kannten Repräsentanten der europäischen Gewerkschaften und zum privilegierten Gesprächspartner von EG-Gremien, vor allem von Kommission und Parlament, aufgestiegen ist. Einer gemeinsamen Forschergruppe der Universität Amsterdam und des Europäischen Hochschulinstitutes in Florenz zufolge ist der EGB „ the one and only voice of Labour in Western Europe"; zitiert wird ferner ein hochrangiger Gewerkschafter, demzufolge die Reform von 1991 den EGB weiter auf den Weg brachte „ from a co-ordination body between national centers into a supra-national organisation". Die Entwicklung des EGB zu einem bedeutenden Vertreter gewerkschaftlicher Interessen ist eine eindrucksvolle Bestätigung dafür, daß der Prozeß der europäischen Integration den gewerkschaftlichen Einigungsprozeß vorangebracht hat. Die in einzelnen Ländern- Großbritannien oder Deutschland- beobachtbaren Tendenzen, Großgewerkschaften oder „ superunions" zu etablieren, können als Reaktion auf die Herausbildung eines europäischen Wirtschaftsraumes verstanden werden. Auch zeigt sich, daß in Ländern mit schwachen nationalen Gewerkschaftsbewegungen viele Hoffnungen auf Europa und gewerkschaftlichen Internationalismus gerichtet sind. Die frühere Dreiteilung der europäischen Gewerkschaftsszene in einen sozialdemokratisch orientierten EGB, einen christlich verankerten „ Weltverband der Arbeitnehmer" und einen kommunistisch beherrschten „ Weltgewerkschaftsbund" hat sich nahezu komplett zugunsten der sozialdemokratischen Richtung aufgelöst. Die einzig nennenswerte gewerkschaftliche Organisation, die noch immer außerhalb des EGB-Netzwerkes arbeitet, ist die französische CGT mit bekannt kommunistischem Zuschnitt. Alle anderen großen Gewerkschaften aus dem christlichen wie dem sozialistisch-kommunistischen Lager haben sich schon längst aus ihren alten Verbandsloyalitäten gelöst und sind heute Mitglieder im EGB. Von Interesse ist auch, daß die mit dem DGB konkurrierende Deutsche Angestellten Gewerkschaft ( DAG) gleichberechtigtes Mitglied im EGB Reihe Eurokolleg 21(1992) geworden ist. Auch auf der Ebene der Branchen können wir vergleichbare Zentralisierungsprozesse zugunsten der traditionellen gewerkschaftlichen Mitte beobachten. Diese Entwicklungsrichtung von den äußeren Rändern auf die sozialdemokratisch dominierte Mitte spiegelt einerseits die tiefgreifenden Säkularisierungstendenzen wider, denen gleichermaßen die christlichen wie die kommunistischen(Gewerkschafts) „ Kirchen" Tribut zollen mußten, andererseits aber auch die Fähigkeit der gewerkschaftlichen Mitte, programmatische Bestandteile der ehemaligen Konkurrenzverbände aufzunehmen. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die Verbindung der sozialistischen Idee der Gegenmacht mit dem aus der katholischen Soziallehre stammenden Gedanken sozialpartnerschaftlicher Mitbestimmung. Man kann in dieser Entwicklung auch eine Parellele zu ähnlichen Vorgängen in verschiedenen Ländern sehen: Der Wechsel von einem gegnerbezogenen Militanzmodell, das nicht nur gegen die Arbeitgeber sondern auch gegen die Konkurrenzgewerkschaften gerichtet war, zu einem Kooperations- und Toleranzmodell, hat die gemäßigten Gewerkschaftsrichtungen gestärkt und gemeinschaftsweit den EGB zu einer allein vertretenden Interesseninstanz wachsen lassen. Ähnlich wie der DGB auf nationaler Ebene, so verfügt der EGB auf europäischer Ebene über ein „ associational monopoly", weil alle relevanten Organisationen von ihm erfaßt werden. Dieser gewerkschaftliche Verdichtungsprozeß ist zudem von EG-spezifischen Kräften in die Wege geleitet worden. Zum einen dulden die EG-Instanzen keine Teilrepräsentanten der Arbeitnehmer, sondern bevorzugen einen gesamtrepräsentativen Partner. Zum anderen hat die Dynamik des europäischen Integrationsprozesses zu manchen Problemkonvergenzen und zu vielen neuartigen Gemeinschaftsproblemen geführt, die eine supranational abgestimmte Reaktion der Gewerkschaften verlangen. Der EGB hat erfolgreich die Rolle eines Euro-Vermittlers zwischen nationalen Gewerkschaften übernommen und ist zum wegwei11
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Soziale Demokratie als gewerkschaftliche Perspektive in Europa : ein Plädoyer
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