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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
Entstehung
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tinuitäten einseitig durchzusetzen. Daraus ergibt sich eine komplexe Gemengelage aus strategischen Interessen und historisch ge­­präg­ten Ressentiments. Japans Haltung kann missverstanden werden Europas Fehleinschätzung in Bezug auf Asien und China könnte teilweise darauf zurückzu­führen sein, dass die japanische Regierung häufig den Eindruck erweckt,»für Asien« zu sprechen. Japanische Politiker_innen haben gewarnt, dass das, was die Ukraine heute ist, morgen Ostasien sein könnte. Japans Regie­rung hat ihre militärischen Kapazitäten mit Blick auf China bereits ausgebaut und wirbt gleichzeitig für eine wirtschaftliche Entkopp­lung. Bei der G7 präsentierte sich Japan gegen ­über westlichen Hauptstädten stets als»Stim­me Asiens«. Tatsächlich ist Japan jedoch das proamerikanischste Land der Region und kann daher weder die durchschnittliche Position asi­atischer Regierungen noch die ihrer Bevölke­rungen vertreten. Europas Missverständnis hin­sichtlich der Positionen Chinas und anderer asiatischer Länder könnte daher darauf beru­hen, dass Japan den Anspruch erhebt, Asien zu vertreten oder dass Europa erwartet, dass Japan diese Rolle übernimmt. In den vergangenen Jahren haben viele asia­tische Staaten, vor allem ASEAN-Mitglieder, deutlich gemacht, dass sie weder auf der ­Seite der USA noch auf der Seite Chinas stehen. In einer Umfrage unter Fachleuten und Beamt_innen aus ASEAN-Staaten im Jahr 2025 stimmten nur 6,1 Prozent der Aussage zu, dass die ASEAN-Staaten angesichts der Kon­frontation zwischen den USA und China zwi­schen einer der beiden Großmächte wählen müssten. 30 Auf die Folgefrage, wen die ASEAN-Staaten wählen sollten, wenn sie gezwungen wären, sich zwischen einem dieser strategischen Rivalen zu entscheiden, entfie­len im Jahr 2024 erstmals mehr als 50 Prozent auf China(China: 50,5 Prozent; USA: 49,5 Pro ­zent). 31 2025 lagen die USA wieder leicht vorn. In der neuesten Umfrage vom Frühjahr 2026 liegt China jedoch mit 52 Prozent deutlich vor den USA mit 48 Prozent. 32 Die meisten asiati­schen Regierungen sind offensichtlich weit davon entfernt, sich einheitlich für eine Dis­tanzierung von China ­auszusprechen. Europas Rechte könnte die interna­tionale Ordnung radikal verändern Eine weitere Erkenntnis aus den aktuellen Dis­kussionen ist, dass der Aufstieg der radikalen Rechten in Europa die internationale Politik­landschaft grundlegend verändern könnte. In vielen europäischen Ländern existieren schnell wachsende rechtsextreme und rechtspopulisti­sche Bewegungen. Im Vereinigten Königreich, in Frankreich und in Deutschland könnten ent­sprechende Parteien bei den nächsten Wahlen zur stärksten Kraft werden. Zwar unterscheiden sich die rechten Bewegungen innerhalb Euro­pas voneinander, doch zeigen viele von ihnen Sympathie für Figuren wie Donald Trump, ­sprechen sich gegen die Unterstützung der Ukraine aus und äußern Verständnis für Wladi­mir Putin. Auf der Berliner Konferenz im ver­gangenen Jahr zeigten sich deutsche Parla­mentsabgeordnete sichtlich alarmiert über den rechtsextremen Aufschwung im eigenen Land. Derzeit kämpfen westliche Regierungen mit den Auswirkungen der Trump-Präsidentschaft und betrachten zugleich China und Russland als zentrale Bedrohungen. Sollten jedoch rechtsgerichtete Regierungen in Großbritan­nien, Deutschland oder Frankreich an die 30  Vgl. Seah, S. et al.(2025): The State of Southeast Asia: 2025 Survey Report, ISEAS Yusof Ishak Institute, Singapur, S. 45, https://www.ise­as.edu.sg/wp-content/­uploads/2025/03/The-State-of-SEA-2025-1.pdf. Die Umfrage wird seit 2020 durchgeführt. 31  Vgl. ebd., S. 46. 32  Takeda, K. et al.(2026):»ASEAN survey finds growing doubts over US on trade and security«, in: Nikkei Asia, 7. April 2026, https://asia.nik­kei.com/politics/international-relations/asean-survey-finds-growing-doubts-over-us-on-trade-and-security Japans Sicherheitspolitik 17