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Integration und kulturelle Vielfalt : eine Herausforderung für die Soziale Demokratie?
Entstehung
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Christian Henkes Integration und kulturelle Vielfalt: Eine Herausforderung für die Soziale Demokratie? 4. Normative Konzepte für den Umgang mit kultureller Differenz Innerhalb der politischen Philosophie findet seit circa zwei Jahrzehnten eine lebhafte Debatte über den Stellenwert statt, den kulturelle Differenz für eine rechtsstaatliche Demokratie hat(vgl.: Kymli­cka 2001: 17 ff.). Entwickelt hat sich diese Debatte aus dem angelsächsischen Liberalismus­Kommunitarismus-Streit(als Überblick: Honneth 1993). 5 Im Anschluss an die von John Rawls dargelegteTheorie der Gerechtigkeit(1998[1971]) entfalte­te sich dieser Streit an der Frage, ob neben den liberalen Prozeduren(wie z.B. demokratische Wah­len oder politische und bürgerliche Rechte) weitere ethische Normen und Werte für eine liberale Gesellschaft und ihren politischen Zusammenhalt notwendig seien. 6 Eine Förderung solcher ge­meinschaftsstiftender Werte hielten die sogenannten Kommunitaristen für moralisch legitim. Recht bald gerieten zwei Fragestellungen in den Fokus: Erstens wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht auch gemeinsam geteilte kulturelle Eigenschaften zum Zusammenhalt einer Gesellschaft bei­tragen können und wie diese möglicherweise moralisch legitim zu fördern seien. Zweitens ging es um die Bedeutungkultureller Differenz als Kriterium für Gerechtigkeitstheorien und die jeweili­gen Umverteilungsmechanismen. Gerechtigkeitstheorien beinhalten in der Regel Kriterien für moralisch gebotene Umverteilun­gen. Auch wenn sich diese meist auf sozio-ökonomische Bedingungen beziehen(vgl.: Kymlicka 1997), ergab sich die Frage, ob sich diese Regeln auch auf ethnische oder kulturelle Differenz anwenden ließen(vgl.: Fraser/Honneth 2003). Sind ethnische Eigenschaften tatsächlich verantwortlich für eine sozio-ökonomische Schlechterstel­lung, so ist dies denkbar. Allerdings ist es selbst bei sozio-ökonomischer Gleichheit denkbar, dass die gesellschaftlichen Strukturen unterschiedliche Chancen und Möglichkeiten zur Teilhabe für Bürger unterschiedlicher kultureller Identität eröffnen, d.h. besonders Mehrheitsangehörige bevor­zugen. 5 Der BegriffKommunitarismus ergibt sich aus der moralischen Bedeutung, den Vertreter dieser Position der Ge­meinschaft in Bezug auf die Individuen einräumen. 6 Liberalismus wird hier als moralphilosophisches Konzept verwendet und dient ausdrücklich nicht zur Bezeichnung politischer Ideologien oder Parteien. So hat z.B. sozialdemokratische Programmatik viele Schnittmengen mit dem ge­nannten moralphilosophischen Liberalismus. www.fes-online-akademie.de Seite 8 von 26