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Transatlantischer Dialog Ausbau der Forschungskooperation zwischen Deutschland/Europa und den USA : eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 21. Oktober 2000, Hannover
Entstehung
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27 Im internationalen Humangenom-Projekt sieht der Referent die extremste Ko­inzidenz von zugleich höchster Intensität von Wettbewerb und Kooperation. Ausdruck dieser Intensität sind die Vereinbarungen, die die beteiligten Wis­senschaftler für den Austausch von genetischer Information getroffen haben, die sogenannten Bermuda-Regeln: entschlüsselte Gensequenzen müssen in­nerhalb eines Tages im Netz publiziert werden. Wer dagegen verstößt, riskiert vom Informationsfluss und dem Austausch z. B. von genetischem Material ausgeschlossen zu werden. Zwischen dem Patentrecht in Europa und in den USA macht der Referent trotz erheblicher internationaler Harmonisierung noch grundlegende Unterschiede aus. Gerade von Wissenschaftlern und Vertretern kleinerer und mittlerer Un­ternehmen in Deutschland würde das Fehlen einer Neuheitsschonfrist im eu­ropäischen Patentrecht beklagt. Anders als in den USA ist es in der EU nicht möglich, ein Patent anzumelden, wenn der Gegenstand des Patents bereits, z. B. in einer wissenschaftlichen Publikation, veröffentlicht worden ist. Wenn die Teilnahme an einem internationalen Netzwerk wie in der Humangenomfor­schung, eine umgehende Publikation voraussetzt, so entstehen für europäi­sche Wissenschaftler Probleme, die eine Neuheitsschonfrist lösen würde. Die Bundesregierung setzt sich auf europäischer Ebene aktiv für die Beseitigung dieses Standortnachteils ein. 3. Ausgewählte Beispiele für Kooperationen Kooperation in Hochschulausbildung und Forschung 3.1 Transatlantische Forschungskooperation der Universität Göttingen Der Vertreter der Universität Göttingen stellt den aktuellen Stand der transat­lantischen Forschungskooperation am Beispiel dieser Universität dar und er­läutert im Speziellen die beiden neu eingerichteten internationalen Studi­engänge für"Molecular Biology" und"Neurosciences". An der Georg-August-Universität waren im Wintersemester 1999/2000 84 Stu­dierende aus den USA eingeschrieben. Vor 10 Jahren lag diese Zahl mit 120 Studierenden um etwa 40 Prozent höher. Die Anzahl der Studierenden aus den USA hat- im Gegensatz zur Zahl der"Bildungsausländer"- relativ und absolut kontinuierlich abgenommen. Derzeit studieren an der Georg-August­Universität 1798 Bildungsausländer, gegenüber 1325 vor zehn Jahren. Der relative Anteil der Studierenden aus den USA an der Gesamtzahl der Bil­dungsausländer hat sich in den vergangenen zehn Jahren also nahezu hal-