Vorwort Rechtsstaat weltweit unter Druck Demokratie und Rechtsstaat stehen vor enormen Herausforderungen. Da sind zunächst die globalen Rahmenbedingungen: Kriege und Konflikte, die vermehrte Betonung des Rechts des Stärkeren in den internationalen Beziehungen und das Erstarken autoritärer und populistischer Kräfte in vielen Ländern weltweit. Gerade Letztere sehen in einer unabhängigen Justiz und einem funktionierenden Rechtsstaat eine potenzielle Gefahr für ihren Machterhalt. Demokratie und Rechtsstaat geraten somit schnell ins politische Fadenkreuz. Und wenn die Rechtsstaatlichkeit in Partnerländern unter Druck steht, hat dies auch Konsequenzen für den deutschen Rechtsstaat. Die Situation in Deutschland Dabei ist die Ausgangssituation für den deutschen Rechtsstaat nicht schlecht. So stellte der Roland Rechtsreport 2024 fest, dass sich das Vertrauen der Bevölkerung in das Rechtssystem und die Polizei weiterhin auf hohem Niveau bewege, auch wenn es zuletzt leicht rückläufig gewesen sei(Roland/IfD-Allensbach 2024: 12). Gleichzeitig nimmt aber eine große Mehrheit der Bevölkerung eine Überlastung der Gerichte wahr(ebd.: 19). Und dass diese öffentliche Wahrnehmung eine entsprechende Wahrnehmung innerhalb der Justiz widerspiegelt, zeigte die Sonderauswertung des Roland Rechtsreports 2023. In ihm wurde auch die Perspektive von Richter_innen und Staatsanwält_innen auf das Justizsystem abgefragt: 78 Prozent der befragten Richter_innen und 92 Prozent der befragten Staatsanwält_innen bewerteten die jeweilige personelle Ausstattung als„eher schlecht“ oder„sehr schlecht“(Roland/IfD-Allensbach 2023: 40 f.). Ein durchaus besorgniserregender Befund. Dies nicht zuletzt deshalb, weil auf das Justizsystem ja absehbar – neben den verschärften globalen Rahmenbedingungen – zusätzliche, sehr spezifische Herausforderungen zukommen. In der Strafjustiz bergen etwa die Entwicklungen bei der Verfolgung organisierter Kriminalität, von Cyber- und Hasskriminalität zunehmende Belastungen. Hinzu kommt eine politische Dynamik, die dafür sorgt, dass eher Straftatbestände ergänzt oder bestehende verschärft werden als überholte Straftatbestände entschärft oder gestrichen. In der Verwaltungsgerichtsbarkeit wiederum sind es aktuell Verfahren in den Bereichen Asyl und Infrastrukturvorhaben, die einen großen Teil der Kapazitäten binden. Ein alter und ein neuer Pakt für den Rechtsstaat Vor diesem Hintergrund haben verschiedene Akteur_innen aus Justiz und Politik nachdrücklich den Bedarf an zusätzlichen Ressourcen für die Justiz in Deutschland formuliert. Schon 2019 hatten Bund und Länder sich ein erstes Mal darauf geeinigt, die Justiz und die Polizei personell besser auszustatten. Zu diesem Zweck schlossen sie einen sogenannten Pakt für den Rechtsstaat, der die Länder einmalig bei der Einrichtung neuer Stellen für die Justiz unterstützen sollte. Dieses Instrument wollte die Ampelkoalition zwar verstetigen, doch hat sie dieses Vorhaben des Koalitionsvertrags nicht umgesetzt. Nach der vorgezogenen Neuwahl Anfang 2025 haben sich CDU/CSU und SPD nun darauf geeinigt, einen neuen Pakt für den Rechtsstaat aufzulegen. Ein Referenzpunkt für die politische Debatte über den Justizhaushalt Angesichts der geschilderten Herausforderungen für den Rechtsstaat ist es begrüßenswert, dass die neue Bundesregierung an dieser Stelle auch mehr finanzielle Ressourcen bereitstellen will. Gleichzeitig fehlt es aber an einer systematischen Auseinandersetzung mit den Bedarfen und der bisherigen Entwicklung der Justizhaushalte. Wie haben sich die Justizhaushalte im Bund und in den Ländern in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entwickelt? Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich bei der Finanzierung des Rechtsstaats da? Und: Was kann man aus dem ersten Pakt für den Rechtsstaat für die zukünftige Stärkung der Justizhaushalte lernen? Dies sind nur einige der Fragen, die uns dazu bewogen haben, die vorliegende explorative Studie zu beauftragen. Sie soll einen Referenzpunkt für die politische Diskussion über die Ausgestaltung des neuen Paktes für den Rechtsstaat bieten und darüber hinaus eine grundlegende Diskussion über die langfristige Finanzierung der Justiz im föderalen Mehrebenensystem anstoßen. Ein neuer Datensatz für die Länderhaushalte und eine deskriptiv-explorative Studie Angesichts der primären Zuständigkeit der Bundesländer für die Justizorganisation ist gerade der Bundesländervergleich von großem Interesse. Im Gegensatz zum europäischen Vergleich der nationalen Justizhaushalte fehlte es Justizhaushalte im Vergleich 3
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Justizhaushalte im Vergleich : Entwicklung, Struktur und Handlungsbedarfe für einen resilienten Rechtsstaat
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