7 lebte aber auch in einer Gruppe- einem Raum, einer Baracke, einer Arbeitseinheit- und war durchaus den Gruppenzwängen und ihren unausweichlichen Anpassungsritualen ausgeliefert. So stießen also im Nazi-KZ zwei Hauptgruppen mit ihren jeweils starken eigenen Zwängen aufeinander: die Mächtigen und die Ohnmächtigen. Die Verbrecher und ihre Opfer. Es gab ein ständiges Aufeinanderprallen. Meistens mit Todesfolge oder totaler, lebensfeindlicher Entwürdigung. Manchmal aber ereignete sich beim unvermeidlichen Aufeinanderprallen von Angehörigen der beiden Gruppen ein Moment, der zum Überleben eines Opfers führte. Wo große Menschengruppen beisammen sind, ist auch ein Sammelsurium unterschiedlicher Charaktere beisammen. So kann es geschehen, dass beim total lebensfeindlichen Aufeinandertreffen zweier Charaktere eine Konstellation entsteht, die nicht den sofortigen Tod, sondern Lebens-Elemente enthält. Willkürlich? Unwillkürlich? Bewusst? Unbewusst? Oder gar beiderseitig zweckgerichtet? Im Folgenden soll davon die Rede sein, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen die Hölle überlebten. Brot und Suppe „Der SS-Mann hat mich beim Klauen erwischt“, erzählte Rita (*1). Eigentlich war ihr speiübel gewesen. Denn sie hatte kurz zuvor die„tierische Freude“ zweier SS-Aufseherinnen beobachten müssen, die ein paar magere, apathische jüdische Gefangene
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Rettende Augenblicke : Überleben im Nazi-KZ
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