Japans Sicherheitspolitik: Zweieinhalb Optionen im Umgang mit China und den USA Sayo Saruta Wirtschaftssanktionen gegen China? Als ich im Herbst 2025 an einem internationa len Workshop in Berlin teilnahm, forderte ein deutscher Bundestagsabgeordneter die Teilnehmenden auf, über Wirtschaftssanktionen gegen China zu debattieren. Es handelte sich nur um eine beiläufige Bemerkung während einer zweitägigen Konferenz, die von den meisten europäischen Teilnehmenden ohne weitere Reaktion hingenommen wurde. Für mich war es jedoch bereits das zweite Mal, dass ich mit dieser Aussage konfrontiert wurde. Drei Jahre zuvor hatte mich, ebenfalls in Berlin, ein Abgeordneter gefragt, in welchen Situationen und in welcher Form Japan Wirtschaftssanktionen gegen China in Betracht ziehen würde. Die anwesenden Expert_innen aus anderen asiatischen Ländern reagierten bei der Frage sichtlich irritiert. Auch ich konnte meine Verwunderung nicht verbergen und antwortete:»China ist Japans größter Handelspartner und macht über 20 Prozent des gesamten japanischen Handels volumens aus. Ich habe in Japan noch nie von einer Debatte über Wirtschaftssanktionen gegen China gehört.« Ich war absolut perplex und erinnere mich, wie ich noch am selben Abend im Hotel den Begriff»Wirtschaftssanktionen gegen China« auf Japanisch im Internet suchte. Damals wie heute gilt: Eine solche Debatte findet in Japan schlichtweg nicht statt, weder in politischen Kreisen noch in OnlineForen. Zwar wird – ähnlich wie in Europa – vereinzelt über eine»Entkopplung«( Decoupling) von China gesprochen; seit dem Amtsantritt von Premierministerin Sanae Takaichi und ihren provokanten Äußerungen gegenüber China hat jedoch ein anderes Problem an Bedeutung gewonnen: die Gefahr chinesischer Exportbeschränkungen für Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe. Diese stellen ein deutlich größeres Problem für Japans Wirtschaft dar, insbesondere für den Rüstungssektor. Europas langsame Abkehr von den USA Beim Workshop in Berlin im Herbst 2025 diskutierten die Teilnehmenden aus Deutschland gemeinsam mit Vertreter_innen aus Europa (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Polen) und Asien(Japan, Südkorea, Indien, Singapur) intensiv über die globale Lage. Für mich bot sich dabei eine seltene Gelegenheit, den Wandel der internationalen Ordnung unmittelbar mitzuerleben. Aus japanischer Sicht waren insbesondere drei Aspekte bemerkenswert. Erstens entstand der Eindruck, dass sich Europa zunehmend von den Vereinigten Staaten distanziert – weniger institutionell als vielmehr Die Veränderungen der wohlfahrtsstaatlichen Parteipolitik 13
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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
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