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Kuba in der Nach-Fidel-Ära
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FES-Analyse: Kuba Leal abgelöst. Redebeiträge und Erklärungen re­flektierten, dass die CTC-Führung erhebliche Kritik und Unzufriedenheit innerhalb ihrer Basis aus­macht, die offenbar auf eine raschere Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse drängt. Anfang November 2006 wurde einegenerelle Neuordnung der landwirtschaftlichen UBPC­Genossenschaften angekündigt, da nur weniger als die Hälfte von ihnen rentabel arbeite. Eine Revitali­sierung der UBPC sei das Ziel. Neben dem obliga­torischen Verweis auf das US-Embargo führte der Zeitungsartikel dies aber auch aufGeburtsfehler der UBPC zurück, eine gar nicht mehr allzu ver­hüllte Kritik an der staatsfixierten Reform von 1993, die einer Transformation zu echten Genos­senschaften kaum eine Chance gab. Bereits be­13 schlossen ist die Streichung der Schulden, mit der die UBPC in den meisten Fällen das Licht der Welt erblickten. Der Artikel endet mit dem ausdrückli­chen Hinweis auf einÜbermaß an Vormund­schaft durch Staat und Plan und setzt damit die in den 1990er Jahren geführte Diskussion um die Ent­scheidungsautonomie der UBPC neu auf die Ta­gesordnung. Dies alles macht noch keinen Frühling der Reform. Aber es deutet an, dass auch in der Wirtschaftspolitik nach dem Abtritt Fidels nicht einfach einFidelismo ohne Fidel zu erwarten ist. Vielmehr zeichnet sich eine neue Diskussion um Veränderungen ab, die so vorsichtig sie auch noch geführt wird an die Re­forminitiativen der frühen 1990er Jahre anknüpft. Neue Bündnispartner in Lateinamerika und darüber hinaus Das Selbstbewusstsein, das die kubanische Füh­rung gegenwärtig zur Schau stellt, wäre ohne das veränderte internationale Umfeld nicht zu erklä­ren. Wichtigster, aber keineswegs einziger Faktor ist, wie bereits erwähnt, die Herausbildung eines neuen internationalen Bündnispartners in Gestalt von Hugo Chávez im ölreichen Venezuela. An em­phatischer Rhetorik ist dabei kein Mangel: Selbst Car­los Lage, der innerhalb der kubanischen Führungsrie­ge eher alsMr. Sachlichkeit gilt, scheute sich nicht, zu erklären, Kuba habe zwei Präsidenten: Fidel Castro und Hugo Chávez. Auf der anderen Seite korrigierte Hugo Chávez jüngst seinen bolivianischen Amtskol­legen Evo Morales, als dieser sagte, Fidel sei für die Linken in Lateinamerika immer eine Artgroßer Bru­der:Nein, sagte Chávez,er ist nicht unser großer Bruder, er ist unser Papst! Die persönliche Freundschaft zwischen Fidel Castro und Hugo Chávez wird dabei öffentlich inten­siv inszeniert. Ihren symbolischen Höhepunkt fand diese Inszenierung in den wiederholten Besuchen von Hugo Chávez am Krankenbett Fidel Castros. Während Raúl Castro als Fidels Nachfolger in der Inselpolitik hierbei diskret im Hintergrund blieb, wurde Chávez in diesen Aufnahmen gleichsam als legitimer Erbe in­thronisiert, an den Fidel den Staffelstab der Revoluti­on auf lateinamerikanischer und internationaler Ebene weitergibt. Die engen politischen Bindungen zwischen Fidel Castro und Hugo Chávez sind inzwischen ökono­misch durch eine Vielzahl von Abmachungen un­terfüttert. Für Kuba bedeutet das insbesondere reich­haltige Öllieferungen zu ausgesprochen vorteilhaften Bedingungen. Gleichzeitig bietet sich damit für Kuba die Möglichkeit, mit dem massivenExport von über 20.000 vor allem medizinischen Fachkräften nach Venezuela aus seinen hohen Investitionen in Gesund­heit und Bildung Kapital zu schlagen. Selbst ohne die Dienstleistungen in Rechnung zu stellen, haben inzwi­schen medizinische Produkte in Kubas Exportstatistik dem Zucker den Rang abgelaufen. Beide Staaten haben auch ein Integrationspro­jekt namens ALBA(Alternativa Bolivariana para las Américas) lanciert, das sich explizit als anti­neoliberaler Gegenentwurf zu den von den USA geförderten Freihandelsabkommen versteht und dem sich inzwischen mit Bolivien ein drittes Land auf dem Kontinent angeschlossen hat. Der jüngst zum Präsidenten Nicaraguas gewählte Sandinistenfüh­rer Daniel Ortega hat ebenfalls einen Beitritt ange­kündigt. Jenseits der ökonomischen Dimension ALBAs, die im Konkreten noch sehr unklar bleibt, kann damit von einer politischen Isolierung Kubas in Lateinamerika kaum noch die Rede sein. Unterstrichen wurde die neue internationale Ein­bindung Kubas durch zwei internationale Treffen: Das erste war das der Mercosur-Staaten am 21. Juli in Ar-