Christian Henkes Integration und kulturelle Vielfalt: Eine Herausforderung für die Soziale Demokratie? Theoretische Grundlagen: Gesellschaftliche Integration von Zuwanderern Bei Zuwanderung kommt es zu Interaktionen zwischen den Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft und den Zuwanderern. Ebenso beeinflussen die Institutionen der Aufnahmegesellschaft diese Prozesse. Seit den 1920er Jahren war dies Gegenstand der Sozialforschung, besonders die Entwicklungen in den klassischen Einwanderungsländern wie den USA, Kanada oder Australien. Im Mittelpunkt standen dabei die individuellen Anpassungsprozesse der Migranten. Neben den Überlegungen von R. Taft(1953) und S. Eisenstadt(1954) waren die Forschungen von M. Gordon(1964) zentral. Er beschäftigte sich mit der Assimilation von Immigranten in die amerikanische Gesellschaft. Assimilation wird hier als die individuelle umfassende Eingliederung des Zuwanderers in die Aufnahmegesellschaft mit dem Bezugspunkt einer zu identifizierenden Kerngruppe verstanden. Assimilation: Ein Prozess mit verschiedenen Teilbereichen Ohne auf alle Erkenntnisse dieser Arbeiten einzugehen, sollen hier zwei Aspekte genannt werden, die auch noch für heutige Politik relevant ist. Zum einen unterschied Gordon die Eingliederung in deutlich zu differenzierende Unterprozesse 4 , die sich zwar gegenseitig bedingen, im Grunde aber zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Damit ist zweitens auch eine unvollständige Assimilation der Zuwanderer in die Aufnahmegesellschaft möglich, also eine Assimilation in nur einigen Teilbereichen. Zu einer Änderung der kulturellen Verhaltensweisen im Alltagsleben komme es seiner Meinung nach aber in jedem Fall. Im deutschsprachigen Raum wurde diese Überlegung von Hartmut Esser aufgenommen und in einem handlungstheoretischen Ansatz, einem Theorieansatz, der soziales Handeln in den Mittelpunkt stellt, weiterentwickelt(Esser 1980). Er unterscheidet im Prozess der Integration(verstanden als Entstehung eines gemeinsamen Ganzen aus unterschiedlichen Teilen) vier unterschiedliche Aspekte, die jeweils unterschiedlichen Handlungen der Migranten in der Aufnahmegesellschaft umfassen. 4 Er unterscheidet sieben unterschiedliche Assimilationsprozesse: kulturell(Änderung der kulturellen Verhaltensweisen); strukturell(Umfassende Beteiligung an Primärgruppen-Beziehungen); identifikational(Entwicklung des Gefühls der nationalen Zugehörigkeit); zivil(Abwesenheit von Wert- und Machtkonflikten); ‚marital’(Entstehung interethnischer Heiratsmuster); Einstellungs- und Verhaltensveränderung. www.fes-online-akademie.de Seite 6 von 26
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Integration und kulturelle Vielfalt : eine Herausforderung für die Soziale Demokratie?
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