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Quo vadis, Japan? : Sicherheitspolitik zwischen Washington, Peking - und Europa?
Entstehung
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mental. Während des Workshops entwickelten wir Szenarien für die internationalen Beziehun­gen im Jahr 2035 und variierten dabei Faktoren wie den Ausgang des Krieges in der Ukraine, den Konflikt in Gaza, die Weiterverbreitung von Atomwaffen, den Klimawandel und andere glo­bale Herausforderungen. Eine Annahme blieb jedoch durchgehend konstant und wurde von niemandem vor Ort infrage gestellt: Alle erwar­teten einen deutlichen Rückgang des internati­onalen Engagements der USA, während China immer mehr an Einfluss gewinnen dürfte. In Japan fragen sich viele, ob nach dem Ende der Amtszeit von Donald Trump wieder»Nor­malität« in den USA einkehren wird. Beim Workshop in Berlin gingen hingegen alle davon aus, dass eine solche Rückkehr unwahrschein­lich ist. Als Begründung verwiesen die Teilneh­menden auf das jüngste Verhalten der USA: ­die reduzierte Unterstützung für die Ukraine, die offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechten, Demokratie und Rechts­staatlichkeit, Drohungen gegenüber Verbünde­ten sowie eine vergleichsweise versöhnliche Haltung gegenüber Russland und China. Diese Entwicklungen hätten jegliches Vertrauen in die Führungsrolle Washingtons untergraben. Die amerikanischen Angriffe auf Venezuela im Januar und Iran im März 2026 haben die ­sen Eindruck weiter verstärkt; der Glaube an eine regelbasierte Ordnung hat dadurch erheblichen Schaden genommen. Zwar gilt die militärische Schlagkraft der Vereinigten Staaten mit Blick auf Russland weiterhin als notwendig und als machtpolitische Realität, zugleich ist der Wunsch deutlich spürbar, die Abhängigkeit von Washington zu verringern. Die Bemerkung von EU-Kommissionspräsi­dentin Ursula von der Leyen im April 2025 »der Westen, wie wir ihn kannten, existiert nicht mehr« scheint sich inzwischen zu einer weit verbreiteten Auffassung in euro­päischen Fachkreisen und der Diplomatie entwickelt zu haben. Szenarien für Japans Politik gegenüber den USA Auch in Japan hat sich die Einstellung zu US­Präsident Donald Trump und den USA verän­dert. Grund dafür sind Trumps Haltung zur Ukraine, seine einseitige Zollpolitik sowie seine wiederholten Äußerungen, er sei mit dem Sicherheitsbündnis zwischen Japan und den USA unzufrieden. In einer landesweiten Umfrage vom April 2025, in der gefragt wurde, wie Japans Diplomatie auf die Politik der USA reagieren sollte, ant­worteten 68 Prozent, sie solle so unabhängig wie möglich sein. Lediglich 24 Prozent plädier ­ten für eine möglichst enge Orientierung an den USA. Auf die Frage, ob die USA Japan in einer Krise verteidigen würden, glaubten 77 Prozent nicht daran, während nur 15 Prozent der Ansicht waren, dass die USA Japan im Kri­senfall verteidigen würden. 28 Selbst proameri­kanische Konservative, die das Bündnis zuvor niemals infrage gestellt hatten, argumentieren inzwischen, Japan müsse seine Beziehung zu den Vereinigten Staaten überdenken. Die seit Oktober 2025 amtierende japanische Regierung unter Premierministerin Sanae ­Takaichi bemüht sich, das Bündnis mit den USA aufrechtzuerhalten und zu stärken. Ihrer Ansicht nach hat Japan keine ernstzunehmende Alternative zum amerikanischen Schutzschild. Zugespitzt ließe sich sagen, Japan klammere sich unter Takaichi an Washington. Diesen Ansatz bezeichne ich als Option A für Japans zukünftige Außen- und Sicherheitspolitik. Die japanische Regierung erwägt bereits, ihren Beitrag zu den Kosten für die Stationierung von US-Truppen in Japan zu erhöhen, wie es Washington seit Jahren fordert. Voraussichtlich wird sie auch anderen Forderungen der USA 28  Vgl. Kazuaki, Isoda(2025):»Tai-Bei gaikô,narubeku jiritsu shita ga yoi 68% Asahi yoron chôsa«, in: The Asahi Shinbun, 27. April 2025, S. 8. 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.