4.2 KITA-NUTZUNG UND-BEDARFE NACH SOZIOÖKONOMISCHEN UND-DEMOGRAFISCHEN MERKMALEN DER FAMILIE Im Folgenden werden Kita-Gaps in Abhängigkeit des Alters der Kinder und aufgeteilt nach sozioökonomischen und-demografischen Merkmalen der Familie betrachtet. Diese Merkmale umfassen die elterliche Bildung, das Haushaltsnettoeinkommen, die elterliche Erwerbskonstellation, den Migrationshintergrund der Eltern sowie die zu Hause überwiegend gesprochene Sprache. Aus Perspektive der Bildungs- und Gleichstellungspolitik sind diese Merkmale von besonderem Interesse, da sie jene Gruppen kennzeichnen, die im Fokus dieser Politikfelder stehen. Gleichzeitig bilden sie damit auch jene Gruppen ab, die von einer Kita-Nutzung besonders profitieren. Dazu gehören armutsgefährdete Familien, Familien mit nicht erfüllten Erwerbswünschen oder solche, die zu Hause überwiegend nicht Deutsch sprechen, oder auch Elternteile, die allein in einem Haushalt mit Kindern leben. Dabei werden die Merkmale wie folgt abgegrenzt, wobei die Prozentangaben in diesem Abschnitt sich nur auf Kinder beziehen, die ein Jahr und älter sind: ȣ Elterlicher Bildungshintergrund: Familien werden danach unterschieden, ob kein Elternteil ein abgeschlossenes Hochschulstudium hat oder mindestens ein Elternteil einen Studienabschluss besitzt. In der verwendeten Stichprobe kommen ungefähr 37 Prozent der Kinder aus Familien, in denen kein Elternteil einen Studienabschluss hat. ȣ In Familien überwiegend gesprochene Sprache: Unterschieden wird zwischen Familien, in denen überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird, und Familien, in denen überwiegend Deutsch gesprochen wird. In knapp fünf Prozent der Haushalte in der Analysestichprobe wird überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen. ȣ Armutsgefährdung: Hier wird die gängige Definition verwendet, nach der eine Familie als armutsgefährdet gilt, wenn das monatliche Nettoäquivalenzeinkommen des Haushalts geringer ist als 60 Prozent des Medians (Statistisches Bundesamt 2023b). Die Armutsgefährdungsgrenze hängt dabei von der Anzahl und dem Alter der Haushaltsmitglieder ab. Armutsgefährdet sind circa zwölf Prozent der Kinder in der verwendeten Stichprobe. ȣ Mütterliche Erwerbsbeteiligung: Es wird zwischen nicht erwerbstätigen Müttern(29 Prozent in der verwendeten Stichprobe), Müttern in einer Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 20 Wochenarbeitsstunden(15 Prozent), Müttern in erweiterter Teilzeit mit 20 bis 35 Wochenarbeitsstunden(42 Prozent) und Vollzeiterwerbstätigen mit mehr als 35 Wochenarbeitsstunden (14 Prozent) unterschieden. ȣ Paarfamilien und Alleinerziehende: Hier werden Paarhaushalte von Haushalten unterschieden, in denen ein Elternteil ohne Partner_in in einem Haushalt mit Kindern lebt(Statistisches Bundesamt 2023a). Diese werden in dieser Studie als alleinerziehend bezeichnet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Elternteil außerhalb des Haushalts ebenfalls das Sorgerecht hat. Für viele dieser Merkmale zeigten sich bereits in vergangenen Studien bedeutende Kita-Gaps(siehe Kapitel 3). Die Analysen der kommenden Abschnitte beziehen sich alle auf Kinder ab dem zweiten Lebensjahr, da – wie in Abbildung 1 ersichtlich – vor dem vollendeten ersten Lebensjahr und somit vor Eintritt des Rechtsanspruchs auf einen KitaPlatz sowohl der Betreuungsbedarf als auch die Kita-Nutzung sehr gering sind. Darüber hinaus erscheint es angesichts der bestehenden ungedeckten Bedarfe für nahezu alle Altersgruppen wichtig, auch den Ü3-Bereich, das heißt die drei- bis sechsjährigen Kinder, systematisch in den Blick zu nehmen. Die Analysen lassen auch darauf schließen, ob Kita-Gaps ein vorübergehendes Phänomen sind, das sich mit dem Alter der Kinder verringert, oder ob die Unterschiede bis zum Schuleintritt beobachtbar sind und Kinder mit bestimmten Merkmalen in diesem Fall vor Schuleintritt trotz Bedarfs nur sehr spät oder gar nie eine Kita besuchen. Im Folgenden werden nun die Kita-Gaps nach den einzelnen Merkmalen der Familien vorgestellt. KITA-GAPS NACH ELTERLICHEM BILDUNGSHINTERGRUND In Abbildung 2 werden Kita-Gaps differenziert nach dem elterlichen Bildungshintergrund betrachtet. Zunächst ist zu erkennen, dass die Nutzungsunterschiede vom zweiten bis zum fünften Lebensjahr bestehen. Im Durchschnitt nutzen Familien, in denen kein Elternteil einen Studienabschluss hat, in diesem Alter der Kinder Kitas deutlich seltener als Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen Studienabschluss hat. Im zweiten Lebensjahr nutzen zum Beispiel 43 Prozent der Kinder aus Familien mit akademischem Hintergrund eine Kita, aber nur 28 Prozent der Kinder aus Familien ohne akademischen Hintergrund. Die geringere Nutzung von Kitas kann zwischen Alter eins und vier teilweise auf einen geringeren Betreuungsbedarf von Familien ohne akademischen Hintergrund zurückgeführt werden. In Familie mit akademischem Hintergrund bleibt im dritten Lebensjahr bei etwa jedem achten Kind der Betreuungsbedarf der Eltern ungedeckt, während bei Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund etwa jedes vierte Kind einen ungedeckten Bedarf aufweist. In den letzten zwei Kita-Jahren vor der Einschulung zeigen sich kaum noch Unterschiede in der Nutzung und in ungedeckten Bedarfen nach Bildungshintergrund der Eltern. 14 FRÜHE UNGLEICHHEITEN NOVEMBER 2023 FES diskurs
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Frühe Ungleichheiten : Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive
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