Druckschrift 
Integration und kulturelle Vielfalt : eine Herausforderung für die Soziale Demokratie?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Christian Henkes Integration und kulturelle Vielfalt: Eine Herausforderung für die Soziale Demokratie? An dieser Form der Modellbildung kann Kritik geübt werden(so z.B. Sackmann 2004: 174; Joppke 2007). So wurde unterstellt, bestimmte Eigenschaften würden überzeichnet und es sei mittlerweile zwischen den Ländern eine konvergente Entwicklung zu sehen(Hansen/Weil 2001; Heck­mann/Schnapper 2003). Nichtsdestotrotz haben diese Modelle immer noch eine gewisse Erklä­rungskraft für die Ausrichtung nationaler Integrationspolitik(Koopmans et al. 2005: 31 ff.). 6. Herausforderungen einer spezifischen Integrationspolitik in unterschiedlichen Integra­tionsdimensionen Die Kritik an solchen allzu holzschnittartigen Modellen, die die gesamte Bürgerschafts- und Integrationspolitik eines Landes unter einem Leitbild fassen will, sowie der Fakt, dass sich die In­tegrationsprozesse der Individuen in unterschiedlichen Dimensionen vollziehen, spricht dafür, die jeweilige Integrationspolitik von Staaten anhand unterschiedlicher Dimensionen zu unterteilen. Ein solches Raster geht von der Annahme aus, dass Zuwanderer dann als integriert in eine Gesell­schaft gelten können, wenn sie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Dimensionen als gleichbe­rechtigte Bürger eingebunden sind. Nach den verschiedenen Vorüberlegungen stellt sich nun die Frage, auf welche Herauforderungen eine spezifische Integrationspolitik der Sozialen Demokratie konkret reagieren muss und welcher Instrumente sie sich dabei bedienen kann. Verschiedene Dimensionen der Integration Ein solches Vorgehen bezieht sich auf ein Bürgerbild, das dem Bürgerschaftsverständnis von Tho­mas H. Marshall(1992[1949]) entspricht. Marshall sah die Gewährleistung der Integration aller Bürger dann als gegeben, wenn diese an allen materiellen und kulturellen Ressourcen einer Gesell­schaft gleichberechtigt teilhaben können. Das betrifft auch Rechte auf Ressourcen außerhalb der politischen Sphäre. Wichtigstes Instrument hierfür sind politische, bürgerliche und auch soziale Rechte, die dies gewährleisten. Unabhängig von der Diskussion, ob diese klassische Trias im Zeitalter kultureller Heterogenität durch kulturelle Rechte erweitert werden müsste, entspricht dies den Grundgedanken Sozialer Demokratie: Der Bürgerstatus erschöpft sich nicht in der politisch-formalen Gleichheit der Staatsbürger, sondern setzt eine faktische Einbindung auch in sozialen Dimensionen voraus. www.fes-online-akademie.de Seite 14 von 26