Druckschrift 
Rettende Augenblicke : Überleben im Nazi-KZ
Einzelbild herunterladen
 

28 Die Brüder David und Andrej trafen sich erst viele Monate später- als der Krieg zuende war und sie alle sich irgendwie durchschlagen mussten- in ihrem Heimatort wieder. David hielt sich als Schneider, Andrej als Elektriker mühsam über Wasser. Es war die Zwischenstation einer sehr langen, abenteuerlichen Wanderschaft. Nach Jahren in Israel landete Andrej schließlich als Emigrant in den USA, wo er auch David wieder traf. Beide versuchten, den ehemaligen SS-Offizier, Herrn Kupferroth, zu finden, um sich bei ihm für die Lebensrettung zu bedanken. Die Suche blieb erfolglos. Lebte er nicht mehr? frag­ten sich die Brüder. Andere meinen, selbst wenn er damals noch gelebt und von der Suche erfahren hätte, hätte er sich mögli­cherweise absichtlich nicht gemeldet. Mag sein, dass seine Ver­strickung in den Nazi- und SS-Apparat letztlich sein Gewissen doch so stark belastete, dass er glaubte, es nicht wagen zu kön­nen, sich bei David zu melden. Die rosa Wolljacke Als Gerda(*17) im August 1944 mit ihren Eltern aus dem Ghet­to Litzmannstadt(Lodz) nach Auschwitz-Birkenau transportiert wurde, war sie 18 Jahre alt. Obgleich von Natur aus mit einem ­wie sie selber sagt-eher positiven Blick auf das Leben aus­gestattet, war ihr letztendliches Überleben alles andere als vor­hersehbar. Es führte über fürchterliche Erkrankungen und Pha­sen totaler Lebensschwäche, Lebensunlust, Todesbereitschaft. Sie selber sagt, sie habe ihr Überleben ihrer Mutter zu verdan­ken; und in der Tat war es wohl ihr allergrößtes Glück, dass es Mutter und Tochter gelang, zusammenzubleiben.