3 BISHERIGE STUDIEN ZU KITA-GAPS Analysen zu sozioökonomischen und-demografischen Unterschieden in der Nutzung von Kitas – als erster Bildungsort außerhalb der Familie – werden seit vielen Jahren in der sozialwissenschaftlichen Forschung durchgeführt und sind mittlerweile auch in der Sozial- und Bildungsberichterstattung fest verankert(so z. B. in Kinder- und Jugendhilfeberichten oder den zweijährig erscheinenden nationalen Bildungsberichten). Viele Jahre haben sich Studien darauf konzentriert, welche Merkmale erklären, ob Kinder Kitas besuchen. Dabei wurde nicht explizit auf Nutzungsunterschiede abgestellt. Neben Studien auf Basis deutscher Daten gibt es auch internationale Forschungsarbeiten, die Nutzungsunterschiede in der frühen Bildung und Betreuung außerhalb der Familie adressieren. Im Folgenden werden Studien zunächst auf Basis deutscher Daten zusammengefasst. Dabei werden explorativ Studien herangezogen, die sich auf Basis repräsentativer Daten dem Thema sozioökonomischer und -demografischer Nutzungsunterschiede widmen. Daran anschließend werden in einem weiteren Abschnitt auch einige ausgewählte internationale Studien skizziert. Der zweite Teil dieses Kapitels beschreibt Studien, die mögliche Gründe für die beobachtbaren Unterschiede in der Nutzung von Angeboten der frühen Bildung und Betreuung in Kitas untersuchen. Auch hier werden beispielhaft einige Studien herangezogen. 3.1 STUDIEN ZU KITA-NUTZUNGSUNTERSCHIEDEN Die folgende, explorative Literaturanalyse unterscheidet nach Nutzungsunterschieden im U3-Bereich für Kinder unter drei Jahren und im Ü3-Bereich für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt. DEUTSCHE STUDIEN – NUTZUNGSUNTERSCHIEDE IM U3-BEREICH In früheren Arbeiten zu den Faktoren, die Nutzungsunterschiede im U3-Bereich betrachten, zeigt sich, dass solche Unterschiede vor allem von der Erwerbstätigkeit der Mütter abhängen. Vor der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem zweiten Lebensjahr im Jahr 2013 wurden Unterschiede vielfach durch Zugangskriterien erklärt: Die Erwerbstätigkeit beider Elternteile war im U3Bereich häufig eine Voraussetzung dafür, einen Kita-Platz in Anspruch nehmen zu können. Unterschiedliche empirische Untersuchungen auf der Basis des Sozio-oekonomisches Panel(SOEP), des Mikrozensus oder auch der DJIKinderbetreuungsstudien(vgl. z. B. Büchel/Spieß 2002; Spieß et al. 2002, 2008; Wrohlich 2007; Fuchs 2006; FuchsRechlin 2008; Kreyenfeld 2004, 2007; Krapf/Kreyenfeld 2011; Bien et al. 2006; Geier/Riedel 2008; Schober/Spieß 2012, 2013) zeigen darüber hinaus, dass der Bildungshintergrund der Eltern – insbesondere der Mutter – und das Haushaltseinkommen Kita-Nutzungsunterschiede erklärten. So besuchten Kinder von Müttern oder Eltern mit einem höheren Bildungsniveau eher eine Kita als Kinder bildungsfernerer Familien. Auch stieg mit der Höhe des Haushaltseinkommens die Wahrscheinlichkeit einer KitaNutzung. Kinder aus einkommensarmen oder auch deprivierten Haushalten besuchten hingegen mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit eine Kita. Ferner zeigt sich für Ostdeutschland, dass Kinder, deren Eltern Arbeitslosengeld II bezogen, seltener eine Kita nutzten als die entsprechende Referenzgruppe. Aufgrund von spezifischen Regelungen von Kommunen und Trägern war zudem zu beobachten, dass Kinder alleinerziehender Eltern – unabhängig vom Erwerbsstatus – eher eine Kita besuchten als Kinder aus Paarhaushalten. Dieser Zusammenhang existierte allerdings nur in Westdeutschland. Auch Kinder mit Migrationshintergrund gingen seltener in eine Kita. Daten der amtlichen Statistik zeigen z. B. für das Jahr 2010, dass die gesamtdeutsche Nutzungsquote bei Kindern mit Migrationshintergrund nur zwölf Prozent betrug, während sie bei Kindern ohne Migrationshintergrund damals bei nahezu einem Drittel lag. Untersuchungen im Rahmen der NUBBEK-Studie zeigen zudem, dass solche Unterschiede nach dem Migrationshintergrund teilweise verschwanden, wenn für andere sozioökonomische Faktoren kontrolliert wird: Türkische Familien, in denen Mütter erwerbstätig waren, die einen höheren Bildungsabschluss aufwiesen und die weniger traditionelle Rolleneinstellungen hatten, unterschieden sich bei der Kita-Nutzung nicht von vergleichbaren Familien ohne Migrationshintergrund(Tietze et al. 2012). Schober und Spieß(2012) zeigen auf Basis der SOEP- und Familien-in-Deutschland-Daten(FiD), dass die im Haushalt gesprochene Sprache außerdem besonders ausschlaggebend für eine Kita-Nutzung war. So waren Kinder, deren Familien überwiegend eine andere Sprache als Deutsch im Haushalt sprachen, stark unterrepräsentiert. Inzwischen wird die zu Hause mehrheitlich gesprochene Sprache auch in den amtlichen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik erhoben. Die darauf basierenden Analysen bestätigen die oben genannten Befunde. Neuere Studien belegen, dass auch Jahre nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem zweiten Lebensjahr im Jahr 2013 sich die Nutzung erheblich nach sozioökonomischen und-demografischen Merkmalen unterscheidet. Dies ist bemerkenswert, da mit dem Rechtsanspruch auch das Ziel verbunden war, diese Unterschiede zu reduzieren. So zeigt sich, dass Kinder von Eltern mit niedrigerem Bildungsstand, aus armutsgefährdeten Familien und Familien, die zu Hause nicht überwiegend Deutsch sprechen bzw. deren Eltern einen Migrationshintergrund haben, in Kitas nach wie vor unterrepräsentiert sind(vgl. z. B. Jessen et al. 2018, 2020a, 2020b; Schmitz et al. 2023; Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung 2016, 2018, 2020, 2022). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 7
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Frühe Ungleichheiten : Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive
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