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Frühe Ungleichheiten : Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive
Entstehung
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6 MÖGLICHE GRÜNDE FÜR EINE NICHT­NUTZUNG UND ZUGANGSBARRIEREN VON ELTERN MIT UNGEDECKTEN KITA-BEDARFEN 6.1 SUBJEKTIVE GRÜNDE FÜR EINE NICHT­NUTZUNG VON ELTERN MIT UNGEDECK­TEN KITA-BEDARFEN In der Literatur existieren unterschiedliche Studien, die sich mit den Gründen von Unterschieden in der Kita-Nut­zung befassen(vgl. Abschnitt 3.2). Allerdings differenzie­ren viele dieser Studien nicht nach den Betreuungswün­schen der Familien und berücksichtigen damit keine Un­terschiede in den ungedeckten Bedarfen. Im Folgenden werden auf Basis der KiBS-Daten für die Jahre 2018 bis 2020 daher solche Gründe analysiert, die von den Befrag­ten mit ungedeckten Bedarfen im Sinne obiger Analysen selbst angegeben wurden. Dabei handelt es sich um subjek­tive Einschätzungen des befragten Elternteils. In der KiBS-Befragung werden Familien nach den Gründen für die Nichtnutzung einer Kita gefragt. Dabei können die Befragten mehrere Gründe gleichzeitig nen­nen. Wie in Abschnitt 3.2 erläutert, können Gründe für Nutzungsunterschiede und ungedeckte Bedarfe sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite bestehen. Diese Zuordnung erfolgt im Rahmen dieser Studie und wird nicht von den Befragten selbst vorgenommen. Bezüglich der Angebotsseite gibt etwa jede zweite Fa­milie(46 Prozent) mit ungedecktem Bedarf an, dass sie ei­nen Platz gewollt, aber nicht bekommen hat. 11 Weiterhin gibt fast jede dritte dieser Familien an, dass es an ihrem Wohnort kein Angebot gab. 27 Prozent nennen die Kita­Kosten als Grund, warum das Kind keine Kita besucht. 13 Prozent geben nicht passende Öffnungszeiten und neun Prozent eine unzureichende Förderung des Kindes(siehe Abbildung 17) als Gründe an. Auf der Nachfrageseite genannte Gründe umfassen Aus­sagen wie, dass die Kinder noch zu jung für eine Kita sind (58 Prozent), die Familien gute Erfahrung mit der Betreuung zu Hause gemacht haben(52 Prozent) oder ihr Kind selber erziehen möchten(51 Prozent). Weitere Gründe sind, dass die Großeltern die Betreuung übernehmen können(25 Pro­zent) oder die Betreuung nicht infrage kommt(15 Prozent). Im Folgenden werden die Gründe nach sozioökonomi­schen und-demografischen Merkmalen aufgeschlüsselt betrachtet, um besser zu verstehen, warum Familien mit bestimmten Merkmalen häufiger ungedeckte Bedarfe auf­weisen(Abbildung 18). Der Fokus liegt dabei auf der An­gebotsseite, da diese Faktoren von der Politik kurzfristig aktiv beeinflusst werden könnten. Familien mit höheren ungedeckten Bedarfen nennen häufiger Gründe auf der Angebotsseite als die Vergleichs­gruppe. Insbesondere für Alleinerziehende, armutsgefähr­dete Familien und Familien, die zu Hause überwiegend kein Deutsch sprechen, sind diese Gründe relevant. Sie be­richten signifikant häufiger, dass sie einen Kita-Platz ge­wollt, aber nicht bekommen haben. Auch die Verfügbarkeit vor Ort spielt für die betrachteten Familien eine signifi­kant wichtigere Rolle als für Paarfamilien, Familien, in de­nen überwiegend Deutsch gesprochen wird, und nicht ar­mutsgefährdete Familien. So geben Alleinerziehende bei­spielsweise mit zehn Prozentpunkten häufiger als Paarfa­milien an, im Ort kein Angebot zu haben. Für Familien, die zu Hause überwiegend kein Deutsch sprechen, beträgt der Unterschied sogar 19 Prozentpunkte im Vergleich zu Familien, die zu Hause überwiegend Deutsch sprechen. Auch eine unzureichende Förderung des Kindes und eine gescheiterte Eingewöhnung wird von Alleinerziehen­den, armutsgefährdeten Familien und Familien, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, öfter als Grund für eine Nichtnutzung trotz Bedarfs angeführt als von Familien, die diese Merkmale nicht erfüllen. Auch nennen insbesondere armutsgefährdete Familien und Fa­milien, in denen überwiegend kein Deutsch gesprochen wird, häufiger als Familien ohne diese Merkmale, dass ihre Kultur in Kitas nicht ausreichend berücksichtigt wird und sie daher ihr Kind nicht in einer Kita betreuen lassen, ob­wohl sie gleichzeitig einen entsprechenden Bedarf äußern. Für Familien ohne akademischen Hintergrund spielt bei ungedeckten Bedarfen das mangelnde Platzangebot eher seltener eine Rolle als für Familien mit akademischem Hintergrund. Vielmehr wird den Kosten und Öffnungszei­ten eine stärkere Rolle bei der Nichtnutzung beigemessen 11 Zudem werden Familien, die einen Platz gewollt, aber nicht bekommen haben, danach gefragt, warum sie keinen Platz erhalten haben. 94 Prozent nennen als Hauptgrund das zu geringe Angebot. Nur 14 Prozent geben an, dass der angebotene Platz nicht ihren Vorstellungen entsprach. Dies deutet darauf hin, dass Familien, die tatsächlich eine Betreuung wünschen, den Bedarf aufgrund mangelnder Plätze nicht decken können. Die Ausgestaltung des Kita-Angebots ist bei der Deckung des Bedarfs für diese Familien zweitrangig. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 33