orientiert und stabil zu entwickeln«. 17 Die guten bilateralen Beziehungen erscheinen damit als einer der wenigen stabilen Faktoren in einer sich rasch verändernden Welt. Symbolische Gesten – etwa eine gemeinsame Schlagzeug-Session – trugen zusätzlich dazu bei, ein Bild harmonischer Beziehungen zu vermitteln und lange strittige Themen, insbesondere die Aufarbeitung der japanischen Kolonialherrschaft über Korea, in den Hintergrund zu rücken. Ein potenzieller Konfliktpunkt bleibt jedoch die Nuklearfrage. Am 30. Oktober 2025 kündigte US-Präsident Donald Trump über soziale Medien an, Südkorea werde ein atomgetriebenes U-Boot in Werften in Philadelphia bauen und dafür Zugang zu angereichertem Uran erhalten. Zwei Wochen später folgten weitere Stellungnahmen aus Washington und Seoul, die jedoch zentrale Fragen offen ließen. Während die USA das Engagement der Republik Korea zur Modernisierung und Stärkung der amerikanischen Schiffbauindustrie betonten, hob Seoul die Unterstützung der USA für seine zivilen und militärischen Atomprogramme hervor. Genannt wurden unter anderem die zivile Urananreicherung und die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente für friedliche Zwecke, aber auch Pläne zum Bau atomgetriebener U-Boote. Zudem wurde auf mögliche Lieferungen von Ausgangsbrennstoff durch die USA verwiesen. Die Details dieser Vereinbarung zwischen den USA und Südkorea sind weiterhin unklar; Japan hat bislang keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Gleichwohl haben die Entwicklungen in Südkorea die Debatte um atomare Optionen in Japan befeuert. Auf einer Pressekonferenz erklärte Verteidigungsminister Shinjirō Koizumi, Japan werde sich alle Optionen – einschließlich atomgetriebener U-Boote – offenhalten, um seine Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten zu stärken. 18 Bereits in den vergangenen Jahren wurden Atomwaffen sowohl in der Republik Korea als auch in Japan intensiv diskutiert. Viele südkoreanische Fachleute befürworten Vereinbarungen zur»nuklearen Teilhabe« nach NATO-Vorbild oder die Stationierung taktischer US-Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel, um die Abschreckung gegenüber Nordkorea zu erhöhen. Umfragen zeigen zudem, dass ein erheblicher Teil der südkoreanischen Bevölkerung den Erwerb eigener Atomwaffen unterstützt. Entsprechend stößt die Aussicht auf Zugang zu angereichertem Uran aus den USA bei Abrüstungsbefürworter_innen auf Skepsis. 19 Takaichi hat sich in der Atomwaffenfrage bislang zurückhaltend gezeigt und sich öffentlich nicht zur nuklearen Teilhabe Japans geäußert. Ein entsprechender Vorschlag war erstmals von Shinzō Abe unterbreitet und von seiner Anhängerschaft unterstützt worden. 20 Allerdings sprach sich Takaichi für eine mögliche Überarbeitung der drei nicht-nuklearen Prinzipien – kein Besitz, keine Herstellung und keine Einfuhr von Atomwaffen 21 – aus. Unter bestimmten Umständen könne die Stationierung von US-Atomwaffen auf japanischem Boden demnach ermöglicht werden. Seit ihrem Amtsantritt zeigt sich Takaichi in dieser sensiblen Frage zurückhaltender. Gleichwohl 17 Japanisches Außenministerium(2025): Japan-ROK Summit Meeting, 30. Oktober 2025, https://www.mofa.go.jp/a_o/na/kr/pageite_000001_01350.html; Japanisches Außenministerium(2026): Japan-ROK Summit Meeting(Summary), 13. Januar 2026, https://japan.kantei.go.jp/104/diplomatic/202601/13rok.html 18 Japanisches Verteidigungsministerium(2025): Defense Minister’s Press Briefing, 31. Oktober 2025, https://www.mod.go.jp/j/press/kisha/2025/1031a.html[auf Japanisch]. 19 Vgl. Squassoni, Sharon(2025):»How nuclear submarines could pave the way for nuclear weapons in South Korea«, in: Bulletin of the Atomic Scientists, 12. Dezember 2025, https://thebulletin.org/2025/12/how-nuclear-submarines-could-pave-the-way-for-nuclear-weapons-insouth-korea; vgl. auch die Umfrage des Asan Institute, in denen 76,2 Prozent der Südkoreaner_innen die nukleare Bewaffnung unterstützten, in: Asan Institute(2025):»Asan Poll: ›South Koreans and Their Neighbors 2025‹ Record 76.2% P ublic Support for Nuclear Armament«, 28. April 2025, https://www.asaninst.org/bbs/board.php?bo_table=s3_4_2_eng&wr_id=92&page=1 20 Vgl. Iwama, Yoko(2022):»Time to Think Big: Japan’s Surprising Response to the War in Ukraine«, in: Global Asia, Vol. 17, Nr. 2(Juni 2022), https://www.globalasia.org/v17no2/cover/time-to-think-big-japans-surprising-response-to-the-war-in-ukraine_yoko-iwama 21 Vgl. Japanisches Außenministerium(o. D.): Three Non-Nuclear Principles, https://www.mofa.go.jp/policy/un/disarmament/nnp/index.html 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
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