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Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
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FES-Analyse: Saudi-Arabien Diese Machtverschiebung im Weltölmarkt von den Industrie- zu den OPEC-Ländern ließ diese und ihren größten Produzent Saudi-Arabien zum weltpolitischen Akteur aufsteigen. Allerdings führte weniger die viel publizierte und beklagte Verwendung derÖl-Waffe, die Marktmacht der OPEC zu höheren Preisen, sondern die Knappheit des Angebots bei wachsender Nachfrage. Es wird leicht übersehen, dass Saudi­Arabien mit Ausnahme des vorübergehenden Ölboykotts im Gefolge des Yom-Kippur-Krieges eine für den Westen verlässliche und konstruktive Rolle gespielt hat, insbesondere während des Kalten Krieges und der Islamischen Revolution im Iran. Auch der Krieg gegen den Irak im Jahr 1991 wäre ohne Saudi-Arabien schwerlich führbar gewesen: Es warf seine ge­samte Reservekapazität auf den Markt, um den Verlust irakischer und kuwaitischer Produktion auszugleichen, und stabilisierte so die Märkte. Mit dem Einbruch des Ölpreises Mitte der 1980er Jahre verloren Saudi-Arabien und die OPEC ihre marktbeherrschende Stellung und wurden bis Ende der 1990er Jahre zu preis­nehmenden Statisten des Weltölmarkts. Wach­sende Produktion von Öl aus der Nordsee und dem Golf von Mexiko und langsamere Nach­fragesteigerungen aufgrund von Energieeinspa­rungen und Rezession in den Industrieländern hatten dazu geführt, dass die OPEC-Länder in wachsendem Maße Reservekapazität anhäuften, ohne dadurch den Preis hochhalten zu können. Auch ein 1982 eingeführtes, aber nie vollständig durchgesetztes Quotensystem konnte daran nichts ändern. In den 1990er Jahren setzte dann noch eine Erholung der Produktion in den Nach­folgestaaten der früheren Sowjetunion ein und verringerte den Einfluss der OPEC zusätzlich. Erst 1999 mit einem neuen Quotensystem und erneut steigender Nachfrage nach der asiati­schen Krise gewann die OPEC wieder an Hand­lungsspielraum. Heute verliert sie diesen Spielraum wieder diesmal wegen Unter-, nicht Überkapazitäten. Denn Saudi-Arabien hat sich in den letzten 5 Jahren entschieden, seine Reservekapazität abzu­bauen und hat diese nahezu vollständig auf den Markt geworfen, um die Preise zu stabilisieren. Lag die Reservekapazität in den 1980er und 1990er Jahren OPEC-weit bei etwa vier Millio­nen Barrel, schwankt sie nun um eine Million Barrel, das meiste davon aus Saudi-Arabien, alle anderen OPEC-Länder produzieren an der Kapazitätsgrenze. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Reservekapazität aus sehr schwefel­haltigem sour crude besteht, für welches oft keine Raffineriekapazitäten vorhanden sind. Zwei Umstände könnten diese Situation ver­ändern: 1.) Eine massive Abkühlung der Welt­konjunktur oder 2.) die Entdeckung, Entwick­lung und Vermarktung neuer Vorkommen. Irak ist aufgrund der großen Ölreserven ein Hoff­nungsträger, aber eine Steigerung seiner Produk­tion ist in absehbarer Zeit aufgrund politischer Instabilität nicht wahrscheinlich. Die notorisch optimistische IEA setzt große Hoffnungen auf die Entwicklung unkonventionellen Öls(z.B. kanadische Teersände, venezolanisches Schwer­öl), das durch alternative Produktionsverfahren gewonnen wird. Des Weiteren soll die Inves­tition in neue Technologie die Ausbeutung vor­handener Ölvorkommen im Nahen Osten effi­zienter gestalten. Hierfür wären in den nächsten dreißig Jahren allerdings Investitionen von 500 Milliarden US Dollar und dauerhafte politische Stabilität notwendig. Es sieht also danach aus, dass Saudi Arabien und die OPEC in Zukunft kaum über mangelnde Nachfrage für ihr Öl werden klagen müssen. Die Erfahrungen der 1980er und 1990er Jahre wirken jedoch nach, als fallende Ölpreise Wirtschafts­krisen und Budgetdefizite verursachten. Folge sind ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit der Nachfrage, stabilen Kundenbeziehungen so­wie Misstrauen gegenüber alternativen Energie­trägern und Wettbewerbern im Ölmarkt, wie beispielsweise den Ländern am Kaspischen Meer, deren Öl über die neugebaute Baku-Tiblissi­Ceyhan-Pipeline in die Türkei transportiert wird.