8 hen, dass das MININT in absehbarer Zeit wieder einen eigenständig mit der Armee rivalisierenden Machtfaktor innerhalb des kubanischen Apparats darstellen könnte. Dennoch ist es angesichts der FidelNachfolge für das politische System Kubas offenkundig zwingend geboten, mit dem symbolischen Schulterschluss zwischen Raúl Castro und Comandante Ramiro Valdés, dem ranghöchsten noch lebenden Exponenten des„historischen“ Innenministeriums, die Geschlossenheit der beiden bewaffneten Institutionen und die Einheit der politischen Elite zu signalisieren. Das kubanische Militär ist im Übrigen auch ein zentraler wirtschaftlicher Machtfaktor im Land. Die große den FAR unterstehende Betriebsholding, die Grupo de Administración Empresarial(GAESA), betreibt eine umfassende wirtschaftliche Parallelstruktur von landwirtschaftlichen Großbetrieben zur Grundversorgung der Bevölkerung bis zu in internationalen Joint Ventures betriebenen Hotels zur Devisenbeschaffung. Insofern steht das Militär keineswegs in Gegensatz zu jener technokratischunternehmerischen Elite, die sich innerhalb der kubanischen Ökonomie seit 1989 neu herausgebildet hat, sondern ist ein zentraler Teil von ihr. FES-Analyse: Kuba Partei und Militär, die beiden zentralen Säulen der Macht im Nach-Fidel-Kuba, sind auf das Engste miteinander verwoben. Die in manchen Transitionsszenarien gerne gemachte Gegenüberstellung von „guten patriotischen Militärs“ und„bösen kommunistischen Parteikadern“ ist in der Praxis kaum erkennbar. Alle führenden Militärs sind selbstverständlich auch Kader der Kommunistischen Partei. Unter den 21 Mitgliedern des Politbüros sind sechs Generäle, einige Ministerposten sind mit Militärs besetzt. Aufgrund dieser engen Verquickung bleiben auch die von den USA inzwischen zunehmend ausgesandten Signale, dass das„patriotische kubanische Militär“ im Falle einer Transition zur Demokratie nichts zu befürchten habe, voraussichtlich ohne große Wirkung. Zudem hat hier der Irak-Krieg ein in Kuba nur allzu gut wahrgenommenes Beispiel gesetzt: Unter dem Schlagwort der„Ent-Baathisierung“ wurden die professionellen Karrieren praktisch aller führenden Armee-Offiziere über Nacht zunichte gemacht. Eine Übersetzung in kubanische Verhältnisse bedarf keiner großen Fantasie. Das Personal der Macht in der Nach-Fidel-Ära Raúl Castro Ruz: Nachfolger Fidel Castros als • Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas • Oberbefehlshaber der Revolutionären Streitkräfte ( Fuerzas Armadas Revolucionarias FAR) • Präsident des Staatsrats und damit der Regierung der Republik Kuba Die Partei José Ramón Balaguer: langjähriger IdeologieChef der KP; bezog als Kubas Botschafter in der Sowjetunion unter Gorbatschow frühzeitig Position gegen Perestroika und Glasnost; in Fidels Proclama als erster nach Raúl Castro genannt, mit Zuständigkeit für das Nationale und Internationale Programm für Öffentliche Gesundheit. José Ramón Machado Ventura: wie Balaguer Politbüromitglied der alten Garde; in Fidels Proclama zusammen mit Esteban Lazo als Zuständiger für das Nationale und Internationale Programm für Öffentliche Bildung benannt. Esteban Lazo: Politbüromitglied, Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen der KP. Einziger ranghoher Kader mit sehr dunkler Hautfarbe. Felipe Pérez Roque: Politischer Ziehsohn Fidel Castros, seit er mit 21 Jahren sein persönlicher Sekretär in der„Gruppe zur Unterstützung des Comandante“ wurde. Von hier wurde er 1999 zum Außenminister berufen. Der heute 40jährige Pérez Roque gilt als Führungskopf der jungen, radikal auftretenden Garde. In Fidels Proclama zusammen mit Carlos Lage und Francisco Soberón Valdés zur Finanzkommission ernannt. Carlos Lage: Politbüromitglied, gilt als Architekt der Wirtschaftsreformen der frühen 1990er Jahre und wird deshalb im Ausland oft als„Reformer“ charakterisiert. Francisco Soberón Valdés: Zentralbankchef im Ministerrang; technokratische Ausstrahlung; erst in
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