FES-Analyse: Saudi-Arabien 9 Freund oder Feind? Die special relationship mit den USA Die engen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien lassen sich als Tausch von Zugang zu Öl gegen Sicherheitsgarantien beschreiben. Sie entstanden bereits in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. US-amerikanische Unternehmen hatten in den 1930er Jahren mit der Ölexploration in Saudi-Arabien begonnen, und bei einem Treffen zwischen US-Präsident Roosevelt und dem saudischen König Abdulaziz Bin Saud 1945 wurde die gegenseitige strategische Zusammenarbeit bestätigt. Im Unterschied zu heute brauchten die USA damals diesen Zugang zu Öl nicht für sich selbst. Bis Anfang der 1970er Jahre waren sie im Wesentlichen Selbstversorger, mit bescheidenem, quotierten Anteil an importiertem Öl und beachtlicher ungenützter Reservekapazität, die sie in Krisenzeiten wie 1956 und 1967 zugunsten ihrer europäischen und japanischen Verbündeten auf den Markt bringen konnten. Heutzutage importieren die USA 60 Prozent ihres Bedarfes – mit wachsender Tendenz. Folgerichtig hat die Regierung Bush Energiefragen gleich zu Beginn ihrer Amtszeit an die Spitze ihrer Prioritätenliste gestellt. Bedauerlicherweise haben die Empfehlungen der Energy Task Force 2001 wenig Visionäres zutage gefördert: Energiesparen gilt nach wie vor als„unrepublikanisch“, stattdessen reduzieren sich die Empfehlungen im Wesentlichen auf die Erschließung von Ölvorkommen in Naturschutzgebieten Alaskas und die strategische Sicherung von Ölimporten aus dem Ausland. Ein erster Test der saudisch-amerikanischen Allianz erfolgte in den 1960er Jahren, als Vertreter des„Arabischen Sozialismus“ wie Nasser, die syrische Baath Partei und die PLO die Legitimität der Golfmonarchien in Frage stellten. Im jemenitischen Bürgerkrieg kam es sogar zu einem Stellvertreterkrieg, als Saudi-Arabien royalistische Kräfte unterstützte und das nasseristische Ägypten Truppen zur Unterstützung der republikanischen Kräfte schickte. Saudi-Arabien war fortan neben dem Iran unter der Regierung des Schah im Rahmen der twin pillar policy zweiter wichtiger Partner amerikanischer Sicherheitsinteressen in der Region. Im Gefolge der Machtübernahme Khomeinis, dem Iran-IrakKrieg und der sowjetischen Besetzung Afghanistans versuchten die USA zunächst, die Kräfte indirekt auszubalancieren, gingen dann aber Ende der 1980er Jahre dazu über, ihre Interessen in der Region direkt wahrzunehmen und verstärkten ihre Truppenpräsenz. Dies befürworteten die Staaten auf der arabischen Halbinsel durchaus, da sie nicht in der Lage gewesen wären, sich gegen eine äußere Bedrohung durch den Iran zu verteidigen. Während der 1980er Jahre kam es zu einer Reihe von Iran inspirierter oder initiierter Anschläge und Unruhen in SaudiArabien. Besonders brisant waren dabei Unruhen auf Seiten der schiitischen Minderheit, die in den saudischen Ölgebieten an der Golfküste die Bevölkerungsmehrheit stellt. Auch deshalb unterstützte Saudi-Arabien Saddam Hussein’s Irak. Die irakische Besetzung Kuwaits und die nachfolgende Rückeroberung durch die Alliierten zeigte den Golfstaaten dann einmal mehr ihre sicherheitspolitische Abhängigkeit von Amerika auf. In der Folgezeit wurde im Abkommen von Damaskus 1992 zwar kurzzeitig diskutiert, im Rahmen einer innerarabischen Lösung ägyptische und syrische Truppen zur Sicherung der Golfstaaten heranzuziehen. Aber letztlich war man eher geneigt, dem fernen Amerika als den arabischen Brüdern zu trauen. Nach der Kuwaitbesetzung rüsteten SaudiArabien und andere Golfstaaten in den 1990er Jahren massiv auf. Für die westliche Rüstungsindustrie war dies höchst willkommen, da die Aufträge in ihren Heimatländern nach dem Ende des Kalten Krieges zurückgingen. Mit 11,6 Milliarden US-Dollar war Saudi-Arabien 1997 der größte Waffenimporteur der Welt, bis zu 40 Prozent des Budgets werden noch heute für Rüstung ausgegeben. Neben den USA sind Großbritannien und Frankreich wichtige Lieferanten, wobei insbesondere die Luftwaffe Priorität genießt. Mangelnde Wartung und unzureichende Ausbildung der Truppen sowie die Inkompatibilität von Systemen relativieren jedoch den militärischen Nutzen der teuren Anschaffungen. Nach wie vor ist davon auszugehen, dass Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten im Zweifelsfall nicht in der Lage sind, ihr
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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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