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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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FES-Analyse: Saudi-Arabien 11 Saudi-Arabiens Aufrüstung und derPetro-Euro Es ist naheliegend, dass die wachsenden Pro­bleme in den Beziehungen zu den USA den saudischen Wunsch nach außenpolitischer Diver­sifikation nähren. Der erste auswärtige Besuch nach seiner Amtsübernahme führte König Ab­dullah nicht nach Washington, sondern nach Peking und neben Amerika war man schon immer darum bemüht, auch bilaterale politische und militärische Kontakte zu größeren euro­päischen Ländern wie Großbritannien, Frank­reich und Deutschland zu pflegen. Seit den 1980er Jahren sind die europäischen Waffen­exporte im Durchschnitt sogar größer gewesen als die amerikanischen. Nachdem der Export amerikanischer Kampfflugzeuge vom Typ F-15 am Widerstand der pro-israelischen Lobby lange Zeit gescheitert war, wandte man sich an die Briten, die 1985 im Rahmen des Al-Yamamah Rüstungsdeals Tornados lieferten. Dieser ist bis heute der größte Waffenverkauf der britischen Geschichte und war auch wegen der Höhe der geflossenen Bestechungsgelder beispiellos. Ein Teil des Vertrages wurde im direkten Tausch­handel mit Öllieferungen beglichen. Mit der Unterzeichnung eines Vertrages über die briti­sche Lieferung von 72 Eurofightern im Wert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar hat er im August 2006 eine Fortsetzung gefunden. Ein Geschäft von dem auch Deutschland profitieren wird, da es eines der vier an der Eurofighter­Produktion beteiligten Länder ist. Dennoch muss die europäische Bedeutung relativiert werden. Die Europäer sind nicht in der Lage, einen vollwertigen Ersatz für die amerikanische Schutzmacht zu bieten und sind eher darauf bedacht, im Windschatten von deren Vormachtstellung am Golf zu agieren. Bisher ist darüber hinaus kein Ansatz zu einer einheitlichen europäischen Politik in der Re­gion zu erkennen und die EU wird auf der Seite Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten nicht als handlungsfähiger Partner wahrgenommen. So verfolgen die einzelnen europäischen Staaten ihre Interessen konsequent auf bilateraler Ebene, dürften hier aber mangels Masse zunehmend Probleme haben, ihren Stimmen angemessen Ge­wicht zu verleihen. Die Etablierung eines Freihan­delsabkommens mit den Golfstaaten wurde mehrfach verschoben und genießt offensichtlich keine Priorität auf europäischer Seite. Das Ener­gie Green Paper der EU-Kommision vom März 2006, welches sich intensiv mit Fragen der Ener­giesicherheit beschäftigt, erwähnt die Golfregion nur unterferner liefen und konzentriert sich ganz auf Nachbarregionen wie Russland und Nordafrika. Es kann ein wenig der Eindruck entstehen, als seien sich die Europäer der wachsenden energiepolitischen Rolle der Golfre­gion nicht bewusst. Auf wirtschaftlicher Ebene ist die Bedeutung der Europäer jedoch ungleich größer. Zwar sind asiatische Länder der größte Handelspartner Saudi-Arabiens, da dorthin etwa zwei Drittel der Ölexporte gehen, auf der Importseite ist hin­gegen Europa wichtiger. Es ist der einzige Han­delsblock, der einen Leistungsbilanzüberschuss mit dem Land verzeichnet und liefert rund ein Drittel aller Importe. Es wird wiederum gefolgt von Asien, während die USA nur gut 10 Prozent der Importe liefern. Allerdings sind die USA nach wie vor im strategisch wichtigen Ölsektor präsent wenig verwunderlich, war doch ARAMCO, ursprüngliche Abkürzung für Arabian American Oil Company, bei seiner Gründung 1944 ein saudisch-amerikanisches Gemeinschaftsunter­nehmen, bevor es zwischen 1973 und 1980 sukzessive verstaatlicht wurde. Der abnehmenden Bedeutung der USA in der Realwirtschaft steht eine anhaltende Domi­nanz in Währungsfragen und ausländischen Portfolioinvestitionen gegenüber, die allerdings durch den Aufstieg des Euros möglicherweise gefährdet ist. Wie die Währungen der anderen Länder des Golfkooperationsrates ist der saudische Riyal an den Dollar gekoppelt und rund 70 Prozent der Währungsreserven und ausländischen Investitionen werden in Dollar gehalten. Nachdem der Ölpreisverfall Mitte der 1980er Jahre zur Anhäufung massiver Budget­defizite in Saudi-Arabien geführt hatte, verfügt das Land nach dem jüngsten Ölpreisanstieg wieder über komfortable Leistungsbilanzüber­schüsse. Wie in den 1970er Jahren ist das Land ebenso wie andere OPEC-Länder damit wieder