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Transatlantischer Dialog Ausbau der Forschungskooperation zwischen Deutschland/Europa und den USA : eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 21. Oktober 2000, Hannover
Entstehung
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44 Doch auch hier greift die Politik zum Bedauern des Referenten ein. Seit das Schaf Dolly in England geklont wurde und damit die Fähigkeit, ein Säugetier und Stammzellen zu klonen, offensichtlich wurde, werde auch in den USA sei­tens der Bundesregierung die Stammzellforschung reguliert. Seitdem existiere auch in den USA eine Kontroverse über die Nutzung von Fötuszellen und er­wachsenen Stammzellen. Ethische Dilemmata würden deutlich, doch auch wenn die Regierung diese Art von Forschung nicht mehr finanziert, geht der Referent davon aus, dass Biotechnologieunternehmen in diesem Bereich wei­ter forschen werden und die Wissenschaft nicht aufzuhalten sei. 4. Ausblick und Kommentar: Kooperation auf gleicher Augenhöhe als notwendige Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit Technologieführerschaft, Eliteuniversitäten, Spitzenforschung- so oder ähnlich lauten Begriffe, die eine schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte Vorbildfunktion der USA in Bezug auf Wissenschaft und Forschung kenn­zeichnen. 13 Gleichwohl reicht das Spektrum seriöser Einschätzungen über die Situation von Forschung und Bildung in den USA auch bis zum glatten Gegen­teil. 14 Ähnlich ergeht es dem interessierten Analytiker auch mit den Einschätzungen deutscher Experten in Bezug auf hiesige Zustände. Von Bildungsnotstand ist die Rede, oft in einem Atemzug mit dem Stolz auf ein enormes geistiges Po­tential der Forschenden, das weltweit kaum seinesgleichen finde. 15 Vollends schwierig wird es, wenn die Bandbreite positiver bis negativer Einschätzungen der eigenen Situation im Blick über den Atlantik reflektiert wird. Ein Beispiel dafür: Der Glanz, der von deutschen Universitäten seit dem Zeit­alter der Aufklärung ausging, lässt leicht vergessen, dass beispielsweise die bereits 1636 gegründete Harvard University eine längere Tradition hat als so 13 Vgl. hierzu Adolf v. Harnack(1910):"Dennoch steht heute, am Anfang des 20. Jahrhunderts, die deutsche Wissenschaft, vor allem die naturwissenschaftliche, in einer Notlage, die nicht vertuscht werden darf. Zwar ist es eine Übertreibung, wenn jüngst von einem Hochschullehrer rund behauptet worden ist, die deutsche Wis­senschaft sei bereits(namentlich von der amerikanischen) überflügelt, und ihre Universitäten ständen nicht mehr an der Spitze; wahr ist aber, dass die deutsche Wissenschaft auf wichtigen Linien der Naturforschung hinter der anderer Länder zurückzubleiben beginnt oder in Gefahr steht." zitiert nach Schulze W.(2000) For­schung in der Hand des Staates- Deutsche Erfahrungen im 20. Jahrhundert. http://www.berlinews.de/archiv/1448.shtml 14 Es sei nur an die durchaus substantiellen Betrachtungen von Paul Kennedy zum Thema in seinem Werk"Auf­stieg und Fall der großen Mächte" erinnert: Dt. Erstausgabe Frankfurt, 1989. Wiederauflage Dez. 2000 im Fi­scher Taschenbuch Verlag. 15 Vgl. etwa"Basic Research in Japan and Germany- Similarities and Differences, Current Problems and Ten­dencies"(1997) Gemeinsames Symposium der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Japan Society for the Promotion of Science, Hrsg.: JSPS Liaison Office Bonn.