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Eigenthümliche Freundschaftsbeziehungen in der Thierwelt.

Naturgeschichtliche Skizzenbilder von Dr. L. Jacoby.

Freundschaftliche Verhältnisse solcher Art, welche die Grund-| Zuneigung, des Zusammenlebens und Zusammenwirkens haben lage der menschlichen Gesellschaftsorganisation bilden, wie staat- indeß das natürliche Merkmal, daß sie stets auf das Einzelwesen liche Gemeinschaften, Ehebündnisse, Vereinigungen zum Behuf einer und derselben Thierart beschränkt sind. Es gibt aber in des Lebensunterhaltes oder auch der Geselligkeit, sind unter den der Thierwelt einzelne Fälle von Freundschaftsbeziehungen, die Thieren eine bekannte Erscheinung. Alle diese Verhältnisse der nicht nur zwischen verschiedenen Arten und Gattungen, sondern

Christian Daniel Rauch. ( Seite 95.)

selbst zwischen weit auseinanderstehenden Ordnungen, Klassen, ja sogar Ürstämmen des Thierreichs zutage treten. Von ihnen wollen wir im Nachfolgenden in kurzen Umrissen dem Leser Kunde geben. Es sind die Fälle dieser Art bisher nur zum Theil auf geklärt und von den Forschern, die sich eifrig mit dem interes santen Gegenstande beschäftigten, auf uns verständliche Ursachen zurückgeführt worden. In der Mehrzahl haftet ihnen noch viel Räthselhaftes an, und es könnte hier vor allem auch ein nicht gelehrter Naturfreund und Liebhaber, der Zeit und Gelegenheit zu sorgsamen und andauernden Beobachtungen hat, der Wissen schaft durch Aufschlüsse werthvolle Dienste leisten.

| Den Uebergang von den zuerst genannten gesellschaftlichen Beziehungen zu unserem Thema bilden die Fälle eigenthümlicher Gastfreundschaften in der Thierwelt. Sie finden sich ausgeprägt bei einem staatenbildenden Thier, dem intelligentesten nicht allein unter wirbellosen, sondern selbst unter der Mehrzahl der höheren Thiere, bei den Ameisen.

Zunächst sehen wir diese Gastfreundschaft geübt an fremden Arten ihrer eigenen Gattung. Es kommt in dem Nesthaufen der großen, rothen Waldameise oder Hügelameise( Formica rufa) als Gast eine kleine, glänzend gelbe Art vor, zu den Knoten ameisen gehörend- der Hinterleibsstiel derselben ist zweifach