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Frühe Ungleichheiten : Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive
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KURZZUSAMMENFASSUNG Der Ausbau der frühen Bildung und Betreuung in der Kin­dertagesbetreuung(Kita) gilt als wichtige Maßnahme, um allen Kindern unabhängig von ihrem familialen Hinter­grund gleiche Chancen auf eine gute Entwicklung und die Entfaltung ihrer Potenziale zu ermöglichen. Dies erscheint besonders dringlich, da sich zum einen bereits vor dem Schuleintritt große Ungleichheiten in der kindlichen Ent­wicklung nach familialem Hintergrund ausprägen. Zum anderen trägt der Ausbau der frühen Bildung und Betreu­ung dazu bei, die Erwerbstätigkeit von Müttern zu erhö­hen, das Familieneinkommen zu steigern und damit kurz­fristig Kinderarmut und ihre negativen Konsequenzen auf die kindliche Entwicklung zu verringern sowie langfristig Altersarmut vorzubeugen. Hinzu kommen positive Effekte auf andere gleichstellungspolitische Ziele. Diese Studie stellt aktuelle Befunde zu Unterschieden in der Nutzung und den Bedarfen nach Angeboten der Kindertagesbetreuung nach familialen Merkmalen dar. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf potenziell benach­teiligten Familien: Familien, die armutsgefährdet sind, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, die keinen akademischen Hintergrund aufweisen oder auch Familien mit alleinerziehenden Elternteilen. Diese soge­nannten Kita-Gaps werden detailliert über das Alter der Kinder hinweg untersucht. Weiterhin wird untersucht, ob Familien, die mehrere Merkmale potenziell benachteilig­ter Gruppen erfüllen, besonders große Nutzungsunter­schiede und ungedeckte Bedarfe aufweisen. Ebenso werden regionale Unterschiede in Kita-Gaps dokumentiert. Es wird außerdem der Frage nachgegangen, inwiefern müt­terliche Erwerbsabsichten aufgrund von ungedeckten Ki­ta-Bedarfen nicht realisiert werden können. Schließlich werden systematisch Gründe für einen ungleichen Kita­Zugang, auf der Nachfrage- und Angebotsseite, unter­sucht. Die neuen Analysen basieren auf Daten der Kinder­betreuungsstudie(KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) für die Jahre 2018 bis 2020. Die Analysen zeigen, dass es nach wie vor stark ausge­prägte Ungleichheiten in der Kita-Nutzung nach familia­len Merkmalen gibt. Diese Unterschiede sind im zweiten und dritten Lebensjahr der Kinder am größten, zeigen sich aber teilweise bis zum Schuleintritt. Kinder aus Familien, die armutsgefährdet sind, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird oder in denen Eltern keinen aka­demischen Hintergrund aufweisen, besuchen insbesondere im Alter zwischen ein und unter drei Jahren, aber teilweise auch darüber hinaus, deutlich seltener eine Kita als andere Kinder. Insgesamt nutzen fünf von zehn Kindern im Alter zwischen ein und unter drei Jahren einen Kita-Platz. In armutsgefährdeten Familien sind es mit 26 Prozent nur halb so viele. In Familien, die überwiegend kein Deutsch sprechen, sind es nur drei von zehn Kindern, in Familien ohne akademischen Hintergrund vier von zehn Kindern. Die geringere Kita-Nutzung von potenziell benachtei­ligten Familien kann allerdings kaum auf einen geringeren Bedarf zurückgeführt werden. Stattdessen werden beste­hende Kita-Bedarfe dieser Familien vor allem seltener gedeckt. Dadurch entstehen höhere ungedeckte Bedarfe vor allen in jenen Familien, in denen nach aktuellen bil­dungsökonomischen Studien Kinder besonders von einem Kita-Besuch profitieren könnten. Die ungedeckten Kita­Bedarfe sind im zweiten und dritten Lebensjahr von Kindern am größten, zeigen sich aber teilweise bis zum Schuleintritt: Während insgesamt 21 Prozent aller Familien mit Kindern zwischen ein und unter drei Jahren sich einen Kita-Platz wünschen, ihn aber nicht bekommen haben, sind es 25 Prozent der Familien ohne akademischen Hin­tergrund, 33 Prozent der armutsgefährdeten Familien und 39 Prozent der Familien, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird. Auch Familien, in denen die Mutter nicht erwerbstätig ist, weisen mit 31 Prozent ver­gleichsweise hohe ungedeckte Bedarfe auf. Kinder von Al­leinerziehenden nutzen Kitas zwar häufiger, dennoch sind die Bedarfe von Alleinerziehenden im Alter zwischen ein und unter drei Jahren auch deutlich höher. Etwa 27 Pro­zent der Alleinerziehenden weisen einen ungedeckten Ki­ta-Bedarf auf, deutlich häufiger als in Paarfamilien. Wei­sen Familien mehrere Merkmale auf, die auf eine poten­zielle Benachteiligung schließen lassen, sind die genannten Unterschiede in den ungedeckten Bedarfen noch einmal stärker ausgeprägt. Diese Befunde bestehen, obwohl bil­dungs- und familienpolitische Maßnahmen wie die Aus­weitung des Rechtsanspruchs ab dem zweiten Lebensjahr eines Kindes darauf abzielten, auch eine gleichberechtigte­re Teilhabe aller Kinder an einer frühen Bildung und Be­treuung in Kitas zu gewährleisten. Die Analyse legt auch dar, dass bei Eltern, die Kitas nutzen, nennenswerte ungedeckte Stundenbedarfe beste­hen. Gleichermaßen berichtet ein substanzieller Anteil an­derer Eltern Kitas für mehr Stunden gebucht zu haben als benötigt. Ungedeckte Stundenbedarfe und Überbuchun­gen unterscheiden sich allerdings kaum nach sozioöko­nomischen und soziodemografischen Merkmalen der Familien. Unterschiede in Kita-Nutzung und ungedeckten-Be­darfen nach familialen Merkmalen sind regional sehr un­terschiedlich ausgeprägt, insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland. In westdeutschen Bundesländern haben, mit der Ausnahme von Hamburg, vier bis fünf von zehn Kindern zwischen ein und unter drei Jahren einen Kita­Platz, obwohl dieser für sieben von zehn Kindern ge­wünscht wird. Der ungedeckte Bedarf besteht in West­deutschland also für zwei bis drei von zehn Kindern. Diese Lücke ist noch einmal deutlich stärker ausgeprägt für Familien ohne abgeschlossenes Studium, die zu Hause überwiegend kein Deutsch sprechen, die armutsgefährdet 2 FRÜHE UNGLEICHHEITEN  NOVEMBER 2023  FES diskurs