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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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14 1976 gegründet wurde, ist zwischenzeitlich zum Weltmarktführer aufgestiegen und produziert 10 Prozent aller weltweiten petrochemischen Produkte wie Polymere für die Plastikproduk­tion; und dies mit steigender Tendenz. Mit der Übernahme der petrochemischen Sparte der holländischen DSM 2002 hat der Konzern darüber hinaus seine globalen Ambitionen for­muliert. Neben diesem wachsenden schwerindustriel­len Profil der saudischen Wirtschaft setzt man große Hoffnungen auf Wachstum im arbeits­intensiveren Servicesektor. Das 26-Milliarden­US-Dollar-Projekt der King Abdullah Economic City im Norden von Jeddah soll Saudi-Arabien FES-Analyse: Saudi-Arabien zum Zentrum der wachsenden Kapitalmärkte in der Region machen, Handelsdienstleistungen aller Art an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa bieten und bis zu 500 000 Jobs schaffen. Im Tourismus möchte man bis 2020 über zwei Millionen Jobs schaffen. Aufgrund der Ab­schottung des strukturkonservativen Landes ist dies jedoch unwahrscheinlich. Restriktive Visa­vergabe, Abwesenheit archäologischer Sehens­würdigkeiten und die bleierne Langeweile, die über dem Land zu liegen scheint, beschränken etwaige Erfolge in diesem Bereich auf den bereits etablierten, religiös motivierten Tourismus zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina. Gut geölt der saudische Rentierstaat Öl dominiert nicht nur die außenpolitischen Beziehungen und die Wirtschaft Saudi-Ara­biens, es ist auch ein entscheidender Faktor für die Stabilität der saudischen Herrschaft, da die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zahlreiche sozialstaatliche Programme und Subventionen finanzieren, vom Bildungs- und Gesundheits­wesen bis zu Subventionen für Wasser, Elek­trizität und Benzin. Darüber hinaus arbeitet ein Großteil der einheimischen Bevölkerung im öffentlichen Sektor, da die meisten dessen Job­sicherheit, Prestige und soziale Leistungen bevorzugen. Im Unterschied zu Industriestaaten werden diese Ausgaben jedoch nicht durch Steuereinnahmen finanziert, sondern im Wesent­lichen durch die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, sogenannten Renten. Saudi-Arabien ist damit ein typisches Beispiel für einenRentierstaat. Die meisten dieser Rentierstaaten werden autokra­tisch regiert: Da der Staat die Bürger nicht zu seiner Finanzierung benötigt, räumt er ihnen auch keine Teilhabe ein, sondern stellt sie durch vielfältige Alimentationen ruhig und verbittet sich Einmischungen in seine Angelegenheiten no taxation and no representation. Neben sozialstaatlichen Leistungen und Jobs im öffentlichen Sektor wurde die Verteilung der Ölrente über fünf wirtschaftliche Mecha­nismen bewerkstelligt: Das System einheimi­scher Sponsoren für ausländische Firmen, Land­verteilung durch den Staat, Förderung exten­siver Landwirtschaft, staatliche Beschaffungs­politik und staatliche Förderungen für Indus­triefirmen. Das System des Rentierstaats hat zu Zeiten des Ölbooms gut funktioniert, kann aber leicht zu Legitimationsproblemen führen, wenn der Staat aufgrund von Ölpreisverfall und Bevölke­rungswachstum die Leistungen nicht mehr im gewohnten Umfang zur Verfügung stellen kann. Gesunkene Pro-Kopf-Einkommen, hohe Jugend­arbeitslosigkeit und die Benachteiligung ganzer Regionen(der Norden und die Asir-Provinz) bereiten Probleme und haben zu erheblicher sozialer Unzufriedenheit geführt. Unzufrieden­heit, die sich im autokratischen System Saudi­Arabiens nur bedingt artikulieren kann. Da 40 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahre alt ist und weitgehend ohne Perspektive für sozialen Aufstieg, wird dieser Druck bis auf Weiteres nicht abnehmen. Aufgrund niedriger Ölpreise und der damit verbundenen Defizite, begann der saudische Staat 1998 eine Reihe wirtschaftlicher Reformen in der Hoffnung, Wachstum abseits der tradi­tionellen staatlichen Investitions- und Vertei­lungsmechanismen zu generieren. Mittels neu geschaffener Institutionen wie den Supreme Councils für Wirtschaft, Öl und Tourismus und der Saudi Arabian General Investment Authority