ein Gefühl der Orientierungslosigkeit und Unsicherheit verbreitet. Viele europäische Regierungen tendieren daher aktuell zu einer ausgewogeneren Haltung gegenüber China. So schlugen sowohl der deutsche Außenminister Johann Wadephul als auch Bundeskanzler Friedrich Merz bei ihren Besuchen in Peking im Dezember 2025 und Januar 2026 einen betont zurückhal tenden Ton an. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte bei seinem China-Besuch Anfang Dezember 2025 sogar die Hoffnung, dass China als Vermittler im Ukraine-Krieg fungieren könnte. Auch Japan muss diese Veränderungen zur Kenntnis nehmen. Fazit Mit der Nationalen Sicherheitsstrategie von 2025 haben die Vereinigten Staaten die westliche Hemisphäre zu ihrem zentralen Interessengebiet erklärt. Die US-Operation in Venezuela Anfang Januar 2026 bestätigte diese Prioritäten setzung, verdeutlichte aber zugleich die Bereitschaft der Regierung Trump, internationale Gesetze und Normen zu missachten. Der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf Iran kam demgegenüber für viele Beobachter_innen überraschend. Als Bundeskanzler Merz Anfang März 2026 US-Präsident Trump im Weißen Haus besuchte, zeigte sich, wie unzureichend er auf diese neue Ära der geopolitischen Machtpolitik vorbereitet war. Mittelmächte wie Japan und Deutschland verfügen in einem solchen Umfeld nur über begrenzten Einfluss, sofern sie isoliert agieren. Entsprechend wächst die Bedeutung flexibler Koalitionen. Allerdings dürfte es bei neu entstehenden Konfliktfeldern zunehmend schwierig sein, Einigkeit herzustellen. Für die EU wird sich die Frage stellen, ob bestehende Entscheidungsmechanismen wie das Einstimmigkeitsprinzip unter diesen Bedingungen noch tragfähig sind. Regierungen müssen in der Lage sein, schneller und flexibler Koalitionen zu bilden, um auf diplomatische und militärische Krisen zu reagieren. Japan, Europa, Kanada, Australien, Südkorea und die ASEAN-Staaten sollten ihre Fähigkeit stärken, situationsabhängige Koalitionen zu bilden. Diese werden nicht immer dieselben Akteure umfassen; eine eng kooperierende Kerngruppe ist jedoch erforderlich. Das setzt zugleich politische Führung voraus. Mehrere zentrale Staaten müssen als Knotenpunkte der Koalitionsbildung fungieren und in Krisen schnell und effizient Konsultationen einleiten. Insbesondere Europa und Japan sind gefordert, hierfür neue Strategien und Routinen zu entwickeln. Von der Regierung Takaichi ist zunächst jedoch eine weitere Annäherung an die USA zu erwarten. Ihr Wahlsieg im Februar 2026, der auch ihre harte außenpolitische Linie bestätigte, sowie die Fortsetzung der Koalition mit der JIP haben zu einer deutlichen Rechtsverschiebung der japanischen Politik beigetragen. Diese Entwicklung hat zwar populistischen rechten Parteien den Wind aus den Segeln genommen, doch zeigen die Ergebnisse der Unterhauswahl, dass ein erheblicher Teil der japanischen Öffentlichkeit die rechtsgerichtete Agenda der Regierung unterstützt. Es ist daher zu erwarten, dass Takaichi diesen Kurs vorerst fortsetzen wird. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
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