FES-Analyse: Saudi-Arabien wesentlich geringerem Umfang als ursprünglich geplant und an Firmen aus der zweiten Reihe, die oft noch stärker auf die Ersetzung ihrer Reserven und die Erschließung neuer Geschäftsfelder angewiesen sind: Dies waren die chinesische Sinopec, die spanische Repsol, die italienische ENI und die russische Lukoil. Ein Wiedereinstieg ausländischer Firmen ins Ölgeschäft, wie in den 7 benachbarten VAE bereits praktiziert und in Kuwait diskutiert, wird in Saudi-Arabien auf absehbare Zeit jedoch nicht stattfinden. Es wird abzuwarten bleiben, ob Saudi-Arabien im Gasbereich in Zukunft neben der eigenen Bedarfsdeckung auch Exportinteressen entfalten wird. Der Ölsektor wird hier dominant bleiben. Kalter Entzug – Geht Saudi-Arabien das Öl aus? Die Frage, ob Saudi-Arabiens Ölproduktion nachlassen könnte, ist in einem Land, wo Öl eine solch überragende Stellung hat, ähnlich populär wie die Infragestellung der Autoindustrie in Deutschland. Dennoch ist es keine Frage, dass es geschehen wird, allein der Zeitpunkt ist strittig. Erdöl ist eine endliche Ressource. Jedes Ölfeld hat einen Produktionsverlauf, der einer glockenförmigen Kurve gleicht, zunächst nimmt die Produktion rasch zu, um dann auf einem Plateau zu verweilen, von wo aus später eine stetige Abnahme erfolgt. Wenn dies mit allen Ölfeldern einer Region geschehen ist und keine nennenswerten Neuentdeckungen zu verzeichnen sind, nimmt die Produktion der gesamten Region ab. In Nordamerika ist dies bereits seit 1971 der Fall. In der Nordsee war es 1999 soweit. Deshalb ist das in Tabelle 2 dargestellte Verhältnis von Reserven zur Produktion nur bedingt aussagekräftig, da es nicht realistisch ist, dass die Produktion auf gleichbleibend hohem Niveau verweilt, um dann am Tag X plötzlich auf Null abzusinken. Der wirtschaftlich bedeutende Zeitpunkt, der sogenannte Peak Oil, an dem die Ölproduktion zu sinken beginnt, ist früher zu erwarten. Inzwischen gibt es einen breiten Konsens, dass die Ära des„ cheap and easy oil“ sich dem Ende neigt. Der Ölkonzern Chevron fördert auf einer eigenen Internetseite Diskussionen über diese Problematik und British Petroleum hat sein Akronym BP nicht von ungefähr in„Beyond Petrol“ umgedeutet. Die geopolitischen Akteure reagieren mit zwei Strategien: einerseits mit der intensiven Suche nach Alternativen zum Öl, andererseits mit politischen Initiativen zur Sicherstellung von bestehenden Energiereserven. So war die Sicherung des Zugangs zu Öl ein wichtiges Interesse im Irakkrieg, und China pflegt eine intensive Energiediplomatie und Investitionsstrategie; von Afrika(Sudan, Angola, Nigeria) über kanadische Teersandprojekte und die gescheiterte Übernahme der amerikanischen Ölfirma Unocal bis zu den jüngsten gegenseitigen Besuchen des saudischen Königs Abdullah und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Nuklearkapazitäten in China, Russland und Indien werden derzeit ausgebaut und Kohle feiert ebenfalls ein Revival. Neben der sog.„CO 2 Sequestrierung“, der unterirdischen Speicherung des Treibhausgases, für eine umweltfreundlichere Nutzung wird dabei auch die in Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg bekannte Gewinnung von Treibstoff mittels Kohleverflüssigung debattiert. Wiederum China hat 2005 einen 10 Milliarden Dollar schweren Vertrag mit der südafrikanischen SASOL geschlossen, die in diesem Bereich Weltmarktführer ist, und auch in den USA wird diese Technologie intensiv geprüft. Last but not least erfreuen sich erneuerbare Energien(z. B. Wind, Wasser, Sonne, Biomasse) wachsender Beliebtheit. Wenn das Öl so umfangreich vorhanden wäre, wie offizielle OPEC-Vertreter gerne glauben machen, würden diese Anstrengungen nicht unternommen. Wieso kanadische Teersände schaufeln und sie mit hohem Aufwand an Gas und Wasser weiterverarbeiten, wenn man nur ein weiteres Loch in der arabischen Wüste bohren müsste, aus dem das Öl von alleine sprudelt? Bei Ersterem gewinnt man nur 1,5 Energieeinheiten für jede Energieeinheit die zur Förderung benötigt wird, beim Letzteren waren es in der Zeit des easy oil bis zu 200. Der offizielle Standpunkt der staatlichen saudischen Ölgesellschaft ARAM-
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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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