tengremium des Verteidigungsministeriums, entsprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in diesem Bereich zu beginnen. 13 Ein weiterer Schwerpunkt ist die Überarbeitung der»Operativen Leitlinien für die drei Grundsätze zum Transfer von Verteidigungsgütern und-technologie«, um staatliche Produktionskapazitäten für Verteidigungsausrüstung auszubauen und die Rüstungsindustrie zu stärken. Zudem vereinbarten beide Parteien, die Rahmenbedingungen für Angehörige der Selbstverteidigungsstreitkräfte z u verbessern – eine Maßnahme, die bereits teilweise umgesetzt wurde. Bemerkenswert ist auch der Vorschlag zur Schaffung einer nationalen Nachrichtendienstbehörde. Seit der Abschaffung des Innenministeriums nach dem Zweiten Weltkrieg verfügt Japan trotz wiederholter Versuche, diese Lücke zu schließen, über keinen zentralen Nachrichtendienst. Der Koalitionsvertrag sieht vor, das sogenannte Cabinet Intelligence and Research Office(Nachrichten- und Untersuchungsbüro des Kabinetts) und dessen Leitung zu einer National Intelligence Agency beziehungsweise zum Director of National Intelligence aufzuwerten und institutionell dem National Security Secretariat(NSS) gleichzustellen. 14 Geplant ist, die Behörde im Haushaltsjahr 2027 einzurichten, Personal aus ver schiedenen Ministerien zu bündeln und spezielle Ausbildungsprogramme durchzuführen. Flankierend sollen neue Gesetze zu Geheimdienst und Spionageabwehr erlassen werden. Weitere Prioritäten betreffen die Stärkung der nationalen Resilienz in Krisenzeiten, etwa durch einen verbesserten Schutz von Unterseekabeln und kritischer Infrastruktur. Auch die Energiepolitik wird betont, insbesondere mit Investitionen in Kernund Fusionsreaktoren der nächsten Generation. Takaichis erste Regierungserklärung im Parlament am 24. Oktober 2025 Premierministerin Takaichi hielt am 24. Oktober 2025 ihre erste Regierungserklärung im Parla ment. Darin betonte sie, dass sich Japan angesichts der aktuellen internationalen Lage seiner Verwundbarkeit bewusst sei. »Wir erleben derzeit historische Verschiebungen im Machtgleichgewicht und eine Eskalation des geopolitischen Wettbewerbs, welche die freie, offene und stabile internationale Ordnung, die wir seit Langem schätzen, zutiefst erschüttern. Gleichzeitig geben die militärischen Entwicklungen und sonstigen Aktivitäten Chinas, Nordkoreas und Russlands – allesamt Nachbarländer – in Japans Umfeld Anlass zu großer Besorgnis. Angesichts der aktuellen internationalen Lage werden wir eine japanische Diplomatie aufbauen und stärken, die auf der Weltbühne eine wichtige Rolle spielt.« 15 Takaichis Reaktion auf diese»historischen Verschiebungen« bleibt im Rahmen etablierter Denkmuster. Sie stellt die Allianz zwischen den USA und Japan in den Mittelpunkt ihrer Strategie und betont zugleich die Notwendigkeit, multilaterale Sicherheitskonsultationen zu stärken – sowohl zwischen Japan, den USA und der Republik Korea als auch zwischen Japan, den USA und den Philippinen sowie im Rahmen der QuadKooperation zwischen Japan, den USA, Australien und Indien. Zudem erklärte sie, Japan wolle die strategische Erweiterung der Mitgliedschaft im Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership(CPTPP) aktiv vor13 Japanisches Verteidigungsministerium(2025): Summary of Recommendations from the»Expert Panel on Fundamental Reinforcement of Defense Capabilities«, 19. September 2025, https://www.mod.go.jp/j/policy/agenda/meeting/drastic-reinforcement/pdf/siryo06_01_en.pdf. Der komplette Bericht ist auf Japanisch verfügbar unter: https://www.mod.go.jp/j/policy/agenda/meeting/drastic-reinforcement/index.html 14 Diese englische Übersetzung ist vorläufig. Entsprechend ist es möglich, dass der endgültige englische Name der neuen Behörde beispielsweise National Intelligence Secretariat lauten wird und von einem National Intelligence Advisor geleitet wird(analog zum National Security Secretariat unter der Leitung des National Security Advisor). 15 Vgl. Büro der Premierministerin von Japan(2025): Policy Speech by Prime Minister TAKAICHI Sanae to the 219th Session of the Diet, https://japan.kantei.go.jp/104/statement/202510/24shoshinhyomei.html 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
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