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Integration und kulturelle Vielfalt : eine Herausforderung für die Soziale Demokratie?
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Christian Henkes Integration und kulturelle Vielfalt: Eine Herausforderung für die Soziale Demokratie? Vier normative Ansätze Es stellt sich also das Problem, ob und wie die unterschiedlichen kulturellen Eigenschaften öffent­lich gleichbehandelt werden können. Hinsichtlich dieser Frage lassen sich vier unterschiedliche normative Positionen für den Umgang mit der kulturellen Identität der Individuen bzw. Bürger er­kennen. Zwei lassen sich dem kommunitaristischen, zwei dem liberalen Ansatz zuordnen. (1) Kommunitaristen, die der Gemeinschaft der Nation eine besondere Bedeutung zumessen, weil dadurch die Identität der Bürger maßgeblich gefestigt wird und die notwendigen gemeinschaftli­chen Solidaritätsressourcen erzeugt werden, stehen einer öffentlichen Anerkennung anderer Grup­penidentitäten als der der nationalen Mehrheitsgruppe kritisch gegenüber(vgl.: MacIntyre 1995). Dies spalte nur die Nation und steigere die Loyalitätskonflikte. Ziel dürfe nicht die Anerkennung von Differenz, sondern die Assimilation in die gemeinsame nationale Kultur sein. (2) Dem stehen kommunitaristische Ansätze gegenüber, die es aufgrund der zentralen Bedeutung der kulturellen Gruppenzugehörigkeit für die Identität des Einzelnen für moralisch geboten halten, dass diese Gruppenzugehörigkeit auch im öffentlichen Raum anerkannt werden. Gruppen werden eigenständige moralische Rechte zugestanden, diese treten gewissermaßen neben die Rechte von Individuen(vgl.: Van Dyke 1982; Taylor 1997[1992]). Aufgrund dieser Bedeutung von Gruppen sei es auch hinzunehmen, dass es zu einem pluralistischen Nebeneinander ohne größeren Kontakt zwischen ethnischen Gruppen in einer Gesellschaft kommt. Problematisch ist bei diesem Ansatz vor allem die Idee, Rechte von Individuen möglicherweise zum Wohle der Gruppe einzuschränken. 7 (3) Besonders dagegen positioniert sich eine strikt liberale Sichtweise(z.B. Barry 2001). Zwar wird zugestanden, dass ethnische und religiöse Eigenschaften durchaus eine Bedeutung für die individu­elle Identität haben, diese dürften aber für die Beachtung als Gleiche keine Rolle spielen. Kollektive hätten keinen moralischen Anspruch auf entsprechende Rechte, die Individuen müssten vielmehr nur universalistisch als Bürger anerkannt werden. Ähnlich wie die staatsrechtliche Trennung von Religion und Politik sollen auch ethnische, kulturel­le und religiöse Differenzen der Individuen keine Rolle mehr für die politische Sphäre spielen. Der 7 Besonders Autoren, die sich mit der Rolle von Frauen innerhalb kultureller Gruppen beschäftigen, thematisieren diese Problematik(siehe z.B. Okin 1999; Shachar 2001). www.fes-online-akademie.de Seite 9 von 26