senden Dienstleister für gewerkschaftliche Konvergenz in Europa geworden. Nach und nach erweitert sich das Netz gewerkschaftlicher Euro-Dienste: Der EGB selbst hat eine Aufwertung durch die nationalen Mitgliedsverbände erfahren. Zudem ist eine institutionelle Verzahnung mit den europäischen Branchenverbänden erreicht worden. Das „ Europäische Gewerkschafts-Institut (EGI)" spielt eine wichtige Rolle dadurch, daß es die gewerkschaftlichen Euro-Praktiker mit Expertisen versorgt, Informationsmaterial europaweit vertreibt, und engen Kontakt mit Wissenschaftlern hält. Die „ Europäische Gewerkschafts-Akademie (EGA)" ist beständig dabei, ihr Lehr- und Bildungsangebot zu erweitern. Das „ Europäische Technikbüro(TGB)" und der „ Verband für die Ausbildung von Arbeitnehmern in neuen Technologien(AFETT)" runden bislang das gewerkschaftliche Dienstleistungsnetz in Brüssel ab. Daß mit Blick auf die Europäische Sozialunion deutliche Fortschritte erstritten wurden, ist hauptsächlich dem EGB zu verdanken. Er gleicht aus, was infolge des Verharrens vieler Einzelgewerkschaften in den nationalen Wagenburgen ihrer Heimatländer an europäischen Gestaltungsmöglichkeiten sträflich verschleudert wird. In Ländern mit dominierenden Branchengewerkschaften- wie etwa Deutschland- wird man anerkennen müssen, daß man gegenwärtig auf der europäischen Bühne lediglich eine Nebenrolle spielt. Große Branchengewerkschaften beginnen zu begreifen, daß in Sachen Europa die strategischen Kompetenzen bislang beim übergeordneten Dachverband und die operationale Durchführung bei den sektoralen Gewerkschaften liegen. Nicht umsonst spricht die IG Metall vom „ Tripartismus zwischen der EG-Kommission und den europäischen Dachverbänden der Arbeitgeber 12 und der Gewerkschaften". Mit Blick auf die durch Maastricht erweiterten Rechte spricht die IG Metall von einem „ neuen Anreiz" der Gewerkschaften, ihre Zusammenarbeit im Binnenmarkt zu überprüfen: „ Wenn sie das Instrumentarium nutzen wollen, müssen sie ihre Entscheidungsstrukturen stärker auf Europa ausrichten." Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß der Aufbau wirkungsvoller und kompetenter Branchengewerkschaften auf europäischer Ebene auf der Tagesordnung steht und eine abgestimmte Form arbeitsteiliger Interessenvertretung zwischen ihnen und dem EGB gefunden werden muß. Eine solche Entwicklung ist unumgänglich, wenn die Gewerkschaften ihr Ziel verwirklichen wollen, Kollektivverhandlungen auf Gemeinschaftsebene zu führen: „ Davon", so die IG Metall, „ sind die Gewerkschaften ein Jahr vor Inkrafttreten des Binnenmarktes noch weit entfernt." Europäische Tarifpolitik in einer mit nationalen Tarifverträgen vergleichbaren Weise wird es noch lange nicht geben. Die Entwicklungsstufen zwischen den nationalen Volkswirtschaften der EG-Mitgliedsstaaten sind noch so weit von einander entfernt, daß etwa eine gemeinschaftsweite Lohnpolitik auf absehbare Zeit nicht machbar ist. Unterschiede und auch Gegensätze in den Interessenlagen werden sich erst in einem längeren Angleichungsprozeß einebnen. Denkbar ist, daß auf der Basis abgestimmter tarifpolitischer Ziele der EGB oder auch die europäischen Branchenverbände so etwas wie Plattform-Tarifverträge mit den europäischen Arbeitgebern abschließen. Vorformen solcher Plattformverträge können in gemeinsamen Stellungnahmen von EGB und UNICE(Union of Industrial and Employers' Confederations of Europe) gesehen werden. Plattform-Tarifverträge könnten gegenstandsspezifische Grundsätze, Verfahrensregeln und Entwicklungstendenzen festschreiben, die dann gemäß dem von beiden Tarifparteien unterstützten Subsidiaritätsprinzip auf dezentralen Ebenen konkretisiert und mit den je gegebenen Bedingungen in Einklang gebracht werden. Reihe Eurokolleg 21 (1992)
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Soziale Demokratie als gewerkschaftliche Perspektive in Europa : ein Plädoyer
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