai-Kooperations-Organisation( SCO) eingeladen wurde. Der 2001 gegründeten SCO gehören neben China und Russland die zentralasiatischen Staaten an. Obwohl ein loses Kon13 sultativgremium mit limitierter Interessenkonvergenz, kann die SCO als versuchtes geostrategisches Gegengewicht zu den USA und damit verbundener Energiefragen gewertet werden. Amerikanische Truppen mussten ihre Basis im SCO- Mitgliedsland Usbekistan 2005 nach Aufforderung durch die Regierung räumen. Zusammen mit Russland leistet China dem Iran überdies hinhaltende Hilfe im Atomstreit mit den USA. Letzten Endes dürfte sich Saudi-Arabien im Falle einer Konfrontation eher unter die Fittiche der USA und ihrer europäischen Juniorpartner begeben, als sich auf chinesische Experimente in der Außenpolitik einzulassen. Eine Wirtschaft am Tropf? Die Bereitschaft der Industriestaaten, Öl zum Gegenstand von politischen und militärischen Interventionen zu machen, führt leicht zu einer Haltung, die sich mit„wie kommt unser Öl unter deren Sand“ umschreiben lässt. Dieser Missachtung nationaler Souveränitäten und Befindlichkeiten im Nahen Osten stehen Gesellschaften in der Region gegenüber, für die Öl und Gas längst selbst zum wichtigen Faktor ambitionierter Entwicklungsplanungen geworden ist. Während im Westen immer noch das Bild des traumhaft reichen Ölscheichs anzutreffen ist, haben hohes Bevölkerungswachstum und niedrige Ölpreise in den 1980er und 1990er Jahren zu einer erheblichen Schrumpfung des ProKopf-Einkommens in Saudi-Arabien geführt. Während dieses am Ende der 1970er Jahre OECD-Niveau erreicht hatte, liegt es mit nunmehr rund 10 000 US-Dollar auf einer Linie mit Schwellenländern wie Mexiko. Insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit stellt ein wachsendes Problem dar – viele Reformvorhaben, von der Modernisierung des Bildungssystems über die Diversifizierung der Wirtschaft bis hin zur„Saudisierung“ des Arbeitsmarktes, lassen sich auf diese Problemlage zurückführen. Während das problematische Wachstum der Bevölkerung anhält, hat der Ölpreis seit 2002 eine bemerkenswerte Wende vollzogen, die an die glorreichen Zeiten des Ölbooms erinnert und der saudischen Regierung neue entwicklungspolitische Handlungsspielräume eröffnet. Erdöl bleibt trotz aller Diversifizierungsbemühungen der entscheidende Antrieb und Schmierstoff der saudischen Wirtschaft. Es repräsentiert 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 75 Prozent der Staatseinnahmen und 90 Prozent der Exporterlöse. Erdöl ist damit zentraler Faktor der saudischen Wirtschaft, von wo aus andere Sektoren, über staatliche Investitions- und Subventionsprogramme stimuliert werden. Die Golfregion konsumiert bereits 17 Prozent der eigenen Ölproduktion und hat gegenwärtig mit jährlich 4,5 Prozent die weltweit höchsten Zuwachsraten des Ölverbrauchs. Gleichzeitig richten sich die Hoffnungen der Welt auf sie, in wachsendem Maße Energie zu exportieren. Die Petrochemie und andere energieintensive Industrien wie die für Stahl, Aluminium, Düngemittel und Zement sind zu wichtigen Säulen einer saudischen Diversifikationsstrategie geworden, die das Land einerseits unabhängiger vom Erdöl machen soll, andererseits eine Verlängerung der Wertschöpfungskette des schwarzen Goldes bewerkstelligen soll. So möchte man möglichst viele nachgelagerte Veredelungs- und Raffinadeprozesse und die damit einhergehenden Jobs und Profite im Land behalten. Der zu 70 Prozent in Staatsbesitz befindliche Petrochemie-Gigant SABIC, der erst
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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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