Druckschrift 
Saudi-Arabien : Energieriese zwischen geopolitischer Neuausrichtung und innenpolitische Reform
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

4 kamen, spielt dieser mit 10 Prozent heute eine untergeordnete Rolle. Russland, Norwegen und Großbritannien sind die wichtigsten Lieferan­ten. Die europäischen Lieferanten müssen je­doch wegen stark fallender Produktion(bis zu 8 Prozent jährlich) schon bald ersetzt werden. Anhaltend hohe Nachfrage in den klassischen Industrieländern, bei gleichzeitig stark wachsen­der Nachfrage aus den Schwellenländern, zu denen nicht zuletzt die Golfstaaten selber gehö­FES-Analyse: Saudi-Arabien ren, wird zu Energiekonflikten führen. Die große Herausforderung für die internationale Politik ist es, diese Interessenkonflikte friedlich auszuba­lancieren. Darüber hinaus verstärkt sich wegen der abnehmenden Reserven der Druck, in den kommenden Jahrzehnten die von Kohlenwasser­stoffen abhängigenenden Wirtschafts- und Gesell­schaftsordnungen abzulösen. Tabelle 2: Öl und Gas Regionenanteil, Produktion, Verbrauch und Reserven 2005 Region Öl­Produktion Öl­Verbrauch Öl­Reserven Reserven/ Produktion Gas­Produktion Gas­Verbrauch Gas­Reserven Nordamerika* 16,5% 29,5% 5,0% 11,9 27,2% 28,2% 4,1% Südamerika 9,0% 5,8% 8,6% 40,7 4,9% 4,5% 3,9% Europa und Zentralasien** 21,7% 25,1% 11,7% 22,0 38,4% 40,8% 35,6% Afrika*** 12,0% 3,4% 9,5% 31,8 5,9% 2,6% 8,0% Asien Pazifik 9,8% 29,1% 3,4% 13,8 13,0% 14,8% 8,3% Naher Osten 31,0% 7,1% 61,9% 81 10,6% 9,1% 40,1% Anteil Saudi-Arabien 13,5% 2,3% 22,0% 65,6 2,5% 2,5% 3,8% Welt 100% 100% 100% 40,6 100% 100% 100% Reserven/ Produktion 9,9 51,8 60,3 88,3 41,2 --­99,3 65,1 Quelle: British Petroleum: Statistical Review of World Energy 2006 *USA, Kanada und Mexiko. Kanadas Ölreserven aus Teersand nur berücksichtigt soweit bereitsaktiv entwickelt **Der Anteil von Russland und den zentralasiatischen Republiken liegt bei über zwei Dritteln ***Im Wesentlichen Libyen, Nigeria, Algerien, Angola Im Osten nichts Neues OPEC-Führungsmacht undSwing Producer Die Bedeutung Saudi-Arabiens bemisst sich nicht allein anhand hoher Produktion und Öl­vorkommen, sondern auch anhand seiner Rolle alsswing producer im Weltölmarkt: Es verfügt über Reservekapazitäten, die in Zeiten der An­gebotsknappheit auf den Markt geworfen und in Zeiten des Überflusses wieder zurückgezo­gen werden können. Da der Weltmarkt durch hohe Volatilität gekennzeichnet ist, kommt es bei gleichzeitigen hohen Fixkosten in der Produktion und inelastischer Nachfrage zu starken Preisaus­schlägen im Falle von sehr kleinen Marktschwan­kungen, so dass schon marginale Produktionsän­derungen erhebliche Auswirkungen auf die Preis­bildung haben. In dieser Situation kommt dem swing producer eine große Bedeutung zu. Er sorgt für stabile und kalkulierbare Preise im Falle von unerwarteten Nachfrageschwankungen, Natur­katastrophen oder politischen Krisen, wie zuletzt dem Hurrikan Katrina oder Unruhen in Nigeria. Bis zu Beginn der 1970er Jahre kam die Rolle des swing producer den USA zu. Ölknappheiten im Gefolge der Suezkrise 1956 und eines ersten arabischen Embargoversuchs 1967 glichen sie durch ihre Reservekapazitäten aus. Als diese aber Anfang der 1970er Jahre erschöpft waren, über­nahmen Saudi-Arabien und die OPEC die Funk­tion des swing producer.